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04.01.2008

11:21 Uhr

Boom im Kreditgeschäft

Türkische Banken setzen auf Energie und Immobilien

VonGerd Höhler

Die Subprime-Krise lässt die Banken am Bosporus kalt. Schließlich hat die türkische Finanzbranche noch beträchtliches Wachstumspotenzial. Vor allem zwei Sektoren versprechen einen Boom im Kreditgeschäft: die Immobilienfinanzierung und der schnell wachsende Kapitalbedarf der Energiewirtschaft.

ISTANBUL. Fast vergessen ist die schwere Finanzkrise des Jahres 2001, die das Land in die tiefste Rezession seiner jüngeren Geschichte und fast 20 Privatbanken in den Bankrott trieb. „Die Krise wirkte ein reinigendes Gewitter, heute stehen die übrig gebliebenen Banken sehr viel stärker da, auch dank des erheblich verbesserten Instrumentariums der Bankenaufsicht", sagt Semra Demirli, Chef-Repräsentantin der Commerzbank in Istanbul. Der Blick aus ihrem Büro scheint dies zu bestätigen: Der Branche geht es wieder gut. Überall im Bankenviertel Levent drehen sich Baukräne, wachsen neue Finanzpaläste in die Höhe.

Der Bankensektor hat gut verdient: Marktführer Isbank meldete für das 3. Quartal 2007 einen Gewinnsprung von 90 Prozent. Im Branchendurchschnitt liegt das Gewinnwachstum bei etwa 35 Prozent. Die Subprime-Krise ging an den türkischen Banken bisher weitgehend spurlos vorüber, weil die Institute nicht in entsprechende Papiere investiert hatten. Auch die Belastungen durch die verteuerten Refinanzierungskosten am Interbank-Markt hielten sich in Grenzen. „Keine türkische Bank hat auf dem Höhepunkt der Krise im August und September 2007 Liquiditätsprobleme bekommen", stellt die Ratingagentur Fitch fest. Und das eigene Hypothekengeschäft ist vorerst viel zu übersichtlich, um größere Risiken zu bergen.

In der Vergangenheit waren private Hypothekenkredite wegen der hohen Zinsen in der Türkei weitgehend unbekannt. Immer noch werden nur etwa fünf Prozent der Wohnungskäufe von Banken finanziert. Es handelt sich meist um Darlehen zu recht hohen Festzinsen mit einer Laufzeit von weniger als fünf Jahren, wobei nur ein kleiner Teil des Immobilienwerts beliehen wird. Da kann für die Banken nicht viel schief gehen. „Es gibt kein Problem im türkischen Hypothekenmarkt", versichert Turan Erol, Präsident der Kapitalmarktkommission.

Seit Anfang dieses Jahres gibt es mit dem neuen Hypothekengesetz endlich ein Regelwerk für die Vergabe von Hypothekenkrediten. Der Markt dürfte sich in den kommenden Jahren stürmisch entwickeln: In der Türkei, deren Bevölkerung zu 70 Prozent unter 30 Jahren alt ist, werden jedes Jahr rund 350 000 neue Wohnungen benötigt. Neben der Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen wird der expandierende Wohnungsmarkt daher in den nächsten Jahrzehnten eine der Säulen der türkischen Kreditwirtschaft sein.

Eine weitere dürfte der Energiesektor werden. Fachleute schätzen, dass die Türkei bis 2020 rund 130 Mrd. Dollar in den Bau von Kraftwerken, Verteilungsnetzen, Raffinerien und Pipelines investieren muss, um den wachsenden Energiebedarf zu decken. Die Commerzbank ist in der Türkei Marktführer bei der Finanzierung von Windkraftanlagen: Das Institut finanziert zurzeit vier Einzelprojekte mit einer installierten Kapazität von 170 Megawatt (MW). Auch die einheimischen Kreditinstitute haben inzwischen diesen Markt entdeckt: Die Garanti Bank, Nummer drei der Branche, stellte 2007 Kredite von 900 Mill. Dollar für Investitionen im Energiesektor bereit.

Daneben wächst der Finanzierungsbedarf für die zunehmend von der Privatwirtschaft umgesetzten Infrastrukturprojekte wie den Bau von Auto- und Eisenbahnen, Flug- und Seehäfen. Mit Krediten von 3,5 Mrd. Dollar war Türk Telekom einer der größten Kunden der türkischen Banken. Kein Wunder, dass der türkische Markt Investoren anzieht. Ausländische Banken und Institute mit ausländischer Kapitalbeteiligung kontrollieren inzwischen 23 Prozent des Marktes.

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