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10.01.2008

16:20 Uhr

Brasilianische Branco Bradesco

Die innovative Traditionsbank

VonAlexander Busch

Die brasilianische Banco Bradesco sucht einen neuen CEO, und die gesamt Finanzwelt des Landes schaut gebannt zu. Denn die Traditionsbank dominiert den Finanzmarkt des südamerikansichen Landes seit Jahren fast nach Belieben.

SÃO PAULO. Wer wird Nachfolger von Márcio Cypriano? Keine Personalie beschäftigt zurzeit die brasilianischen Finanzmärkte mehr. Der CEO von Bradesco, der größten privaten Bank Brasiliens, wird im März 2009 abtreten, weil er dann die Altersgrenze von 65 Jahre überschritten hat. Nach den Statuten müsste Cypriano einem Nachfolger Platz machen an seinem Schreibtisch im vierten Stock der unscheinbaren Zentrale in der „Cidade de Deus“ – der sogenannten Gottesstadt – in der Peripherie von São Paulo.

Verständlich, dass die Spannung groß ist: Denn wer den Bradesco führt, hat den mit Abstand mächtigsten Job, den es im brasilianischen Bankensystem gibt. Er hat mehr wirtschaftliche und politische Macht als etwa auf den Präsidenten-Posten in den nach Aktiva und Depositen weit größeren Staatsbanken wie dem Banco do Brasil oder der Caixa. Denn anders als bei den öffentlichen Instituten, deren Präsidenten schneller wechseln als die Minister in Brasília, ist Bradesco ein Ort der Ruhe auf den nervösen Finanzmärkten Brasiliens. In der 64-jährigen Geschichte der Großbank ist Cypriano erst der dritte Präsident. Sein Vorgänger, der vom Bankengründer noch ernannt wurde, führt den Verwaltungsrat bis heute.

Auch sein Nachfolger wird mindestens zehn Jahre in der Bank gearbeitet haben müssen. Bei Bradesco sind Hauskarrieren üblich. Als vor einem Jahr die neu gegründete Bradesco-Investmentbank mit einem Topbanker von außerhalb besetzt wurde, kam das einer Revolution gleich. Gerade erst ist die Bank zum Unternehmen gewählt worden, das am besten die Karrieren seiner Mitarbeiter fördert. Diese danken es dem Institut mit Treue. Fast die Hälfte der 36 000 Mitarbeiter ist länger als zehn Jahre bei Bradesco beschäftigt – ungewöhnlich in Brasilien, wo „Jobhopping“ normal ist.

Angesichts der demonstrativen Biederkeit Bradescos ist erstaunlich, dass die Bank zu den innovativsten, agilsten und rentabelsten Banken Lateinamerikas zählt. Mit einer Eigenkapitalrendite von rund 30 Prozent hängt sie sogar weltweit die meisten Banken ab. Ihre Stärke ist einerseits ihr großes Filialnetz. Dies hat der Gründer Amador Aguiar schon aufgebaut, als Bradesco wie die meisten Banken in Brasilien ihr Geld noch hauptsächlich damit verdiente, dass sie den Staat finanzierte. Wegen der Hochinflation waren die Filialen bereits durch ein eigenes satellitengestütztes Kommunikationsnetz miteinander verbunden, obwohl Telefone noch selten waren in Brasilien. Als Brasiliens Regierung vor zwölf Jahren mit der Wirtschaftsreform Plano Real der Geldentwertung ein Ende setzte, war Bradesco bestens vorbereitet, um mit „normalen“ Banktätigkeiten Geld zu verdienen.

Zuerst waren es Kredite, dann Kreditkarten und Versicherungen. Und seit kurzem fungiert Bradesco als Privatbank für betuchte Brasilianer, als Immobilienfinanzierer und jetzt sogar als Investmentbank, um auch einen Teil vom Kuchen auf dem brummenden Finanzmärkten abzubekommen. Noch nie wurde so viel fusioniert, übernommen, Kapital geöffnet in Brasilien wie seit zwölf Monaten. In drei Jahren will Bradesco von Null aus die größte brasilianische Investmentbank werden.

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