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15.01.2009

20:26 Uhr

Briten in der Krise

Brown erwägt „Bad Bank“

VonMichael Maisch

Großbritannien bekommt die Kreditklemme nicht in den Griff. Trotz eines steuerfinanzierten Programms über 500 Mrd. Pfund, ist die Verunsicherung der Banken weiter groß. Deshalb will Premierminister Brown nun auch kleine und mittelständische Unternehmen finanziell unterstützen und die faulen Kredite der Banken aufkaufen.

Der britische Premierminister Brown denkt laut über die Gründung einer "Bad Bank" nach. Foto: Reuters Quelle: Reuters

Der britische Premierminister Brown denkt laut über die Gründung einer "Bad Bank" nach. Foto: Reuters

LONDON. Am vergangenen Wochenende lud der britische Premierminister Gordon Brown zum Krisengipfel auf seinen Landsitz Chequers ein. Pünktlich zum Lunch traten die Chefs der Großbanken Barclays, Standard Chartererd und Lloyds TSB zum Rapport im Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert an. Einziger Punkt auf der Tagesordnung: Wie lässt sich die Kreditklemme, die Großbritannien immer tiefer in die Rezession treibt, endlich lösen.

Die Antwort von Browns Labour-Regierung auf diese Frage dürfte noch im Januar erfolgen und wird voraussichtlich so aussehen: Ein zweites Rettungspaket für die angeschlagenen heimischen Banken, mit neuen milliardenschweren Staatsgarantien für Kredite und wohl auch neuen umfangreichen Eigenkapitalhilfen. Denn Analysten fürchten, dass die Finanzkrise schon bald neue riesige Löcher in die Bankbilanzen reißen wird.

Großbritannien hat im Oktober 2008 als erstes Industrieland ein Rettungspaket für die heimischen Geldhäuser vorgelegt. Zu Browns erstem steuerfinanzierten Programm über 500 Mrd. Pfund gehörte ein Fonds mit 50 Mrd. Pfund für direkte Beteiligungen an Kreditinstituten, aus dem sich die Großbanken bislang mit 37 Mrd. Pfund bedient haben. An der Royal Bank of Scotland hält der Staat inzwischen die Mehrheit, und nach der Zwangsfusion von LLoyds TSB und HBOS gehören der Regierung mehr als 42 Prozent des neuen Bankenriesen.

Neben den direkten Kapitalhilfen gehörte zu dem Paket auch ein Liquiditätsprogramm über 200 Mrd. Pfund. Außerdem verpflichtete sich der Staat, mit 250 Mrd. Pfund für Kredite zwischen den Banken geradezustehen. Doch trotz der vielen Milliarden der Regierung und trotz dramatischer Zinssenkungen der Bank of England gelang es bislang nicht, die durch die Finanzkrise entstandene Kreditklemme aufzulösen. Brown räumt inzwischen ein, dass weitere Maßnahmen notwendig sind, um die Kreditvergabe wieder in Schwung zu bringen. Nach Informationen aus Regierungskreisen arbeitet die Labour-Regierung unter anderem an einem Programm, bei dem der Staat Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen in Höhe von 20 Mrd. Pfund garantieren würde. Außerdem denkt Brown offenbar über die Gründung einer sogenannten „Bad Bank“ nach, die faule Wertpapiere der angeschlagenen Geldhäuser übernehmen würde, und so die Bilanzen der Banken „reinigen“ würde.

Zum zweiten Rettungspaket könnten auch neue direkte Kapitalhilfen für die Kreditinstitute und damit am Ende möglicherweise weitere Verstaatlichungen zählen. Noch spielt Brown diese Option allerdings herunter. Weitere Staatsbeteiligungen stünden auf seiner Agenda nicht ganz oben, gab er zu Protokoll.

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