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03.01.2008

14:27 Uhr

Britischer Bankenmarkt

Fusionspoker in London

Krisenängsten und Übernahmephantasien: Das neue Jahr hat kaum begonnen, schon zeichnen sich die ersten Turbulenzen am britischen Bankenmarkt ab. Der Baufinanzierer Alliance & Leicester steht möglicherweise vor der Übernahme durch die spanische Großbank Santander, gleichzeitig kämpft das kleine Institut London Scottish gegen die Folgen einer akuten Finanzkrise.

mm LONDON. Gestern kletterte der Kurs von Alliance & Leicester um rund neun Prozent. Grund für den rasanten Anstieg war die Nachricht, dass der Baufinanzierer vor Weihnachten intensiv mit der spanischen Großbank Santander über eine Übernahme verhandelt hat.

Am Ende scheiterten die Gespräche zwar an unterschiedlichen Vorstellungen über den Preis, aber nach Informationen der Zeitung „Financial Times“ hält Santander eine Wiederaufnahme der Gespräche für möglich. Den Spaniern gehört bereits das britische Geldhaus Abbey, außerdem war Santander 2007 an der spektakulären Übernahme der niederländischen Großbank ABN Amro durch ein Dreier-Konsortium unter Führung der Royal Bank of Scotland beteiligt.

Nach dem gestrigen Kurssprung ist Alliance & Leicester an der Börse rund 2,75 Mrd. Pfund wert. In den vergangenen sechs Monaten musste der Baufinanzierer allerdings die heftigsten Verluste aller britischen Bankaktien hinnehmen. Die Papiere verloren rund 40 Prozent an Wert. Nach Informationen aus Finanzkreisen will das Management die Bank auf dem aktuellen Niveau nicht verkaufen, weil die Aktien nach dem Kurssturz deutlich unterbewertet seien. Alliance & Leicester war 2007 in den Sog der Krise rund um die Hypothekenbank Northern Rock geraten und musste sich wochenlang gegen Gerüchte wehren, dass ein Finanzierungsengpass drohe.

Northern Rock, der fünftgrößte britische Baufinanzierer, war zuvor im Zuge der großen Kreditkrise an den Kapitalmärkten in akute Finanznot geraten und musste von der britischen Notenbank mit Notfallkrediten von 25 Mrd. Pfund vor dem Kollaps gerettet werden.

Kurz vor dem Jahreswechsel geriet mit dem kleinen Institut Scottish London eine weitere britische Bank in den Sog der Kreditkrise. Das Geldhaus mit Sitz im nordenglischen Manchester kämpft mit faulen Krediten im Wert von 22 Mrd. Pfund und wurde von der britischen Finanzaufsicht FSA aufgefordert, zusätzliches Kapital bereitzustellen.

Die Schäden seien vor allem im Geschäft mit nicht besicherten Verbraucherdarlehen entstanden, teilte das auf Kredite an ärmere Kunden spezialisierte Institut mit. London Scottish beschäftigt rund 2 000 Mitarbeiter. Das Geldhaus hatte zuletzt 48 Filialen geschlossen und betreibt nun noch 52 Zweigstellen in Großbritannien.

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