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15.01.2008

09:12 Uhr

Chinas Superbank

Der chinesische Scheinriese

VonAndreas Hoffbauer

Chinas Superbank, die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) hat die internationale Konkurrenz ausgestochen. Gemessen am Börsenwert hat die ICBC der Citigroup den Rang als weltgrößtes Kreditinstitut abgenommen. Doch der Erfolg ist nicht ganz hausgemacht. Analysten sehen Chinas Banken an den Börsen überbewertet.

ICBC-Zentrale in Peking. Foto: ap

ICBC-Zentrale in Peking. Foto: ap

CHINA. Als im Sommer 2000 Citigroup-Gründer Sandy Weill den chinesischen Kollegen Jiang Jianqing auf einer Cocktailparty traf, konnte der US-Banker noch auftrumpfen. Dem Chef der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) soll der Amerikaner sehr deutlich gemacht haben, dass Chinas Banken noch nicht reif für den Weltmarkt seien. „Sie haben dafür aber 40 Jahre gebraucht – wir nur zehn“, lautete der dezente Hinweis von Jiang beim Cocktail-Plausch.

Es war eine klare Kampfansage, die Weill vielleicht hätte ernster nehmen sollen. Denn inzwischen hat Chinas Superbank die internationale Konkurrenz ausgestochen. Erst legte ICBC im Herbst 2006 mit einer 22 Mrd. Dollar schweren Notierung in Schanghai und Hongkong den größten Börsengang der Welt aufs Parkett. Nur neun Monate später nahm die ICBC der Citigroup gemessen am Börsenwert den Rang als weltgrößtes Kreditinstitut ab.

Der Erfolg ist allerdings nicht ganz hausgemacht. Analysten sehen Chinas Banken an den Börsen überbewertet, die Regierung in Peking hat in den vergangenen Jahren immer wieder mit Milliardenspritzen ausgeholfen. Und Rückenwind bekamen Chinas Staatsbanken zuletzt durch die US-Hypothekenkrise, von der sie selbst noch relativ verschont blieben. Bislang wurden bei der ICBC nur rund 1,2 Mrd. Dollar an Ausfällen bekannt.

ICBC-Chef Jiang sieht nun die Gunst der Stunde: „Die Auslandsbanken haben, angeschlagen durch die Subprime-Krise, ihre Expansionspläne gebremst.“ Dagegen stünden die chinesischen Banken kapitalstark und wettbewerbsfähig da. „Wir sind vor allem an Zukäufen in Afrika und Asien interessiert.“

Für einen Paukenschlag sorgte der Banker mit dem Einstieg bei Südafrikas größter Bank Standard Chartered. Für die 20-prozentige Beteiligung an der Bank aus Johannesburg zahlte ICBC rund 5,7 Mrd. Dollar – so viel hat eine China-Bank noch nie auf einen Schlag im Ausland investiert.

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