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06.01.2010

15:20 Uhr

Chipfehler

EC-Kartennutzern droht Umtauschaktion

Inzwischen ist klar, wer für die neuerlichen Probleme bei EC- und Kreditkarten verantwortlich ist: die französische Firma Gemalto. Im Gespräch mit dem Handelsblatt gesteht der Chef des Chipkartenherstellers, dass die defekten Bankkarten eventuell ausgetauscht werden müssen.

Ein kleiner Chip macht großen Ärger. dpa

Ein kleiner Chip macht großen Ärger.

PARIS/ FRANKFURT. Olivier Piou, Chef des französischen Chipkartenherstellers Gemalto, bereitet die Bankkunden darauf vor, dass die defekten deutschen EC- und Kreditkarten ausgetauscht werden müssen. "Wir arbeiten derzeit daran, das Problem dauerhaft zu lösen, ohne die Karten eintauschen zu müssen. Das Verfahren testen wir derzeit", sagte Piou dem Handelsblatt . Nach Angaben aus Bankenkreisen soll versucht werden, die fehlerhaften Karten beim Einführen in einen Geldautomaten umzuprogrammieren und damit den Fehler zu beheben.

Von Gemalto stammen die Chips auf den rund 30 Mio. fehlerhaften deutschen Bankkarten. Das französische Unternehmen hat heute die Verantwortung für die Panne übernommen. Die Chips haben Probleme, die neue Jahreszahl 2010 korrekt zu verarbeiten und blockieren das Geldabheben am Automaten und Bezahlen im Geschäft. Seit Mittwoch werden Rufe nach Schadenersatz-Forderungen gegen Gemalto laut. Zu möglichen finanziellen Folgen des Chipkarstendesasters wollte Piou keine Angaben machen. Die Gemalto-Aktie verlor gestern rund drei Prozent.

Ein Austausch der Karten hat das große Problem, dass er sehr lange dauert. Außerdem müssen sich Kunden womöglich an eine neue Geheimzahl gewöhnen. Müssten alle betroffenen Karten ausgetauscht werden, könnte dies bis zu 300 Millionen Euro kosten. Branchenkenner veranschlagen fünf bis zehn Euro je Karte für Rückruf und Austausch.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner forderte von den Banken, das Problem schnell zu lösen und Kunden mögliche Kosten zu erstatten. Durch das Karten-Debakel bringen die Banken zunehmend Verbraucher und Handel gegen sich auf. Die Kritik am Krisenmanagement der Banken wächst, nachdem das Problem beim Bezahlen in Geschäften und Tankstellen nach fast einer Woche noch immer nicht gelöst ist.

Geldinstitute, Betreiber der Terminals für Kartenzahlungen, aber auch der Einzelhandel prüfen Regressforderungen. „Wir haben verärgerte Kunden und verloren gegangene Einnahmen, wofür wir schlicht nichts können“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes HDE, Stefan Genth. Nicht jeder Kunde habe genügend Bargeld in der Tasche, einige ließen die Ware im Laden. Einige Händler umgehen nun das Problem durch das althergebrachte elektronische Lastschriftverfahren, bei dem nur die Kontodaten der Karte gelesen werden und der Kunde unterschreibt. Das Risiko liegt hier aber beim Händler. Einige bügeln den Kartenfehler mit einem Trick aus: Sie überkleben den Chip einfach mit Klebeband.

Kommentare (1)

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schnukl

06.01.2010, 17:40 Uhr

"niederländische" Unternehmen? ich denke französisch ist es? Liebe Redaktion RECHERCHE und KORREKTUR LESEN hilft manchmal!

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