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07.01.2009

08:00 Uhr

Commerzbank-Übernahme

Allianz hält Milliarden für die Dresdner bereit

VonThomas Schmitt

In der Münchner Zentrale der Allianz herrschte gestern Schweigen: Kein Kommentar, hieß es zu den Gesprächen über staatliche Hilfen für die Dresdner Bank. Durch diese Verhandlungen hängt der Verkauf der Dresdner Bank. Dennoch soll der Deal mit der Commerzbank bis Ende Januar über die Bühne gehen.

Die Allianz hält weitere Milliarden für die Dresdner Bank bereit. Foto: dpa dpa

Die Allianz hält weitere Milliarden für die Dresdner Bank bereit. Foto: dpa

FRANKFURT. Bis dahin lautet die Devise: Extrem wachsam sein. Niemand in Berlin, Frankfurt, Bonn oder Brüssel soll verärgert werden oder irgendetwas in den falschen Hals bekommen.

Durch Schweigsamkeit wollen die Münchner verhindern, dass irgendein schräger Satz ausgenutzt werden könnte, um der Versicherung noch ein paar weitere Milliarden zu entlocken, damit der Dresdner-Deal endlich über die Bühne geht.

Tatsächlich richtet sich der Finanzkonzern aber schon darauf ein, indirekt weiteres Geld zuzuschießen. So haben die Allianz-Manager vermutlich wenig Einwände, wenn ihnen eine Bundesanleihe als Investition angeboten würde, glauben Beobachter. Guter Schuldner, ordentliche Zinsen – das wünsche sich doch jeder Investor. Dass hinter solch einer Anleihe über eine staatliche Hilfskonstruktion auch die Commerzbank und die Dresdner stecken könnten, mache die Sache sogar charmant. Wenn solche Kapitalanlagen den Dresdner-Deal gar perfekt machten, würden eine Allianz ein paar weitere Milliarden Euro dafür nicht weh tun.

Dies wäre eine Investition, aber auch eine Absicherung. Denn die Allianz wird nach dem Dresdner-Deal 18 Prozent der Commerzbank-Aktien halten und will 15 Jahre lang über die Bank viele Versicherungen verkaufen.

Notgedrungen bleibt der Allianz daher derzeit nichts anderes übrig, als die Verhandlungen über Hilfen für die Dresdner Bank wohlwollend zu begleiten. Aus Sicht des Käufers, der Commerzbank, war es ein kluger Schachzug, darüber mit der Finanzmarktstabilisierungsagentur Soffin vor Abschluss des Dresdner-Deals zu reden. Denn so müssen die Münchner irgendwie mitmachen, wenn sie den Deal zu Ende führen wollen.

Manche in der Branche fassen dies als Erpressung auf. Aus der Sicht der Allianz geht es jedoch um ökonomische Zwänge. Spätestens seit Neujahr ist klar: Die Lage bei der Dresdner ist übler als vor einem Monat befürchtet. Die Ratingagenturen, vor allem Moody's, führen zudem neue Bewertungsansätze ein, an denen niemand vorbeikommt. Das trifft den Giftmüll in den Bilanzen und führt zu neuen Abschreibungen, vermuten Analysten. In welcher Höhe, das ist derzeit noch Spekulation. Allein der schnelle Gang der Dresdner zur Soffin ist für manche schon ein Indiz für weitere Milliardenlasten.

Diese veränderte Lage nutzt die Commerzbank aus – und die Allianz fährt im Beobachtersitz mit. Dass die neuen Zwänge gar den Dresdner-Deal in letzter Minute zum Platzen bringen könnten, mochte sich in München gestern niemand vorstellen. Kein Wunder, man feierte ja Heilige Drei Könige.

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