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12.01.2008

11:13 Uhr

Dekabank-Chef zur Finanzkrise

Banken gehen weniger Risiken ein

Die weltweite Finanzkrise hat den Bankensektor empfindlich getroffen. Die Institute würden künftig riskante Engagements kritischer bewerten, glaubt der Vorstandschef des zentralen Fondsdienstleisters der Sparkassen, Franz Waas.

HB FRANKFURT. „Was es nicht mehr geben wird, ist das blinde Kaufen nur auf Rat der Rating-Agenturen“, sagte Waas der Deutschen Presse-Agentur dpa in Frankfurt. Die Rating-Agenturen waren als einer der Hauptschuldigen für Milliardenverluste vieler Banken kritisiert worden, weil sie riskante Finanzprodukte vermeintlich zu positiv bewertet hatten.

„Viele Banken werden infolge der Krise wieder selbst genauer hinschauen“, sagte Waas. „Die traditionelle Kreditanalyse wird wieder einen größeren Stellenwert bekommen.“ Allerdings gehen viele Branchenexperten davon aus, dass die größere Vorsicht bei der Auswahl von Produkten und dem Eingehen von Geschäften nur fünf bis sieben Jahre anhalten wird. Dann werde bei Banken wieder mehr Risikobereitschaft Einzug halten.

Ausgestanden ist die weltweite Finanzmarktkrise, die seit dem Sommer für Unruhe an den Märkten sorgt, nach Ansicht von Waas noch nicht. „Die Unsicherheiten sind noch da. Und sie werden auch anhalten, bis die Bilanzen für 2007 vorliegen, also voraussichtlich bis ins zweite Quartal 2008.“ Er hoffe, dass die Banken hinsichtlich ihrer Belastungen möglichst schnell für Transparenz sorgen: „Je früher die Bilanzen auf den Tisch kommen, umso besser.“

Die Dekabank selbst ist nach Angaben von Waas nicht im kriselnden Markt für zweitklassige US-Hypothekenkredite (subprime) engagiert. Zwar bekam das Institut die Folgen der Krise gleichwohl zu spüren und musste im dritten Quartal 2007 eine Ergebnisbelastung von 113 Millionen Euro hinnehmen. Dennoch schnitt die Dekabank in den ersten neun Monaten mit 522,3 Millionen Euro Vorsteuergewinn um 16 Prozent besser ab als im Vorjahreszeitraum, und auch das Gesamtjahr lag laut Waas „über dem Vorjahr“: „Wir sind zufrieden mit 2007. Für 2008 sehen wir aber noch weiteres Potenzial.“ Zahlen will das Institut bei der Bilanzvorlage am 18. März bekannt geben.

Waas betonte, es handele sich bei den Turbulenzen um eine Vertrauenskrise, nicht um eine Liquiditätskrise. „Liquidität ist ausreichend vorhanden. Nur: Wer sie braucht, bekommt sie derzeit nicht, und wer sie hat, gibt sie nicht her.“ Im deutschen Bankenmarkt sei außer der IKB und der Sachsen LB „der Rest mit Schrammen gesund“. Die Mittelstandsbank IKB und die sächsische Landesbank waren infolge ihres Engagements im kriselnden US-Immobilienmarkt in Schieflage geraten und mussten durch externe Hilfe gerettet werden.

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