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08.01.2008

15:29 Uhr

Düstere Aussichten

Finanzkrise verängstigt britische Banken

VonMichael Maisch

Die weltweite Kreditkrise droht dem jahrelangen Boom in der britischen Finanzbranche endgültig ein Ende zu setzen. In einer aktuellen Untersuchung bewerten Banken, Broker und Versicherer ihre Lage und die Aussichten für die kommenden Monate so schlecht wie seit 1991 nicht mehr - damals steckte Großbritannien in einer Rezession.

Dunkle Wolken schweben über den britischen Finanzzentren, wie hier den Londoner Docklands. Foto: ap ap

Dunkle Wolken schweben über den britischen Finanzzentren, wie hier den Londoner Docklands. Foto: ap

LONDON. Die jüngste vierteljährliche Umfrage des britischen Industrieverbandes CBI und der Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers zeigt, dass 44 Prozent der britischen Finanzindustrie im vierten Quartal 2007 über schlechtere Geschäfte klagten, nur zehn Prozent konnten ihre Einnahmen steigern. Der negative Saldo von 34 Prozent ist nicht nur deutlich schwächer als der von Analysten vorhergesagte Wert von elf Prozent, sondern auch das schlechteste Ergebnis seit dem Jahr 1991.

"Nach zwei Jahren mit sehr starkem Wachstum erleben wir eine klare Trendwende im Finanzsektor", kommentierte CBI-Chefvolkswirt Ian MacCafferty die Zahlen. "Die Kreditkrise hat zu einer empfindlichen Abkühlung bei den Einnahmen geführt, und es sieht so aus, als würden sich die Probleme bis weit ins Jahr 2008 hineinziehen." 70 Prozent der befragten Finanzunternehmen erwarten, dass die Kreditkrise noch mindestens sechs Monate dauern wird; 24 Prozent der Firmen befürchten, dass die Verwerfungen an den Kreditmärkten zu Problemen bei der eigenen Finanzierung führen werden.

In den vergangenen Monaten mussten britische Banken, deren Engagements in den Sog der Kreditkrise geraten waren, Milliardensummen abschreiben. Gleichzeitig trocknete die Liquidität am Geldmarkt zusehends aus, was die Refinanzierung der Institute deutlich verteuerte. Im Dezember war die sogenannte London Interbank Offered Rate (Libor) auf den höchsten Stand seit neun Jahren gestiegen. Ähnlich wie andere Notenbanken, hatte auch die Bank of England massiv zusätzliche Mittel in den Markt gepumpt, um die Liquidität über die kritische Phase des Jahreswechsels zu sichern.

Die pessimistischen Ergebnisse der jüngsten Umfrage dürften den Druck auf die Zentralbank erhöhen, am kommenden Donnerstag trotz anhaltender Inflationsgefahren ihre Leitzinsen erneut zu senken. Im Dezember hatte die Bank of England zum ersten Mal seit zwei Jahren die Zinsschraube gelockert, um die schädlichen Auswirkungen der Kreditkrise auf die reale Wirtschaft zu dämpfen.

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