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08.01.2009

15:25 Uhr

Finanzkrise

Banken fliehen aus China

VonAndreas Hoffbauer und Torsten Riecke

Europäische und amerikanische Banken verkaufen ihre Anteile an chinesischen Banken - und machen dabei mitunter Milliardengewinne. Inmitten der Finanzkrise kommt ihnen der warme Regen aus China gerade richtig.

Die Bank of America verringerte wegen der Finanzkrise ihre Beteiligung an der China Construction Bank. Foto: AP ap

Die Bank of America verringerte wegen der Finanzkrise ihre Beteiligung an der China Construction Bank. Foto: AP

PEKING/ZÜRICH. Für die krisengeschüttelten Großbanken in Europa und den USA wird China zum Dukatenesel. Nachdem bereits Anfang Januar die Schweizer UBS ihren Anteil von 1,33 Prozent an der Bank of China für mehr als 800 Mio. Dollar versilbert hatte, verkaufte gestern die amerikanische Bank of America (BoA) einen Anteil an der China Construction Bank (CCB) im Wert von 2,8 Mrd. Dollar. UBS soll mit dem Verkauf einen Gewinn von knapp 400 Mio. Dollar eingestrichen haben, BoA hat angeblich sogar 1,1 Mrd. Dollar verdient.

Experten erwarten, dass auch andere ausländische Banken wegen der Finanzkrise ihre Beteiligungen an chinesischen Finanzinstituten verringern. So soll die Royal Bank of Scotland (RBS) ebenfalls Interesse haben, sich von ihrem milliardenschweren Anteil an der Bank of China zu trennen. Nachdem Ausstieg der UBS sind noch der Staatsfonds Temasek aus Singapur und die Asian Development Bank bei der chinesischen Bank engagiert. Die RBS gehört zusammen mit der UBS zu jenen europäischen Banken, die am schwersten von der Finanzkrise gebeutelt wurden. Beide Institute benötigten im vergangenen Jahr staatliche Kapitalspritzen, um ihr Geschäft zu stabilisieren. Der warme Regen aus China kommt somit zur rechten Zeit.

An der Börse sorgte der Ausverkauf für zusätzliche Verkaufsspekulationen. Der Aktienkurs der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) gab gestern ebenfalls nach, da die letzte Haltefrist des Konsortiums aus Goldman Sachs, Allianz und American Express bald ausläuft. Die drei westlichen Investoren halten zusammen einen Anteil von insgesamt rund 29 Prozent an der ICBC. Goldman hat seinen Anteil gerade auf 20 Prozent erhöht.

Auch die Bank of America kann noch weitere Anteile an der China Construction Bank verkaufen. Die US-Bank verringert mit ihrem Ver-kauf ihren Anteil um rund 2,5 auf noch immer 16,6 Prozent. Das chi-nesische Finanzinstitut zeigte jedoch Verständnis. Dies sei ein "normales Verhalten am Markt", teilte die China Construction Bank mit, deren Aktienkurs an der Börse in Hongkong um rund sechs Prozent nachgab. Analysten vermuten jedoch, dass die US-Bank ihr Engagement nicht völlig aufgibt. So hat sich die BoA stets als langfristiger Investor bezeichnet und ihrem chinesischen Partner beim Aufbau des Private Banking und des Leasinggeschäfts geholfen. "Wir glauben, dass Bank of America wahrscheinlich einen Anteil von rund zehn Prozent behalten wird", sagte She Minhua, Analyst beim Brokerhaus China Securities, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

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