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22.01.2008

11:41 Uhr

Finanzkrise

Bundesbank-Chef: Banken sollen Karten auf den Tisch legen

Bundesbank-Präsident Axel Weber hat die Bankenbranche im Zuge der Finanzkrise scharf kritisiert. In der Vergangenheit sei oft Renditejagd vor Risikomanagement gegangen, sagte er in einem Interview. Außerdem forderte er von den Instituten mehr Transparenz und ein Ende der „Salamitaktik“. Die deutschen Unternehmen sieht er indes für die Turbulenzen gut gewappnet.

"Salamitaktik beenden", fordert Bundesbank-Präsident Axel Weber von den Banken. Foto: dpa dpa

"Salamitaktik beenden", fordert Bundesbank-Präsident Axel Weber von den Banken. Foto: dpa

HB FRANKFURT. In einem am Dienstag vorab veröffentlichten Interview mit dem Anlegermagazin „Focus-Money“ sagte Weber, das erste und zweite Quartal dürften aus seiner Sicht eine deutliche Entspannung der Märkte bringen. Voraussetzung sei jedoch, dass die „Banken die bisherige Salamitaktik bei der Offenbarung ihrer finanziellen Belastungen beenden und eine weitreichende Transparenz herstellen“, mahnte er.

„Ich denke, wir sehen mit den testierten Bilanzen des Jahres 2007 einen Großteil der Verwerfungen, aber sicherlich noch nicht alles“, warnte Weber. Fehlendes Risikomanagement der Banken und mangelnde Transparenz bei neuen Finanzprodukten seien die Ursachen für die Finanzmarktturbulenzen seit Sommer gewesen.

Weber wies Befürchtungen zurück, dass es in Deutschland zu einer Kreditklemme kommen könnte. „Es gibt in Deutschland viele Institute mit genügend freiem Kapital“, sagte er. „Auch wird der Wettbewerb dafür sorgen, dass die Unternehmen weiterhin Kredite zu vernünftigen Zinssätzen bekommen.“

Kritik äußerte Weber am seiner Meinung nach zu laxen Risikomanagement der Banken. „Deren Jagd nach Rendite (...) ging oft zu Lasten eines ordentlichen Risikomanagements und hat die Kreditvergabestandards aufgeweicht. Die Turbulenzen waren ein Weckruf und haben letztendlich nur bestehende Schwächen und Übertreibungen an den Finanzmärkten offengelegt.“

Mit Blick auf den jüngsten Crash an den Aktienmärkten gab sich Weber eher optimistisch. Zwar durchliefen vor allem die Banken derzeit einen recht „schmerzhaften Anpassungsprozess“. Die Gewinnsituation der deutschen Unternehmen sei jedoch so stark wie seit langem nicht mehr. „Die Gewinnmargen sind hoch. Daher glaube ich, dass die deutschen Unternehmen mit leicht schwierigeren Finanzierungsbedingungen klarkommen werden.“

Rufen nach Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) in der aktuellen Situation erteilte Weber indirekt eine Absage. Er habe kein Verständnis für Forderungen, die EZB solle ihre Zinspolitik an etwas anderem ausrichten als an den mittelfristigen Inflationsrisiken. „Geldpolitik kann die Konjunktur nicht langfristig stimulieren und sollte dies auch nicht versuchen. Damit würde sie Inflation erzeugen, statt Inflation zu verhindern.“

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