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10.01.2009

09:00 Uhr

Fünf Fragen an. Stefano Caselli

„Das Schlimmste liegt hinter uns“

VonKatharina Kort

Die Vermögensverwaltung ist die Achillesverse der italienischen Banken. Das glaubt Stefano Caselli, Professor für Banking und Finance an der Universität Bocconi. Ansonsten zeigt er sich im Interview optimistisch und erklärt, warum der Finanzsektor in Italien so robust ist.

Stefano Caselli, Professor für Banking und Finance an der Universität Bocconi. Pressebild

Stefano Caselli, Professor für Banking und Finance an der Universität Bocconi.

Handelsblatt: Bisher sind die italienischen Banken recht gut durch die Krise gekommen. Gilt das auch für die Zukunft?

Caselli: Ich denke ja. Wenn wir keine völligen Überraschungen erleben, sehe ich keine großen Probleme für die italienischen Banken. Die Folgen der Derivate sind bekannt, die der Lehman-Pleite ebenfalls. Es müsste schon etwas geschehen, was jetzt gar nicht absehbar ist.

Wie erklären Sie die relativ robuste Lage der italienischen Banken ?

Wir haben drei Arten von Banken in Italien: Unicredit, die Großbanken und die anderen. Unicredit hat eine gewaltige Attacke verdaut, bei den Derivaten, aber auch beim Aktienkurs. Und dennoch schließt die Bank das Jahr mit einem Riesengewinn ab - wenn auch etwas niedriger als im Vorjahr. Die anderen Großbanken sind traditionelle Geschäftsbanken, ein Modell, das die US-Banken gerade wiederentdecken. Und dann haben wir die vielen kleinen Banken, die vor allem lokal und traditionell sind. Sie haben die Krise überlebt, weil sie nie wirklich expandiert haben.

Haben wir das Schlimmste hinter uns ?

Ja. Die Banken werden zwar weniger Gewinne machen. Aber das heißt nicht, dass sie pleitegehen. Und weniger Gewinne werden alle Banken weltweit machen.

Wann wird es wieder aufwärts gehen für die Branche ?

Wer weiß das schon? Die meisten rechnen mit der zweiten Jahreshälfte 2009 oder der ersten Jahreshälfte 2010. Entscheidend wird sein, was die neue US-Regierung vorhat.

Was sind die Schwachpunkte der italienischen Banken ?

Ich sehe weniger die schwache Kapitalisierung als Problem. Das haben die Banken bereits gelöst. Das Problem liegt eher darin, in bestimmten schwachen Geschäftsbereichen wieder Gewinne zu erwirtschaften. Das gilt insbesondere für die Vermögensverwaltung. Dort müssen die Banken endlich bessere Produkte anbieten, die den Kunden etwas bringen. Außerdem müssen sie wieder das traditionelle Kreditgeschäft stärken und an Industrieunternehmen Geld verleihen.

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