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05.01.2012

17:31 Uhr

Geplante Übernahme

Telekoms geplatzter US-Deal belastet Banken

VonRobert Landgraf

Mit dem Verkauf ihrer US-Tochter T-Mobile ist die Telekom gründlich gescheitert. Doch nicht nur für den Konzern in Bonn ist die Schlappe schmerzhaft. Auch für die Banken war es ein schlechtes Geschäft.

Der Korb von AT&T hat die Telekom hart getroffen. dpa

Der Korb von AT&T hat die Telekom hart getroffen.

FrankfurtMitte Dezember war die Welt für Deutschlands Banker noch in Ordnung. Von Krise keine Spur. Das Geschäft der Investmentbanken lief rund, fast so, als ob es das Desaster mit den Staatsschulden in Europa nicht geben würde. Das war Mitte des Monats. Am 21. Dezember drehte es sich. Der Chef der Deutschen Telekom, René Obermann, musste die größte Niederlage seiner fünfjährigen Amtszeit hinnehmen, obwohl er „zu Zugeständnissen bereit war, die bis an die Grenze des betriebswirtschaftlich Machbaren gegangen wären“. Nach neun Monaten Verhandlungen platzte der Verkauf der amerikanischen Telekom-Tochter T-Mobile an die Nummer zwei der USA, AT&T. Ein Problem nicht nur für Telekom-Chef Obermann. Der abgesagte Deal machte aus einem mittelmäßigen ein schlechtes Jahr bei Fusionen und Übernahmen (M&A) und den beteiligten Banken gingen hohe Gebühreneinnahmen verloren.

Der Deal von T-Mobile war nicht einer unter vielen. Mit einem Volumen von 39 Milliarden Dollar wäre er das größte Geschäft weltweit in diesem Jahr gewesen. Er hätte noch vor dem Kauf des Erdgasförderers El Paso durch den texanischen Energiekonzern Kinder Morgan für gut 36 Milliarden Dollar gestanden. Die Transaktion wäre die größte gewesen, seit der Rohstoffkonzern BHP Billion im November 2010 den Konkurrenten Potash schlucken wollte. Auch diese Transaktion wurde abgeblasen.

Für Telekom–Chef Obermann kann es nur eine kleine Genugtuung sein, dass er für den geplatzten Deal drei Milliarden Dollar in bar als Ausfallzahlung erhält. Allerdings hat der Topmanager gut verhandelt. Lediglich America Online bei der Übernahme von Time Warner im Jahr 2000 und Pfizer beim Kauf von Wyeth 2009 hatten mit 5,4 und 4,5 Milliarden Dollar höhere Prämien für den Fall eines Scheiterns vereinbart. In beiden Fällen ging die Transaktion durch.

Unter dem geplatzten Deal hat aber nicht nur die Deutsche Telekom zu leiden, sondern auch die Banken, die die Transaktion bis zum bitteren Ende begleiteten. Die sieben Institute hätten insgesamt knapp 153 Millionen Dollar verdient, hat der Finanzdatendienstleister Thomson Reuters Freeman ausgerechnet. Nach dem Scheitern wird nicht viel davon übrig bleiben. Normalerweise erhalten die Institute dann zehn bis höchstens 20 Prozent der im Normalfall fällig gewesenen Gebühren.

Besonders stark trifft das JP Morgan Chase, die auf der Seite von AT&T beraten haben und für die Übernahme einen Kredit von über 20 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen wollen, so viel wie noch nie in der Unternehmensgeschichte. Gut 36 Millionen Dollar hätten die Amerikaner nach den Informationen von Thomson verdient. Die Berater Greenhill und Evercore sollten immerhin 18 Millionen Dollar kassieren. Großverdiener auf der Seite von T-Mobile wäre Morgan Stanley gewesen mit über 32 Millionen Dollar. Aber auch bei der Deutschen Bank und Credit Suisse gingen jeweils gut 22 Millionen Dollar verloren, die laut Thomson fällig gewesen wären. Bei Citi waren es immerhin noch vier Millionen Dollar.

Doch nicht nur den Banken machte das Scheitern einen Strich durch die erhoffte Rechnung. Auch die Jahresendbilanz bei M&A in Deutschland sieht heute ganz anders aus, da 39 Milliarden Dollar am Gesamtvolumen fehlen. In den vergangenen zwölf Monaten addierten sich die Deals nur noch auf insgesamt gut 95 Milliarden Dollar: ein jetzt enttäuschendes Jahr, das nur wenig höher liegt als 2010. Durch den Telekom-Flop kommt Goldman Sachs zu neuen Ehren, die zunächst nicht unter den ersten zehn Banken bei M&A im vergangenen Jahr zu finden gewesen war. Der Grund: Die Goldmänner waren nicht beim geplanten Telekom-Deal dabei. Nun liegen sie auf Rang vier nach JP Morgan, Deutsche Bank und Credit Suisse.

´Für das neue Jahr überwiegt bei Wolfgang Fink, Co-Head Investment-Banking von Goldman Sachs in Deutschland, die Zuversicht, da die deutschen Unternehmen gestärkt aus der Krise gekommen sind. „Das ist eine gute Ausgangsbasis für mehr M&A-Transaktionen, sobald sich die konjunkturelle Lage verbessert hat“, sagt Fink. Denn die Konsolidierung in vielen Branchen werde weitergehen. Banker denken dabei an die Bereiche Chemie, Infrastruktur, Telekom, Immobilien und Konsum.

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