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20.01.2010

10:30 Uhr

Girokonto

Versicherer Talanx verklagt die Bundesbank

Die Bundesbank ist ja durchaus Kritik gewöhnt, komme sie von Finanzinstituten oder von der Politik. Aber das ist dann doch etwas Ungewöhnliches: Der Versicherer Talanx verklagt die Bundesbank, weil sie ein Girokonto haben möchte und nicht bekommt.

Die Bundesbank wird von Talanx verklagt. dpa

Die Bundesbank wird von Talanx verklagt.

itt/HB FRANKFURT. Der Versicherer Talanx will gerichtlich die Einrichtung eines eigenen Girokontos bei der Bundesbank durchsetzen. Das hat das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfahren. Formal handelt es sich um eine Klage auf einen formellen Bescheid der Bundesbank. Das Frankfurter Institut soll Talanx offiziell sagen, dass die Versicherung kein Girokonto bei der Bundesbank bekommt.

Laut Handelsblatt-Informationen hat Talanx das Konto bei der Bundesbank im Herbst 2008 kurz nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers beantragt. Es gab daraufhin einen Schriftwechsel mit der Bundesbank, aber keinen Bescheid mit einer Ablehnung. Diesen offiziellen Bescheid, also eine Ablehnung, will Talanx nun bekommen und klagt deshalb vor dem Verwaltungsgericht in Frankfurt. Die Klage wurde bereits im Sommer 2009 eingereicht, der Verhandlungstermin ist am 11. Februar.

Der drittgrößte deutsche Versicherer verweist darauf, dass Versicherer in der Schweiz sehr wohl Geschäfte mit der Notenbank machen können. Ihre Motivation ist, die liquiden Mittel möglichst sicher zu deponieren. In diesem Punkt fühlt sich Talanx gegenüber den Banken benachteiligt. Andererseits werden große Versicherer wie Talanx, Munich Re oder Allianz von den Aufsehern immer auf eine Ebene mit den Banken gestellt. So sieht die Finanzaufsicht Bafin unter den signifikanten Finanzinstituten acht Banken und die drei genannten Versicherer.

Der Konflikt zwischen Talanx und der Bundesbank verweist auf ein tiefer gehendes Zerwürfnis zwischen Versicherungs- und Bankenbranche. Der Lesart der deutschen Versicherungswirtschaft zufolge seien es die Banken gewesen, die die Finanzkrise im Wesentlichen verschuldet haben - trotzdem würden die Versicherer als Finanzinstitute in Mithaftung genommen. Die Folge seien beispielsweise verschärfte Aufsichtsregeln und Bilanzstandards.

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