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04.01.2010

11:02 Uhr

Griechenland

Banken leiden unter schwachen Staatsfinanzen

VonGerd Höhler

Die griechischen Banken sind bisher relativ gut durch die Krise gekommen – doch jetzt drohen schwierigere Zeiten. Die Finanzinstitute haben für mögliche Kreditausfälle noch nicht genügend Vorsorge getroffen. Das gilt besonders für Konsumentenkredite und Hypothekendarlehen.

Hauptquartier der griechischen Zentralbank in Athen. Im neuen Jahr belastet der desolate Zustand der Staatsfinanzen auch die griechischen Banken. Reuters

Hauptquartier der griechischen Zentralbank in Athen. Im neuen Jahr belastet der desolate Zustand der Staatsfinanzen auch die griechischen Banken.

ATHEN. Die griechischen Banken haben die Krise bisher relativ gut gemeistert. Die Gewinne brachen in den ersten neun Monaten 2009 zwar durchschnittlich um fast 40 Prozent ein, aber keine der vier großen Geschäftsbanken rutschte in die roten Zahlen. Die Institute hätten eine „erstaunliche Widerstandskraft“ bewiesen, lobte jetzt die griechische Zentralbank.

Desolate griechische Staatsfinanzen belasten Banken

Im laufenden Jahr steht die Branche allerdings vor großen Herausforderungen: Die anhaltend schwache Konjunktur und wachsende Kreditausfälle belasten die Bilanzen, und der desolate Zustand der griechischen Staatsfinanzen könnte die Liquidität der Geschäftsbanken beeinträchtigen. Sollten Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit des hoch verschuldeten Landes weiter herabstufen, so könnten die Banken künftig griechische Bonds nicht mehr als Sicherheiten für billige Liquidität bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlegen. Bislang akzeptierte die EZB krisenbedingt Bonds bis zur Bewertung BBB-. Künftig sollen aber nur noch Staatspapiere mit einem „A“-Rating als Sicherheit taugen.

Kopfschmerzen bereiten den griechischen Bankern auch die Kreditbücher: Immer mehr Kunden können ihre Darlehen nicht mehr bedienen. Nach Angaben der griechischen Zentralbank waren zum Ende des dritten Quartals 2009 bereits 7,2 Prozent aller ausliegenden Kredite notleidend, gegenüber fünf Prozent Ende 2008. Aktuell ist nach Schätzungen bereits jedes zehnte Darlehen betroffen. Besonders hoch sind die Ausfälle mit rund zwölf Prozent bei den Verbraucherkrediten. Bei den Kreditkarten erreichen sie sogar 20 Prozent.

Die meisten griechischen Geschäftsbanken haben zwar in den vergangenen Monaten ihre Rückstellungen für faule Kredite erhöht - allerdings nur sehr zögerlich, um ihre Bilanzen nicht zu strapazieren. So reduzierte die NBG im dritten Quartal sogar ihre Rückstellungen um sieben Prozent. Damit gelang es der Bank, ihren Neunmonatsgewinn über der magischen Schwelle von einer Milliarde Euro zu halten.

Doch das dicke Ende kommt irgendwann. Unter dem Strich sind branchenweit aktuell nur noch rund 40 Prozent der notleidenden Kredite durch Rückstellungen gedeckt, gegenüber 49 Prozent Ende 2008. In den Kreditbüchern der griechischen Banken verstecken sich also beträchtliche Risiken. Und das Problem dürfte sich weiter verschärfen

Auch für 2011 sehen Experten noch keine Entspannung

Branchenkenner erwarten, dass der Anteil der nicht bedienten Darlehen in diesem Jahr und auch 2011 weiter wachsen wird. Steigende Arbeitslosenzahlen dürften vor allem zu weiteren Ausfällen bei den Konsumentenkrediten, Kreditkarten und Hypothekendarlehen führen. Daheim ist es vor allem die schwache Konjunktur, die den Banken zu schaffen macht. Während die Rezession in den meisten EU-Ländern bereits vorbei ist, erwarten die Wirtschaftsforscher für Griechenland auch in diesem Jahr ein leichtes Minus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP). Frühestens 2011 soll es wieder leicht wachsen.

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