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19.01.2010

11:40 Uhr

Interview Ghizzoni

Unicredit deutet Teilrückzug aus Osteuropa an

VonStefan Menzel

Vor gut einem Jahr war die Angst vor einer umfassenden Osteuropa-Krise groß. Und jetzt? Unicredit-Vorstand Federico Ghizzoni ist zuversichtlich, verabschiedet sich aber von Wachstumsraten der Vergangenheit.

Unicredit-Vorstand Ghizzoni: "Wir gucken jedes Land genau an." Unicredit

Unicredit-Vorstand Ghizzoni: "Wir gucken jedes Land genau an."

Handelsblatt: Vor genau einem Jahr war die Angst groß vor einer umfassenden Osteuropa-Krise. Wo stehen wir zwölf Monate später?

Federico Ghizzoni: Die Lage hat sich grundlegend verändert. Vor einem Jahr war die Lage wesentlich dramatischer. Es gab etliche Investoren, die gleich eine ganze Reihe von Staatsbankrotten in Osteuropa erwarteten. Dieses Risiko ist vollkommen verschwunden, die Stützungsprogramme von Währungsfonds und EU haben ihre erwünschte Wirkung erzielt. In diesem Jahr sollte sich die Lage weiter verbessern, besonders im zweiten Halbjahr. Für Osteuropa erwarten wir im Durchschnitt ein Wachstum von 2,3 Prozent. Nicht sehr viel, aber immerhin.

Was erwarten Sie in den nächsten zwölf Monaten in Osteuropa?

Ich würde 2010 als Jahr des Übergangs bezeichnen. Wir werden immer noch Probleme haben, etwa bei Kreditausfällen. Trotzdem ist die Lage viel besser als im vergangenen Jahr, und die weiteren Aussichten für 2011 sehen auch deutlich zufriedenstellender aus.

Werden Sie dann auch wieder konkrete Prognosen abgeben?

Nein. Detaillierte Zahlen werden wir nicht nennen können. Die Umsätze nehmen dieses Jahr leicht zu, außerdem wollen wir etwas auf der Kostenseite machen. Der Gewinn wird leicht zulegen. Mehr kann ich aber nicht sagen. Für konkrete Gewinnprognosen ist die gesamte Lage einfach noch zu brüchig und zu unsicher.

Was sehen Sie als wichtigste Aufgabe für das neue Jahr an?

Wir müssen uns einfach wieder auf den Kern unseres Geschäfts konzentrieren und die Umsätze langsam wieder erhöhen. Die gesamte Branche hat sich im vergangenen Jahr viel zu sehr mit der Krise beschäftigt: Liquidität und Kapitalbasis sichern, Kostensenkungs-Programme einleiten. Dabei ist das klassische Bankgeschäft einfach zu kurz gekommen. Wir werden 2010 auch wieder neue Filialen eröffnen, so an die 100 sind angedacht. Wir wollen damit unsere Position als Marktführer in Osteuropa mit 4 000 Filialen stärken.

Sind sie wirklich überzeugt, dass 2011 wieder normal wird?

Definitiv. 2011 werden wir in Osteuropa Wachstumsraten von rund 4,1 Prozent sehen – also deutlich mehr als in diesem Jahr. Aber das ändert nichts daran, dass wir gerade in diesem Jahr noch recht vorsichtig sein müssen.

Dieses Jahr wird in vielen Ländern der Region gewählt. Erhoffen Sie sich mehr Stabilität?

Ganz klar, in Krisenzeiten sind eindeutige politische Mehrheiten ein Vorteil. Zum Glück ist auch schon im vergangenen Jahr in den meisten Ländern die richtige Krisenpolitik betrieben worden. Wir werden die Lage weiterhin aufmerksam beobachten. Nach all den Jahren, die wir jetzt in Osteuropa vertreten sind, machen wir uns aber keine allzu großen Sorgen über die weitere politische Entwicklung. Die EU spielt dabei eine wichtige Rolle: Die Mitgliedsländer müssen die Regeln einhalten, die Brüssel vorgibt.

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