Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.01.2007

07:12 Uhr

Interview mit Klaus-Peter Müller

„Wir hinken hinterher“

VonHermann-Josef Knipper , Das Gespräch führten Rolf Benders, Bernd Ziesemer

Die privaten Banken in Deutschland haben schwierige Jahre hinter sich. Momentan läuft es wieder gut, wenngleich der Anschluss an die Branchenbesten der Welt noch nicht gefunden ist. Im Interview mit dem Handelsblatt sagt Commerzbank-Chef und Bankenpräsident Klaus-Peter Müller, wo die Reise in 2007 hingeht – für den Bankenmarkt im Allgemeinen wie für sein Institut im Besonderen.

Commerzbank-Chef Müller ist seit zwei Jahren auch Bankenpräsident. Foto: ap ap

Commerzbank-Chef Müller ist seit zwei Jahren auch Bankenpräsident. Foto: ap

Handelsblatt: Herr Müller, Sie sind jetzt seit fast zwei Jahren Bankenpräsident. Was haben Sie bisher erreicht?

Müller: Zwei Themen würde ich besonders hervorheben: Der mehr als zehn Jahre dauernde Streit über Anstaltslast und Gewährträgerhaftung ist beendet. Seit Sommer 2005 sind wir fairen Wettbewerbsbedingungen auf dem deutschen Bankenmarkt ein gutes Stück näher gekommen. Auch die Frage des Namensschutzes im Kreditwesengesetz ist entschieden. Die EU-Kommission hat - ganz in unserem Sinne - klargestellt, dass auch ein privater Erwerber einer Sparkasse den Namen weiterführen darf. Wir werden sehen, wie sich das bei der Privatisierung der Landesbank Berlin mit der Berliner Sparkasse auswirkt.

Wird es weitere Privatisierungen von Sparkassen geben?

Das sollten die Gemeinden im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung als Eigentümer entscheiden dürfen. Deshalb sollten die Länder die Sparkassengesetze ändern. Das Festhalten am starren deutschen Drei-Säulen-Modell verhindert eine nationale Konsolidierung und schwächt somit die Wettbewerbsposition des gesamten europäischen Bankensystems. Da sind sich auch alle internationalen Experten einig. Ich kann dem EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet nur zustimmen: Das deutsche Drei-Säulen-System steht im Widerspruch zum europäischen Finanzbinnenmarkt.

Wie sehen Sie die künftige Wettbewerbsfähigkeit der privaten deutschen Banken in Europa?

Die privaten Banken haben die schwierigen Jahre gut überstanden und sich neu aufgestellt. Auch die Ertragslage ist insgesamt besser geworden. Zu den international führenden Instituten aufschließen konnten wir aber noch nicht. Auch bei der Konsolidierung hinken wir hinterher. Unsere europäischen und amerikanischen Konkurrenten profitieren davon, dass bei ihnen die Weichen für einen effizienten Bankenmarkt viel früher gestellt worden sind. Wir sind somit in einer schlechteren Ausgangsposition.

Was erwarten Sie für das Geschäft der Privatbanken 2007?

Wir gehen zuversichtlich in das neue Jahr. 2006 war gut, und 2007 hat sicher das Zeug, noch ein Stückchen besser zu laufen. Wenn es keine politischen Krisen gibt, bin ich zuversichtlich, dass die Märkte sich ähnlich gut entwickeln wie im vergangenen Jahr.

Setzen Sie auf die Erholung der Binnenkonjunktur?

In gewisser Hinsicht ja. Die Erholung wird weitergehen, die Zahl der Arbeitslosen weiter sinken. Daher erwarte ich ein leichtes Anziehen der Kreditnachfrage seitens der privaten Haushalte. Erstmals wird aber auch die Nachfrage der Wirtschaft wieder steigen. Viele Unternehmen müssen investieren, wenn sie am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben wollen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×