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02.01.2006

13:13 Uhr

Investmentbanking

Die Banken lieben Paris

VonHolger Alich

Für Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin liegt das Geld sprichwörtlich auf der Straße: Stolze 14,8 Mrd. Euro hat der Staat beim Verkauf seiner Anteile an den drei Autobahnbetreibern ASF, APRR und Sanef eingestrichen. Das dürfte auch bei den Beraterbanken Goldman Sachs und BNP Paribas die Kassen klingeln lassen.

PARIS. Für die Investmentbanken hat sich die Berufung von de Villepin als Glücksfall erwiesen: Mit einem Volumen von über zwanzig Milliarden Euro verkaufte er seit seiner Ernennung Anfang Juni mehr Staatsunternehmen als seine Vorgänger in den drei voran gegangenen Jahren zusammen. Er vollendete den Börsengang des Gasversorgers GDF, brachte EDF an die Börse und verkaufte den defizitären Fährbetreiber SNCM. Allein der EDF-Deal soll den Banken rund 120 Mill. Euro eingebracht haben.

Für die nahe Zukunft stellen sich die Investmentbanker indes auf magerere Zeiten ein. „Die besten Deals haben wir schon gesehen“, sagt ein hochrangiger Banker einer französischen Bank.

Drei Gründe werden genannt: Kurzfristig gibt es kaum noch Kandidaten für einen Börsengang. Jetzt stehen primär weitere Platzierungen von bereits notierten Unternehmen auf dem Plan, und solche Deals sind für die Banken weniger rentabel. Auf rund 100 Mrd. Euro wird der Wert der Beteiligungen geschätzt. Doch Experten fragen sich, ob die Regierung den Mut aufbringt, im Wahlkampf politisch unbeliebte Beteiligungsverkäufe durchzuziehen. Im April 2007 wählt Frankreich einen neuen Präsidenten.

Immerhin: Eine lukrative Erstplatzierung steht noch auf dem Kalender: Voraussichtlich im Frühjahr 2006 fällt der Startschuss für die Privatisierung des Flughafenbetreibers Aéroports de Paris (ADP). Die Imagekampagne läuft schon, das Volumen des Börsengangs wird auf rund 2,5 Mrd. Euro geschätzt.

Dagegen hatte der Premierminister den Verkauf weiterer Anteile des Nuklear-Spezialisten Areva auf Eis gelegt. Der Hersteller von Kernkraftwerken sei strategisch zu wichtig. Die Entscheidung war eine kalte Dusche für die Banken Calyon und Lazard, die mit ihren Vorbereitungen für die Platzierung bereits sehr weit waren.

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