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02.01.2009

07:00 Uhr

Milliardenbetrug

Gerangel um Madoffs Liste

Der mutmaßliche US-Milliardenbetrüger Bernard L. Madoff hat wie gefordert eine Aufstellung aller Vermögenswerte bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Wie viel Geld geschädigte Anleger beim noch zurückholen können, bleibt aber weiter unbekannt. In Österreich soll wegen des Madoff-Betrugsfalls die Wiener Bank Medici unter staatliche Kontrolle gestellt werden.

Bernard Madoff, belagert von Reportern, vor seiner Wohnung in New York. Foto: rtr Reuters

Bernard Madoff, belagert von Reportern, vor seiner Wohnung in New York. Foto: rtr

NEW YORK/WIEN. Wie viel Geld geschädigte Anleger beim mutmaßlichen US-Milliardenbetrüger Bernard L. Madoff noch zurückholen können, bleibt vorerst weiter unbekannt. Madoff reichte wie vom Gericht gefordert eine Aufstellung aller Vermögenswerte bei der US-Finanzaufsicht SEC ein. Die Behörde plant allerdings nicht, die Informationen zu veröffentlichen. Das Gericht habe keine Veröffentlichung der Angaben vorgesehen, sagte ein SEC-Sprecher der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

Madoff, über Jahrzehnte ein angesehener New Yorker Aktienbroker, hat nach Angaben der Behörden seinen Söhnen gestanden, ein gewaltiges „Schneeball-System“ mit einem Schaden von bis zu 50 Mrd. Dollar betrieben zu haben.

In Österreich soll wegen des Madoff-Betrugsfalls die Wiener Bank Medici unter staatliche Kontrolle gestellt werden. Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) wird voraussichtlich bereits am Freitag einen Regierungskommissar berufen, der die Leitung der Bank Medici übernimmt. Das wurde gestern in Wien in Finanzkreisen bestätigt. Die Bank Medici, die zu 75 Prozent der österreichischen Bankerin Sonja Kohn und zu 25 Prozent der Bank Austria (BA-CA) gehört, ist offenbar deutlich stärker von dem Fall Madoff betroffen als bisher angenommen. Durch den Madoff-Skandal ist die kleine Wiener Privatbank in eine schwere Schieflage geraten. Offensichtlich ist die Finanzaufsicht zu dem Schluss gekommen, dass ein Zusammenbruch nur noch mit staatlicher Aufsicht verhindert werden kann.

Allein rund 650 Kunden der zur Unicredit-Gruppe gehörenden Bank Austria könnten durch den Fall rund 150 Mio. Euro verlieren. Auslöser ist der enorme Vertrieb von Fonds, die ihr Geld bei Madoff angelegt haben. Kohn gehört zu den Mitinitiatoren der betroffenen Fonds. Nach Informationen der „Financial Times“ lernte Kohn Madoff bereits in den 80er-Jahren kennen, und diese Geschäftsbeziehung sei maßgeblich für die Entwicklung des Wiener Bankhauses gewesen. Das Fondsgeschäft soll den Löwenanteil der Einnahmen der Bank ausgemacht haben.

Allein der von Medici vermittelte Fonds Herald USA kommt den Angaben zufolge auf ein Volumen von 2,5 Mrd. Dollar. Damit zählt das kleine Wiener Bankhaus zu den weltweit am stärksten in die Madoff-Affäre involvierten Finanzinstituten. Insgesamt, so schätzt die österreichische Nationalbank, könnten allein österreichische Anleger bis zu 350 Mio. Dollar in die Fonds investiert haben. Bis vor kurzem hatte die Spitze der 1984 gegründeten Privatbank Optimismus verbreitet. „Der Status der Bank ist solide, sie hat keinerlei Kapital- oder Liquiditätsprobleme“, erklärte Medici-Chef Peter Scheithauer noch vor wenigen Tagen.

Unterdessen haben die Ermittler in dem Betrugsfall einem weiteren Zeitungsbericht zufolge nun auch Fonds in Steuerparadiesen ins Visier genommen. Anleger könnten mit Hilfe solcher Fonds Steuern hinterzogen haben. Untersucht werde dabei auch die Rolle von Banken außerhalb der USA, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf einen Insider. dpa/zel

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