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10.01.2008

16:27 Uhr

Nach ABN-Amro-Übernahme

Bankenmarkt der Niederlande wird neu verteilt

VonRuth Reichstein

Die Übernahme von ABN Amro sorgt nopch immer für Nachwirkungen, besonders auf dem niederländischen Markt. Viele Kunden und Mitarbeiter wechseln zur Konkurrenz. Profiteure der Umstrukturierung sind nach Analystenmeinung vor allem die kleinen Banken.

ABN-Amro wurde 2005 von einem europäischen Bankkonsortium übernommen. Foto: dpa

ABN-Amro wurde 2005 von einem europäischen Bankkonsortium übernommen. Foto: dpa

BRÜSSEL. Die Übernahme der niederländischen Bank ABN Amro durch das Bankenkonsortium unter der Führung der Royal Bank of Scotland (RBS) im vergangenen Jahr wird auch in diesem Jahr auf dem Bankenmarkt in den Beneluxländern für Bewegung sorgen – vor allem in den Niederlanden. Denn neben dem spanischen Institut Santander hat sich auch die niederländisch-belgische Fortis-Gruppe bei ABN eingekauft. Von dem Kuchen bekam Fortis, mit Sitz in Brüssel und Utrecht, das niederländische Geschäft von ABN. Und genau das werde die Banken für einige Monate beschäftigen, sagen Experten voraus. „Fortis und ABN werden Marktanteile verlieren. Die Integration wird länger dauern als zunächst angenommen“, sagt Analyst Elbert Ploegh von ING in Amsterdam.

Mit dem Einstieg der Fortis-Gruppe verändert sich die Bankenlandschaft in dem Polderland grundlegend. Aus ehemaligen Konkurrenten wird eine Bank, auch wenn vorerst weiterhin beide Namen beibehalten werden. Gemeinsam hat die neue Bank im niederländischen Privatkundengeschäft einen Marktanteil von knapp 40 Prozent. Weiterhin setzt Fortis dabei auf das Allfinanz-Konzept – also auf Versicherungen und Bankleistungen aus einer Hand. In Belgien werden 99 Prozent der Lebensversicherungspolicen durch Banken verkauft.

Experten rechnen aber trotz erfolgreichem Geschäftsmodell mit Kundenverlusten für die neue Großbank vor allem in den Niederlanden: „Wir haben schon in den vergangenen Monaten Kundenbewegungen festgestellt. Die werden anhalten, sich sogar verstärken“, sagt ING-Analyst Ploegh. Während des Übernahmekampfs um ABN Amro waren bereits mehrere tausend Kunden zu anderen Instituten wie zum Beispiel der kleineren Rabo-Bank gewechselt. Über Monate hinweg stritten das Bankenkonsortium und die britische Barclays-Bank um ABN Amro. Schließlich entschieden sich die ABN-Aktionäre für das höhere Gebot. Das kam vom RBS-Konsortium.

„Gerade die kleinen Banken werden von der Fusion am meisten profitieren“, meint Analyst Ploegh. Denn von denen versprechen sie sich mehr Verlässlichkeit als von den großen Häusern, die noch dabei sind, sich zu sortieren. Das gleiche gilt in abgeschwächter Form für Geschäftskunden. Die sollen nämlich zwischen Fortis und RBS aufgeteilt werden – ja nach Umsatzhöhe. „Eine solche Unsicherheit ist für kleine und mittelständige Unternehmen nicht gerade attraktiv“, sagt der ING-Analyst.

Mit weiteren Zukäufen oder Fusionen ist auf dem Benelux-Markt vorerst nicht zu rechnen. Die Banken werden sich erst einmal auf das angestammte Geschäft konzentrieren. Bei ABN wird mit einer starken Abwanderung an Personal gerechnet. Das muss ausgeglichen werden. Außerdem sollen einige Ex-ABN-Filialen geschlossen werden.

Auch die ING, die jetzt zweitgrößte niederländische Bank, sortiert sich neu: Die heimische Tochter Postbank soll unter ING firmieren. Die Marke „Postbank“ wird aufgegeben. Expansionspläne – etwa gemeinsam mit der belgischen KBC – müssen deshalb warten. „Der Konsolidierungsprozess ist bis auf weiteres abgeschlossen“, ist sich Kris Peters von KBC Security sicher.

Insgesamt erwarten Experten für den Benelux-Markt ein Wachstum von sieben bis acht Prozent jährlich. Das hängt aber davon ab, wie stark die Auswirkungen der Subprime-Krise auf die Benelux-Banken sein werden.

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