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11.01.2009

08:55 Uhr

Optimismus in Krisenzeiten

Société Générale: Der Turm der Zuversicht

VonHolger Alich

Bei kaum einer französischen Bank hat das Jahr 2008 so sichtbare Spuren hinterlassen wie bei der Société Générale. Dennoch zeigt die Bank Kämpferqualitäten und verbreitet Optimismus. Krise? Die gibt es sicherlich. Verzweiflung? Keine Spur.

Eingang der Société Générale im Pariser Bürodistrikt La Défense: Trotz Krise will die Bank einen neuen Handelssaal für 4500 Mitarbeiter bauen. Foto: reuters Reuters

Eingang der Société Générale im Pariser Bürodistrikt La Défense: Trotz Krise will die Bank einen neuen Handelssaal für 4500 Mitarbeiter bauen. Foto: reuters

PARIS. Die Finanzkrise hat auch äußerlich Spuren bei der Société Générale hinterlassen. Beim Logo am Haupteingang der stolzen, gläsernen Doppeltürme im Pariser Bürodistrikt „La Défense“ ist der Buchstabe „S“ aus der Leuchtschrift gefallen. 4,9 Milliarden Euro Verlust aus dem Skandal um Händler Jérôme Kerviel, weitere Milliarden Subprime-Lasten und ein Wechsel des Top-Managements – auch intern hat das Jahr 2008 die Bank geprägt wie wohl keines seiner 144-jährigen Geschichte.

Doch die Société Générale zeigt Kämpferqualitäten und verbreitet Optimismus. Keine Frage – das jährliche Presse-Diner mit dem Vorstand wird wegen der Krise nicht abgesagt. Ganz im Gegenteil. Der komplette Vorstand hat die Journalisten Ende des Jahres gar zu einer Vorpremiere eingeladen: Das Presse-Essen fand im neuen, dritten Hochhaus der Großbank am Konzernsitz statt: dem „Tour Granite“. Er wurde direkt hinter den alten Doppeltürmen gebaut und nun fertiggestellt. Auf 33 Etagen und 45 500 Quadratmetern sollen 4 500 Mitarbeiter aus dem Backoffice ihr neues Büro bekommen.

Bank-Chef Frédéric Oudéa leitet persönlich den Rundgang. Er läuft wie ein aufgeregtes Kind durch die noch leeren Flure und schwärmt davon, dass der neue Büroturm der erste sei, der das Label „Haute Qualité Environnementale“ bekommt, also besonders umweltfreundlich ist. Die Büro-Etagen sind sehr hell gehalten, Glaswände trennen einzelne Sektoren der Büros. Beim Betreten des Aufzugs wagt Oudéa eine Majestätsbeleidigung: „Sehen sie diese komischen gelben Steinböden aus China? Die hat Daniel Bouton (Ex-CEO und noch Board-Chef) ausgesucht. Ich finde die ehrlich gesagt furchtbar“, meint Oudéa und hat damit die Lacher auf seiner Seite.

Krise? Die gibt es sicherlich. Verzweiflung? Keine Spur. Eher Kampfeslust: „Die Krise gibt uns die Chance, unseren Wettbewerbern Marktanteile abzujagen“, meint Oudéa und seine Augen blitzen. Und die Stimmung intern? „Das ist ja gerade das, was mir Mut macht“, sagt der Bankchef dem Handelsblatt, „wir haben keine Kündigungswelle, die Leute sind alle geblieben und wollen die Bank voranbringen.“ Dabei hat die Krise auch die Bankangestellten Geld gekostet, denn die Mitarbeiter sind der größte Aktionär der Bank. Und die Aktie der Société Générale hat 2008 rund 60 Prozent ihres Wertes verloren.

Daher beurteilt Alain Treviglio, Vertreter der Gewerkschaft CFDT, die Lage bei der Großbank etwas anders: „Die Affäre Kerviel ist abgehakt, aber die Beschäftigten machen sich Sorgen, dass die Krise auch bei uns noch Jobs kosten könnte.“ Bis dato hat die Großbank von ihren ehrgeizigen Rekrutierungsplänen – allein über 5 000 Einstellungen in diesem Jahr – keine Abstriche gemacht. Aber die Sorge ist da: „Es ist nicht leicht, Kunden zu beruhigen, wenn man selbst unruhig ist“, meint der Gewerkschafter.

Für Bank-Chef Oudéa ist das Glas stets halbvoll, nie halbleer: „Presse und Politiker reden die Krise hoch“, meint er, „bei meinen Kundenbesuchen stelle ich jedoch fest, dass die Unternehmen nicht so schwarz sehen.“

Um seinen Optimismus zu unterstreichen, kündigt er an, dass die Bank wie geplant im Büroviertel La Défense einen neuen Handelssaal für 4 500 Mitarbeiter bauen will. Vermutlich wird Oudéa bei diesem Bauprojekt dann selbst die Wahl der Fahrstuhlböden treffen.

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