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06.01.2009

13:41 Uhr

Partner für Sparkassen

Zentralbank im Verbund

VonFrank Matthias Drost

Der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV), Claus Friedrich Holtmann, hat sich für eine einzige verbundeigene Zentralbank als Partner für die Sparkassen ausgesprochen. Namentlich hat er die Landesbank Berlin als zentralen Dienstleister ins Spiel gebracht.

Ist aus Sicht des OSV der ideale Partner der Sparkassen: Die Landesbank Berlin. Foto: dpa Quelle: dpa

Ist aus Sicht des OSV der ideale Partner der Sparkassen: Die Landesbank Berlin. Foto: dpa

BERLIN „Aus Sicht des OSV wäre die Landesbank Berlin (LBB) der geborene Partner der Sparkassen“, sagte Holtmann in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Die LBB wurde von den Sparkassen Mitte 2007 für 5,3 Mrd. Euro erworben und ist die einzige Landesbank, die den Sparkassen allein gehört.

Holtmann ist bislang der einzige Sparkassenfunktionär, der die LBB namentlich als zentralen Dienstleister ins Spiel bringt. Sie könnte nach seinen Vorstellungen die Kunden der Sparkassen im Auslandsgeschäft begleiten, im Konsortialkreditgeschäft tätig sein, Kapitalmarktgeschäfte für die Sparkassen abwickeln und als Produktlieferant tätig sein. Derzeit übernehmen insgesamt sieben Landesbanken diese Funktionen für die Gruppe.

Alle Beobachter sind sich einig, dass es angesichts der überwiegend schwachen Geschäftsmodelle der noch sieben Landesbanken zu einer Verdichtung kommen muss. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband hat im November ein Modell ins Spiel gebracht, das grob eine Dreiteilung vorsieht. Als betriebswirtschaftlich vernünftig wird beispielsweise ein Zusammengehen von BayernLB und Landesbank Baden-Württemberg angesehen. Im Norden wird an eine Liaison von HSH Nordbank und NordLB gedacht.

Aus Sicht des DSGV-Präsidenten Heinrich Haasis haben die Gespräche zwischen der WestLB und der Dekabank derzeit Priorität. Schließlich verpflichteten sich die Eigner der WestLB, die Mehrheit an der Bank abzugeben. Zudem drängt die EU-Kommission auf Ergebnisse.

Zuletzt hatte die FDP die Schaffung einer einzigen Sparkassen-Zentralbank gefordert, was auf eine Bündelung aller Aktivitäten der bestehenden Landesbanken hinausliefe. Das ist aber nicht unbedingt das Modell, das Holtmann vorschwebt. „Würde man die Sparkassenfunktionen der Landesbanken zusammenkehren, würde daraus eine Sparkassenzentralbank entstehen, die sicherlich ein auskömmliches Geschäft hätte und die als Verbundpartner für die Sparkassen höchst willkommen wäre“, so Holtmann. Derzeit macht das Verbundgeschäft der Landesbanken mit den Sparkassen höchstens zehn bis 15 Prozent der Erträge aus.

Mit seinem Vorschlag versucht Holtmann einen Spagat. Zwar ist der OSV, der die Interessen der Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg vertritt, nur an der LBB mit zehn Prozent beteiligt. Doch die Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen-Anhalt halten darüber Beteiligungen an der NordLB, die auch das Verbundgeschäft für sie erledigt. Die brandenburgischen Sparkassen kooperieren mit der WestLB, die Sparkassen in Sachsen orientieren sich nach der Übernahme der SachsenLB durch die Landesbank Baden-Württemberg im Verbundgeschäft nach Süden.

Für den weiteren Konsolidierungsprozess ist Holtmann pessimistisch gestimmt. „Ich habe die Befürchtung, dass wir im Laufe des Jahres feststellen, dass der Föderalismus es nicht fertig bringt, sehr viel größere Einheiten unter den Landesbanken herzustellen“, so der OSV-Präsident. Da zudem mehrere Länder darauf verzichten, auf Hilfen des staatlichen Rettungsfonds (Soffin) für ihre Landesbanken zurückzugreifen, könne der Bund auch keine aktivere Rolle bei der Landesbankenkonsolidierung spielen. „Die Bundesregierung sehe ich in dieser Diskussion nur als Moderator“, so Holtmann.

Viele Ideen, kein Ergebnis

Konsolidierung

Die Diskussion über die sieben selbstständigen Landesbanken kommt nicht voran. Seit Jahren plädieren die Sparkassen, die an allen Landesbanken beteiligt sind, für eine Verdichtung auf zwei bis drei Einheiten.

Neues Konzept

Das jüngste Konzept sieht folgende Aufteilung vor:

- Fusion von Landesbank Baden-Württemberg und BayernLB,

- Zusammenführung von Teilen der WestLB, Dekabank, und Landesbank Hessen-Thüringen,

- Fusion von NordLB und HSH Nordbank.

Die Landesbank Berlin soll dabei in eine Lösung integriert werden.

Gravierende Probleme

Die Sparkassen drängen auf eine Anpassung der Geschäftsmodelle. Viele internationale Aktivitäten der Landesbanken passen nicht mehr zum Risikoprofil der Sparkassen. Dazu drohen hohe Wertberichtigungen auf Wertpapiere im Eigenbestand. Fünf Milliarden Euro wurden bereits abgeschrieben. Erst wenn die Institute von diesen Belastungen abgeschirmt sind, kann über Fusionen gesprochen werden.

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