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11.01.2008

12:17 Uhr

Präsident Haasis im Interview

Sparkassen unter Zugzwang

VonFrank M. Drost und Peter Köhler

ExklusivSparkassenpräsident Heinrich Haasis befürchtet in seinem Finanzverbund keine weiteren Schieflagen durch die weltweite Finanzkrise. Auch einen zweiten Fall SachsenLB werde es nicht geben. Im Interview kündigt er aber an, dass die Sparkassen wohl Stellen streichen werden.

Sparkassenpräsident Heinrich Haasis fordet Kostensenkungen. Foto: ap Quelle: ap

Sparkassenpräsident Heinrich Haasis fordet Kostensenkungen. Foto: ap

Sind die Sparkassen von der Finanzmarktkrise betroffen?

Haasis: Die Sparkassen als Gruppe haben damit kein Problem. Anlagen in Subprime stellen die absolute Ausnahme dar. Bei den wenigen Sparkassen, die dort engagiert sind, können wir keine Probleme erkennen.

Wie fällt die Bilanz der Sparkassen für 2007 aus?

Die Sparkassen haben den konjunkturellen Aufschwung 2007 mitgetragen und ihren Marktanteil bei der Mittelstandsfinanzierung weiter ausgebaut. Relativ gut läuft auch das Einlagengeschäft trotz des erneut schärfer gewordenen Wettbewerbs. Da unsere Einlagen das Kreditvolumen übersteigen, sind wir als Liquiditätsgeber auf dem Markt tätig. Der für die Kunden vorteilhafte Margendruck macht uns allerdings zu schaffen.

Wie steuern Sie gegen?

Wir müssen im Vertrieb stärker werden und die Beratungsqualität weiter verbessern. Doch das allein wird nicht reichen, um unsere Profitabilität angesichts der sinkenden Zinsüberschüsse zu halten. Es laufen verschiedene Projekte, um unsere Kosten weiter zu senken. Dabei geht es vor allem um die Optimierung von Betriebsabläufen. Tendenziell werden die Sparkassen in den kommenden Jahren weniger Mitarbeiter beschäftigen als heute.

Gibt es weitere Handicaps?

Die Lage des Wohnungsbaus ist besorgniserregend. Die Zahl der Baugenehmigungen ist in den Keller gerutscht, was uns als traditionelle Eigenheimfinanzierer schmerzt. Nach Abschaffung der Eigenheimzulage ist es der Großen Koalition nicht gelungen, etwas Gleichwertiges für die Förderung des Wohneigentums auf die Beine zu stellen. Der geplante Wohn-Riester ist sehr kompliziert. Wir befürchten, dass dieses Förderinstrument mit der vorgesehenen nachgelagerten Besteuerung kein Erfolg wird.

Anders als die Sparkassen leiden die Landesbanken unter der Finanzkrise. Ist ein zweiter Fall SachsenLB ausgeschlossen?

Ich sehe keinen zweiten Fall. Aber der Refinanzierungsmarkt hat sich nicht wie erhofft beruhigt. Das wird möglicherweise zu höheren Wertberichtigungen bei Landesbanken, aber nach unserer Kenntnis zu keiner Problemlage führen. Die aus heutiger Sicht zu erwartenden Verluste können sich bei besserer Marktlage in diesem Jahr auch zu stillen Reserven entwickeln.

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