Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.01.2014

10:01 Uhr

Regionalbanken

Die Krise der Musterschüler

ExklusivSparkassen und Volksbanken – sie haben viele Jahre Vieles richtig gemacht. Doch jetzt kommt eine bankeneigene Studie zu einem anderen Ergebnis: Die Niedrigzinsen fordern Tribut. Politik und Aufsicht sind alarmiert.

Festumzug im Sommer 2013 in Waren Müritz: Die nierigen Zinsen bringen den nächsten Wandel für Sparkassen mit sich. Imago

Festumzug im Sommer 2013 in Waren Müritz: Die nierigen Zinsen bringen den nächsten Wandel für Sparkassen mit sich.

Frankfurt am Main/DüsseldorfSie gelten als die Gewinner der Finanzkrise: die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Ihr eher beschauliches Geschäft mit Krediten und Spareinlagen unterschied sich wohltuend von Ramschhypotheken und anderen prekären Finanzprodukten, mit denen private Großbanken die Weltwirtschaft an den Abgrund brachten. Doch möglicherweise ist auch diese Einschätzung überholt.

Eine aktuelle Studie, die von den Regionalbanken selbst angeregt worden ist, kommt jedenfalls zu einem niederschmetternden Ergebnis: Sparkassen und Volksbanken steuern auf eine dicke Krise zu. Das Thema ist so brisant, dass sich inzwischen schon die Finanzaufsicht eingehend damit beschäftigt.

Ausgerechnet Maßnahmen, die die Finanzkrise eindämmen sollen, drohen den deutschen Regionalbanken zum Verhängnis zu werden: schärfere Regulierungsvorschriften und dauerhaft niedrige Zinsen. Das zeigt die Studie, die eine Gruppe von Sparkassen und Volksbanken bei Wirtschaftsprofessor Bernd Nolte, Chef der Beratungsfirma 4P Consulting, hat erarbeiten lassen. In der Untersuchung aus dem vergangenen Monat, die Handelsblatt Online vorliegt, wird vor einer „deutschen Regionalbankenkrise“ gewarnt. „Die Gruppe der deutschen Regionalbanken steht vor einem existenzbedrohenden Ertrags- und Kostenproblem“, heißt es in der Untersuchung, die die Banken selbst bisher wohlweislich nicht veröffentlicht hatten.

Es sind vier Trends, die dieser Gruppe der Banken zu schaffen machen. Erstens steigt der Preisdruck. Ausländische Direktbanken arbeiten mit deutschen Onlinefilialen erheblich günstiger, als die öffentlich-rechtlichen Banken, die schon vom Gesetz her gezwungen sind, mit mehr Personal vor Ort zur Verfügung zu stehen. Zweitens treffen die kleinen Regionalbanken die immer strengeren Regeln in der Finanzbranche besonders hart, weil sie im Verhältnis zu ihrer Größe mehr Aufwand betreiben müssen, um sie zu erfüllen.

Die größten Sparkassen Deutschlands

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,7 Milliarden Euro (2011) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.558 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 11,8 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.708 Angestellte in 142 Filialen.

Nassauische Sparkasse

2011 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 225 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von 12,1 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf auf Rang 7.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat 2011 eine Bilanzsumme von 12,8 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist – wenig überraschend – das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,7 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,9 Milliarden Euro - mit 1.718 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3083 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2011 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25,2 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,6 Milliarden Euro (2011) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 39,5 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5724 Mitarbeiter.

Drittens können auslaufende Eigenanlagen der Banken nur zu geringengeren Zinsen angelegt und Darlehen an Kunden zu niedrigeren Zinssätzen vermittelt werden, weil die Zentralbanken keine Anstalten machen, ihre Niedrigzinspolitik zu ändern. Dadurch sinken die Margen. Schließlich führen die niedrigen Zinsen dazu, dass Kunden ihr Geld nur kurzfristig anlegen, um bei einem Zinsanstieg schnell umschichten zu können. Vergibt die Bank ein Darlehen, verlangen Kunden dagegen lange Laufzeiten eben gerade wegen der günstigen Zinsen. In diesem Mix fällt es den kleinen Banken schwer, noch so viel Geld zu verdienen, dass ihre Anteilseigner – oft die Kommunen – noch etwas verdienen.

Nolte und sein Team haben vor diesem Hintergrund die Ertragslage von 300 Sparkassen und Volksbanken unter die Lupe genommen und ausgerechnet: Während das Verhältnis von Aufwand und Ertrag im Jahr 2013 nur bei 35 Prozent aller Regionalbanken im „wettbewerbsgefährdeten Bereich“ lag, werden 2018 schon 65 Prozent aller Sparkassen und Volksbanken in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gefährdet sein – wenn die Institute nicht gegensteuern.

Kommentare (59)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

G_Hornochse

03.01.2014, 10:25 Uhr

Da eine Bank nur die Mindestreserve bzw. eine Bargeldreserve finanzieren muß (bei der Zentralbank - zurzeit 0.25 % und wohl auch in Zukunft), kann ich diese Zukunftsprognose nicht so ganz nachvollziehen. Dass Einlagen der Bankkunden wieder als Kredite weitergereicht werden, ist längst als Märchen aufgedeckt worden !

Sparkassenkunde

03.01.2014, 10:27 Uhr

Naja, Beratung bei den Sparkassen? Die Mitarbeiter in den Filialen können vielleicht gerade einem älteren Mütterchen beim Ausfüllen einer Überweisung helfen. Bei Fragen z.B.zum Online-Banking wird man an die Hauptstelle verwiesen.

Kritiker

03.01.2014, 10:28 Uhr

Wer das Treiben der EU/EZB nicht erkennt ist blind. Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind denen auf dem Weg in die UdSSEU ein großer Dorn im Auge und müssen zerstört werden. Wo kommen wir denn da hin, wenn deutsche Banken Geld verdienen und das nicht in die Rettung von maroden Südländer-Banken und dessen Milliarären von Dragi und Co. stecken. Schon bald wird die neue tolle europäische Bankenaufsicht feststellen, dass es doch besser ist, die deutschen Kleinbanken unter euopäische Aufsicht zu stellen. In diesem Zuge ist es dann nur logisch die deutschen Einlagensicherungssysteme aufzulösen und in die europäische Kontrolle einzuverlaiben, welche vollkommen losgelöst von jeder Rechtsstaatlichkeit, Kontrolle und demokratischer Legitimation das Geld verbrennen kann.
Zweifelsohne: Die Sparkasse haben gerade mit ihren Landesbanken viel Geld vernichtet, das ist selbstverschuldet. Auch bei der DZ Bank ist glaube ich auch nicht alles Gold was glänzt.
Jedoch stinkt die ganze Sache für mich zum Himmel!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×