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12.01.2009

12:10 Uhr

Rettungsaktion

Die ganze Bankenbranche zittert mit

VonNicole Bastian

Häme und Spott über die Commerzbank ist nach der Rettungsaktion für das Institut bei der Konkurrenz nicht zu hören. Sie weiß, dass viele Probleme der Dresdner und Commerzbank auch sie treffen kann. Für alle Banken, die stark vom Kapitalmarkt abhängig sind, erwarten Analysten ein ganz schwaches viertes Quartal. Und 2009 fangen die Probleme erst richtig an.

Steigende Ausfallrisiken in den Kreditbüchern der Banken dürften der Branche 2009 zu schaffen machen. Foto: ap Quelle: ap

Steigende Ausfallrisiken in den Kreditbüchern der Banken dürften der Branche 2009 zu schaffen machen. Foto: ap

FRANKFURT. „Der unerwartet hohe zusätzliche Kapitalbedarf bei der Commerzbank und der Dresdner Bank sowie der Verlust bei der Postbank sind eine Warnung dafür, was man insgesamt noch von der Branche zu erwarten hat“, sagte Michael Dawson-Kropf, Leiter des Analyseteams Banken der Ratingagentur Fitch. Die Postbank hatte am Freitag vor unerwartet hohen Verlusten 2008 gewarnt. Tatsächlich dürften die Turbulenzen der Finanzmärkte nach der Lehman-Pleite die meisten Institute schwer getroffen haben.

Selbst wenn sich die Verwerfungen des vierten Quartals nicht wiederholen, wird 2009 für die Banken schlimm genug. Es sei unwahrscheinlich, dass die „jüngsten Verbesserungen an den Finanzmärkten von Dauer sind, da sich die Rezession verschärft und sich die Ertragslage verschlechtern wird“, schreibt der Großbankenverband IIF in seinem gerade veröffentlichten Kapitalmarktausblick.

Die Probleme dürften sich aber verlagern: Weg von der Marktbewertung von Wertpapieren, die die Krise in den vergangenen 18 Monaten bestimmten, hin zu Ausfällen bei Unternehmen und Kreditkosten, meinen die IIF-Experten. Diese Einschätzung teilt auch Dawson-Kropf. „In den USA haben die Kreditverluste die Mark-to-Market-Abschreibungen der Banken auf Wertpapiere bereits im dritten Quartal übertroffen. Auch in Europa kann es dieses Jahr zu einer Wachablösung kommen“, sagt er.

Die steigenden Ausfallrisiken in den Kreditbüchern werden nach Einschätzung des Deutsche-Bank-Analysten Matt Spick derzeit noch stark unterschätzt. Laut IIF wird das Ausfallrisiko wohl weit bis ins Jahr 2010 bestehen, da Ausfälle im Abschwung zeitverzögert aufträten. Schon jetzt dürften Fälle die Schieflage der Merckle-Gruppe bei betroffenen Banken Abschreibungen ausgelöst haben. Einziger Lichtblick: Solche rezessionsbedingten Verluste aus der Realwirtschaft träfen meist über einen längeren Zeitraum verteilt und nicht auf einen Schlag, so Dawson-Kropf. Das setze zwar die Profitabilität unter Druck, ließe sich aber besser durch kontinuierliche Erträge absorbieren.

Vorerst laboriert die Branche am vierten Quartal. Ein Problem ist der wachsende Eigenkapitalbedarf der Banken. Die geltenden Bilanzierungsvorschriften nach Basel II verlangen, dass Banken umso mehr Eigenkapital für Kredite und Wertpapiere vorhalten, je gefährdeter diese sind. Das heißt: Je mehr risikogewichtete Aktiva eine Bank hat, desto niedriger fällt ihre Eigenkapitalquote bei gleichem Eigenkapital aus. Verschlechtert sich also das Finanz- und das wirtschaftliche Umfeld, erhöht sich das Volumen der risikogewichteten Aktiva. Bei konstantem Eigenkapital sinkt die Kapitalquote der Bank automatisch.

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