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08.01.2010

08:34 Uhr

Rohstoffhändler

Deutsche Bank pokert bei RBS Sempra

VonMichael Maisch, Oliver Stock

Die Deutsche Bank ist einer von drei Interessenten, die noch im Rennen um den Kauf des britischen Rohstoffhändlers RBS Sempra sind. Nach Informationen des Handelsblatts aus britischen Finanzkreisen handelt es sich bei den Bietern neben der Deutschen Bank um JP Morgan und die australische Bank Macquarie.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann setzt auf die RBS-Sparte Sempra. Quelle: ap

Deutsche-Bank-Chef Ackermann setzt auf die RBS-Sparte Sempra.

LONDON/FRANKFURT. Alle drei Gebote für RBS Sempra liegen dicht zusammen und bewegen sich im Bereich von vier Mrd. Dollar. Zum Verkauf stehen zunächst 51 Prozent an dem Rohstoffhändler, die von der Royal Bank of Scotland (RBS) gehalten werden. Die Bank ist in der Finanzkrise mehrheitlich vom Staat übernommen worden und muss nun auf Druck der EU-Kommission Beteiligungen abstoßen, zu denen eben auch der Rohstoffhändler gehört. RBS-Chef Stephen Hester versucht derzeit in zwei Dritteln der 54 Länder, in denen die RBS operativ tätig ist, Einheiten loszuwerden oder im Zweifelsfall zu schließen.

Auch der Miteigner Sempra Energy denkt Kreisen zufolge über einen Ausstieg nach. Der Preis von vier Mrd. Dollar bezieht sich auf den möglichen Kauf des Gesamtpakets. Mit dem Verkauf ist die Investmentbank Lazard betraut, die den Zuschlag spätestens im Februar erteilen will. Sprecher der beteiligten Unternehmen wollten die Informationen gestern auf Anfrage nicht kommentieren.

RBS Sempra ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, die Firma handelt zahlreiche Rohstoffe von Öl über Gas bis zu Metallen und landwirtschaftlichen Produkten. Die RBS hatte für ihren Anteil vor knapp zwei Jahren 1,7 Mrd. Dollar bezahlt.

Die Deutsche Bank ist im Rohstoffhandel bislang schwach

In der Finanzkrise sind die Preise für Rohstoffe wie Gold drastisch gestiegen, was die Märkte für Banken und andere Marktteilnehmer attraktiv macht. Die Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr ihr Rohstoff-Geschäft deutlich ausgebaut und zahlreiche neue Produkte auf den Markt gebracht. Der für das Investment-Banking mitverantwortliche Bankvorstand Anshu Jain hatte im Dezember angekündigt, Zukäufe in dem lukrativen Bereich unter die Lupe zu nehmen. Zuletzt hatte Jain auf die relative Schwäche im Rohstoffhandel hingewiesen. Während die Deutsche Bank etwa im weltweiten Devisenhandel die Nummer eins ist, kommt sie im Rohstoffsektor nur auf Rang sechs. Angestrebt wird grundsätzlich eine Position unter den Top drei bzw. Top fünf. Der Marktanteil im Kundengeschäft ist mit 5,2 Prozent nur halb so hoch wie in den meisten anderen Handelsgeschäften der Investmentbanker.

"Wir zielen zukünftig darauf, die wenigen verbliebenen Lücken zu schließen", hatte Jain erklärt. Die Einnahmen im Rohstoffhandel sollten in diesem Jahr deutlich wachsen. Der Ausbau solle sich sowohl auf Produkte als auch Regionen erstrecken, etwa den Stromhandel in Osteuropa als auch Erdgas und Metalle auf den asiatischen Märkten. Die Konkurrenten im Wettrennen um RBS Sempra denken ähnlich: JP Morgan hat jüngst Rohstoffbereiche von Bear Stearns und UBS erworben. Macquarie kaufte 2009 einen Teil des US-Energiehändlers Integrys Energy.

Falls die Deutsche Bank zum Zuge kommt, dürfte eine Kapitalerhöhung bei den Institut erneut ein Thema werden. Vorstandschef Josef Ackermann und Risikovorstand Hugo Bänziger hatten im vergangenen Jahr Kapitalmaßnahmen bei großen Übernahmen nicht ausgeschlossen.

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