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19.01.2009

13:59 Uhr

Staatliche Kapitalspritzen

Griechische Banken suchen Schutz beim Staat

VonGerd Höhler

Angesichts der Finanzkrise greifen jetzt auch griechische Banken nach dem Rettungsring staatliche Kapitalspritzen. Wachsende Risiken lauern vor allem in den Kreditportfolios der Geldinstitute: Der Anteil der faulen Darlehen könnte sich in diesem Jahr verdoppeln. Als akut gefährdet gilt allerdings keine der großen griechischen Banken.

ATHEN. Mit Kapitalspritzen von je 950 Mio. Euro beteiligt sich der griechische Staat an der EFG Eurobank und der Alpha Bank, Nummer zwei und drei der Branche. Im Fall der Eurobank entspricht das 39,5 Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung, bei der Alpha Bank sind es 34 Prozent. Der staatlich kontrollierten Agricultural Bank of Greece (ATE) schießt der Finanzminister als Liquiditätshilfe 675 Mio. Euro zu. Für das Geld erhält der Staat neue Vorzugsaktien ohne Stimmrecht. Die Regierung hat jedoch ein Vetorecht bei der Festlegung der Vorstandsgehälter, Boni-Zahlungen und Dividenden.

Die Kapitalspritzen kommen aus einem 28 Mrd. Euro umfassenden Banken-Hilfsfonds, den die griechische Regierung aufgelegt hat, 15 Mrd. davon in Form von Kreditbürgschaften. Es wird erwartet, dass die weitere Institute Liquiditätshilfen in Anspruch nehmen. Der Stützungsplan sieht vor, dass die Banken die vom Staat übernommenen Vorzugsaktien binnen fünf Jahren zurückkaufen und annullieren. Wirtschafts- und Finanzminister Giannis Papathanassiou appellierte an die Banken, die zusätzliche Liquidität unmittelbar an den Markt weiterzugeben. „Jeder muss jetzt seiner Verantwortung gerecht werden“, mahnte der Minister und kündigte „regelmäßige, systematische und strikte Kontrollen“ an.

Nikos Nanopoulos, CEO der EFG Eurobank sagte, die Teilnahme seiner Bank an dem Programm werde dazu beitragen, die Folgen der Finanzkrise für die Wirtschaft zu mildern und die Marktliquidität zu stärken. Zunächst hatten sich die griechischen Banken gegen das Hilfspaket gesträubt, weil sie eine zu starke Einflussnahme des Staates fürchteten. Überdies sind die großen Institute dank ihrer konservativen Geschäftspolitik im internationalen Vergleich recht solide finanziert. Die ausliegenden Kredite entsprechen im Durchschnitt der sechs größten Institute 101 Prozent der Einlagen, gegenüber 112 Prozent in der Eurozone. Beim Marktführer National Bank of Greece sind es sogar nur 95 Prozent. In den Kreditbüchern könnten allerdings erhebliche Risiken schlummern. Darauf wies jetzt Zentralbankgouverneur Giorgos Provopoulos hin. Bei den Hypothekenkrediten sind bereits fast fünf von hundert Darlehen notleidend. Als gefährdet gelten auch viele Kredite in der Tourismusbranche, der Textilwirtschaft und der Handelsschifffahrt – Sektoren, die von der globalen Rezession besonders stark betroffen sind. Auch viele Verbraucher könnten in Schwierigkeiten geraten, ihre Ratenkredite abzuzahlen, wenn die Krise erst einmal auf den Arbeitsmarkt durchschlägt. Die Notenbank rechnet damit, dass sich der Anteil der faulen Kredite in diesem Jahr um 80 Prozent erhöhen wird. Bei den Verbraucherkrediten erwartet sie sogar eine Verdoppelung der Ausfälle. Sie mahnte deshalb jetzt die Geschäftsbanken, ihre Rückstellungen entsprechend zu erhöhen. Die zögern allerdings, um ihre Bilanzen nicht zu belasten.

Bisher kamen die griechischen Banken noch glimpflich davon. Nach dem Rekordjahr 2007, in dem die meisten Institute mit ihren Gewinnen die Analystenschätzungen deutlich übertrafen, dürfte 2008 nach ersten Schätzungen branchenweit einen Gewinnrückgang von durchschnittlich zehn Prozent gebracht haben. In die roten Zahlen rutschte dadurch aber keine der großen Athener Banken. Für 2009 prognostizieren Analysten Gewinneinbußen, je nach Institut, in einer Bandbreite von sechs bis 18 Prozent. Damit wären die Auswirkungen der Krise auf den griechischen Bankensektor relativ gering.

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