Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2009

10:13 Uhr

Steuerhinterziehung

UBS-Manager auf der Flucht

Der Ärger reißt für die UBS nicht ab. Seit Wochen muss sich die Schweizer Bank mit Vorwürfen der Beihilfe zu Steuerhinterziehung beschäftigen. Nun gibt es ein neues, sehr unangenehmes Kapitel: Raoul Weil, der Chef des globalen UBS-Vermögensverwaltungsgeschäfts, wurde von einem Richter in Florida formell für flüchtig erklärt.

HB MIAMI/ZÜRICH. Weil habe es versäumt, sich im Zusammenhang mit den Vorwürfen den Behörden zu stellen, hieß es in einer Erklärung des zuständigen Gerichts, die von der Anklagebehörde ohne weitere Angaben veröffentlicht wurde.

Gegen Weil und andere nicht genannte Banker war Mitte November Anklage wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung erhoben worden. Ihnen wird vorgeworfen, 17 000 Amerikanern geholfen zu haben, Vermögen im Gesamtwert von 20 Mrd. Dollar an der Steuer vorbeizuschleusen. Damals erklärte Weils Anwalt, die Vorwürfe seien vollkommen ungerechtfertigt und durch die Fakten nicht belegt. UBS hatte für Amerikaner sogenannte Offshore-Konten geführt, die von der Schweiz aus verwaltet wurden.

Wie der jüngste Schritt des Bezirksrichters in Florida einzuschätzen ist, bleibt offen. Es könnte sich um eine rein administrative Maßnahme handeln. Andererseits wird dadurch der Druck auf UBS nicht geringer, eine Lösung für die Steuerprobleme in den USA zu suchen. Weil hatte im November seine Funktionen bei der UBS ruhen lassen und seine Pflichten an seinen Stellvertreter Marten Hoekstra übertragen. UBS in Zürich wollte den Entscheid des amerikanischen Richters nicht weiter kommentieren.

Am Sonntag hatte die Schweizer Zeitung "Sonntag" berichtet, UBS rechne im Zusammenhang mit den Steuerermittlungen mit einer Geldbuße von zwei etwa zwei Mrd. Franken. Von der Bank selbst war der Bericht als reine Spekulation bezeichnet worden. Wenn es zu der Buße käme, wäre die Angelegenheit für die Bank immerhin vom Tisch - auch wenn es nicht gerade billig würde. Am vergangenen Freitag erklärte die Bank, alle Offshore-Konten von Kunden mit Wohnsitz in den USA würden Schritt für Schritt geschlossen. In einer begrenzten Anzahl Fälle war es offenbar zu Steuerhinterziehungen gekommen, wie UBS früher hatte erkennen lassen.

Amerikanische Beobachter sahen in dem Schritt gegen Weil auch einen inneramerikanischen Aspekt. Nun werde die Frage wieder auf den Tisch kommen, wie die Gerichte mit dem des Betrugs verdächtigten Hedgefonds-Manager Bernard Madoff umgehen. Bislang hatten es die Staatsanwälte nicht geschafft, einen Haftbefehl gegen Madoff zu erwirken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×