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05.01.2010

19:27 Uhr

Straf-Steuer

Ackermann bleibt mit Bonus-Plänen nicht allein

VonRobert Landgraf, Hans G. Nagl, Oliver Stock

ExklusivDas Beispiel der Deutschen Bank, die die britische Sondersteuer auf Boni durch höhere Zahlungen an ihre Mitarbeiter in London ausgleichen will, könnte Schule machen. Auch andere Investmentbanken suchen nach Auswegen. Offen ist bisher noch, ob die Zahlungen zu Lasten der Aktionäre oder der Mitarbeiter in anderen Ländern geht.

Will seinen britischen Bankern die Straf-Steuer zahlen: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. ap

Will seinen britischen Bankern die Straf-Steuer zahlen: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

HB FRANKFURT. "Die meisten Banken werden die Steuer für die Mitarbeiter in London kompensieren", prognostiziert der Chef einer internationalen Großbank. "Wenn man das nicht macht, wird man die besten Leute verlieren."

Das Thema wird derzeit in mehreren großen Investmentbanken diskutiert. Viele Top-Leute haben wegen der Krise 2008 auf eine Prämie verzichten müssen, einen erneuten kräftigen Abschlag würden viele nicht hinnehmen, heißt es in der Branche. "Wir prüfen das Vorgehen. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagte ein Sprecher der Credit Suisse. Auch bei der Nummer eins im Investment-Banking, der US-Bank Goldman Sachs, steht der Punkt auf der Tagesordnung. Wie Goldman mit der Steuer umgeht, ist aber noch unklar. "Kein Kommentar", sagte eine Sprecherin.

"Irgendjemand muss diese Steuer ja zahlen"

Besonders die internationalen Banken mit einem hohen Mitarbeiteranteil in London suchen nach Lösungen, um ihre Mitarbeiter zu entlasten und nicht zu verlieren. Verglichen mit anderen globalen Investmentbanken hat die Deutsche Bank mehr Mitarbeiter in London, so dass die Problematik für sie mehr Gewicht hat. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann überlegt deswegen, die britische Sondersteuer durch erhöhte Zahlungen an die Mitarbeiter in London auszugleichen.

Ihm steht deswegen allerdings womöglich im eigenen Haus Ärger bevor. Branchenkreisen zufolge gibt es gerade in Deutschland heftigen Unmut über seine Pläne: Damit würde die auf ein Jahr befristete Mehrbelastung de facto bankintern sozialisiert, heißt es. "Es gibt hier einige Irritationen", sagte ein Deutsch-Banker dem Handelsblatt. "Irgendjemand muss diese Steuer ja zahlen." Ein anderer Mitarbeiter verweist darauf, dass Londoner Spitzenbanker in den vergangenen Jahren häufig vergleichsweise mehr verdient hätten als ihre Kollegen in Deutschland. Zudem habe man in Großbritannien jahrelang davon profitiert, dass Ausländer dort mit einem besonders niedrigen Steuersatz belegt wurden. In diesem Fall habe es auch keinen Ausgleich für die deutschen Mitarbeiter gegeben. Nach Handelsblatt-Informationen beschäftigt die Angelegenheit auch den Betriebsrat. Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte lediglich, noch sei keine Entscheidung getroffen.

Die Deutsche Bank will die Lasten "klar globalisieren"

Allerdings hatte Ackermann bereits kurz vor Weihnachten signalisiert, dass er die von Finanzminister Alistair Darling in Großbritannien angekündigte Steuer von 50 Prozent auf Boni durch Ausgleichszahlungen abfedern will. Es sei "unfair, die britischen Banker anders zu behandeln" als die übrigen Angestellten im Konzern, sagte Ackermann in einem Interview. Daher wolle die Deutsche Bank die Lasten "klar globalisieren".

Offen ist bislang, ob dies zulasten des Gewinns - und damit der Aktionäre - oder aber zulasten der Mitarbeiter in anderen Ländern geht. Dass gerade den Investmentbankern bei den "Blauen" für 2009 angesichts von Milliardengewinnen wieder ordentliche Summen winken, steht indes außer Frage. Allein für das dritte Quartal wies das Institut in der Sparte mit 1,3 Mrd. Euro einen Anstieg der Entlohnung von 132 Prozent aus.

Die britische Regierung verspricht sich aus der Sondersteuer Mehreinnahmen von bis zu 550 Mio. Pfund. Die Regierung, die mitten im Wahlkampf steckt, hat die Maßnahme zunächst bis zum April befristet.

Kommentare (2)

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watchdog

06.01.2010, 07:41 Uhr

Als ehemaliger banker bei den "blauen" kann ich nur den Kopf schuetteln. Anscheinend haben Ackermann und Co. nichts gelernt oder sind auch nicht mehr bereit etwas zu lernen. Sie schweben immer noch auf Wolke 7. Solche boni's auf Herrn Filialman oder Aktionaere umzulegen, das ist doch wohl unterste Schublade. Mir fehlen einfach die Worte.

Sterngucker

06.01.2010, 10:11 Uhr

Die banken schaffen sich ihre eigenen Regeln. Wenn keine bank in der Londoner City Herrn Ackermann folgen würde, wohin sollten die Londoner banker wechseln. Wieviele würden ihre Häuser auf den Markt werfen um umzuziehen in die Schweiz, nach Deutschland oder wo anders hin? Aber wenn alle mitmachen, kann die Kuh ja weiter gemolken werden.

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