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24.01.2008

17:00 Uhr

Umstrittene Bonitätsbewertung

WestLB liegt im Clinch mit Fitch

VonPeter Köhler

Die Bank erwägt eine Klage gegen die Rating-Agentur, die sie zuvor zurückgestuft und von potentiellen Liquiditätsproblemen berichtet hatte. Die Bewertung entbehre „jeder Grundlage“, heißt es bei der WestLB, während Fitch seine Einschätzung verteidigt. Der Stellenabbau bei der Düsseldorfer Bank scheint derweil unumgänglich zu sein.

WestLB-Chef Alexander Stuhlmann ist sauer auf die Rating-agentur Finch. Foto: dpa dpa

WestLB-Chef Alexander Stuhlmann ist sauer auf die Rating-agentur Finch. Foto: dpa

FRANKFURT. Die WestLB und die Ratingagentur Fitch liegen wegen einer Analyse über Kreuz. Fitch hat gestern den Vorwurf der WestLB zurückgewiesen, die jüngste Bonitätsbewertung der Landesbank entbehre jeder Grundlage. „Wir hatten alle Informationen, die für ein solides Rating notwendig sind“, sagte Analystin Anna Lozmann der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires in Frankfurt. Eine „wesentliche Säule“ des Ratings seien Veröffentlichungen der WestLB gewesen. Daneben habe Fitch auch Zugriff auf Informationen aus anderen Quellen gehabt. Die Ratingagentur hatte am Dienstag das Individualrating der WestLB auf die unterste Stufe „F“ gesenkt und zur Begründung geschrieben, ohne die Rettungsmaßnahmen der Eigner hätte die Landesbank ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. WestLB-Vorstandsvorsitzender Alexander Stuhlmann sagte in Düsseldorf, die Analyse von Fitch entbehre „jeder Grundlage.“ Die Agentur bewerte die Bank ohne Kenntnis der relevanten internen Informationen.

Hingegen habe die Ratingagentur Moody’s, mit der die WestLB eine Vertragsbeziehung habe und die daher über alle wichtigen Detailinformationen verfüge, das für die WestLB zentrale Langfristrating bestätigt und die Liquiditätssituation als zufrieden stellend beschrieben, ergänzte Stuhlmann. „Wir prüfen rechtliche Schritte gegen Fitch“, sagte der Konzernchef. In Bankkreisen hieß es, Fitch habe den Eindruck hergestellt, dass die Bank ohne Unterstützung durch die Eigentümer zahlungsunfähig geworden wäre, was aber „schlicht falsch“ sei. Fitch und die WestLB lagen bereits 2006 im Clinch. Damals hatte Fitch-Manager Thomas von Lüpke in einer Anhörung gesagt, die Bank arbeite „noch nicht nachhaltig profitabel“, woraufhin die WestLB den Vertrag kündigte. Fitch bewertet die Bank aber weiterhin, weil es starkes Interesse anderer Kunden gebe, hieß es in Kreisen der Rating-Agentur.

Für die WestLB wurde vergangenen Sonntag ein Sanierungspaket geschnürt, das eine Kapitalspritze von zusammen zwei Mrd. Euro für die Bank vorsieht. Außerdem steht eine massive Restrukturierung an. NRW-Finanzminister Helmut Linssen (CDU) kündigte gestern vor dem Landtag an, ein Stellenabbau sei unumgänglich. Es gebe aber „keinen fertigen Plan“ für einen Abbau von 2000 Stellen, wie es in Medienberichten geheißen hatte.

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