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21.01.2010

17:55 Uhr

US-Bank

Boni-Kürzungen verhelfen Goldman zu Rekordgewinn

VonRolf Benders

Die Investmentbank Goldman Sachs profitiert immer stärker von der Schwäche der Konkurrenz infolge der Finanzkrise. Ironischerweise half dabei auch, dass das Institut im vierten Quartal wegen der öffentlichen Empörung über die Bezahlung von Bankern keine weiteren Rückstellungen für Boni bildete. Den Nutzen haben die Aktionäre in Form eines Rekordgewinns. Analysten sagen ein weiteres Rekordjahr voraus.

Eingang von Goldman Sachs in New York. Reuters

Eingang von Goldman Sachs in New York.

NEW YORK. "Wir sind nicht taub gegenüber Kritik an den Gehältern", sagte Finanzvorstand David Viniar. Zuvor hatte Goldman fast eine Versechsfachung des Jahresgewinns auf 13,39 Mrd. Dollar ausgewiesen. Mit einem Eigenkapitalrendite von 22,5 Prozent im vierten Quartal stellte das Institut den Rest der Branche in den Schatten. Der direkte US-Konkurrent Morgan Stanley hatte im selben Zeitraum für eine Rendite von gut vier Prozent erzielt. Die Deutsche Bank, die ihre Zahlen für das vierte Quartal noch nicht vorgelegt hat, verbuchte zwischen Juni und September eine Rendite von 16 Prozent.

Analysten sagen Goldman ein weiteres Rekordjahr voraus

Goldman hatte als eine der wenigen Banken weltweit die Immobilienkrise 2007 kommen sehen und sich frühzeitig aus den problematischen Kreditpapieren zurückgezogen. Anfang 2009 konnte das Institut daher auch beherzt wieder in den Markt einsteigen. Zudem profitierte es davon, dass Konkurrenten wie Bear Stearns und Lehman Brothers von der Bildfläche verschwunden waren. Allerdings zeigte sich im vierten Quartal, wie zuvor schon in den Jahresabschlüssen der Konkurrenz, auch bei Goldman ein Rückgang der Handelsgewinne gegenüber dem Sommer. Dafür zogen die Gewinne im klassischen Investment-Banking deutlich an. Analysten rechnen damit, dass dieser Trend anhält. "Die Zinsen werden noch auf längere Zeit niedrig bleiben, und daher wird es noch mehr Fusionen geben", sagte Richard Bove, Analyst bei Rochedale Securities. Das könne Goldman 2010 zu einem weiteren Rekordgewinn verhelfen.

Goldman beugt sich den Kritikern der Wall Street

Im Schlussquartal beugte sich Goldman überraschenderweise der öffentlichen Kritik an seinen Bonuszahlungen. Da die Bank ihre bereits im September ausgewiesenen Rückstellungen für Gehälter von 16,2 Mrd. Dollar nicht weiter aufstockte, überbot das Institut die Gesamtjahresprognosen der Analysten um rund zwei Mrd. Dollar. Die Ausschüttungsquote an die Mitarbeiter sank damit auf 35,8 Prozent und lag damit 20 Prozent unter dem letzten Rekordjahr 2007. Damit versucht sich die Bank selbst aus der Schusslinie der Kritik zu nehmen. Ihr kommt dabei zugute, dass Morgan Stanley zuvor für 2009 eine Ausschüttungsquote von 62 Prozent ausgewiesen hatte. Angesichts der Rekordgewinne und der absoluten Höhe der Goldman-Gehälter bleibt jedoch abzuwarten, ob sich Goldman der Kritik tatsächlich entziehen kann. "Ich denke, der Druck wird angesichts der Gewinne weiter groß sein", sagte Keith Davis, Analyst bei Farr, Miller & Co.

Finanzvorstand Viniar wollte sich nicht festlegen, ob die Ausschüttungsquote dauerhaft so niedrig bleiben werde. Er sagte lediglich: "Die Veränderungen stellen ein Risiko für unsere Fähigkeit dar, Talente zu halten oder für uns zu gewinnen." Nichts sagte er dazu, ob nun die Ausschüttung an Aktionäre steigen werde. Die Anteilseigner profitieren aber auch so von dem höheren Gewinnausweis, weil er den Aktienkurs dauerhaft steigern dürfte. Da zu den Aktionären auch die Angestellten gehören, die ihren Bonus in Dividendenpapieren erhalten, geht dieser Effekt auch an ihnen nicht vorbei.

Zurückhaltend äußerte sich Finanzvorstand Viniar zu den Plänen der US-Regierung, den Geschäftsbanken den Eigenhandel zu verbieten und sie gegebenenfalls sogar aufzuspalten. Er halte Letzteres für nicht praktikabel, sagte er.

Neue Taktik

Risikobereitschaft: Offenbar ist Goldman Sachs etwas vorsichtiger ins Jahr gestartet. Der maximal einkalkulierte Tagesverlust, der sogenannte "Value at Risk", sank Anfang 2010 von 218 auf 180 Mio. Dollar. Anfang 2009 hatte die Bank ihn noch hochgefahren, um von der Erholung der Märkte profitieren zu können.

Mitarbeiterstamm: Die Erholung an der Wall Street lässt sich mittlerweile auch wieder an der Zahl der Bankmitarbeiter ablesen, die in der Krise durch Entlassungswellen dezimiert worden war. Goldman beschäftigt mittlerweile wieder 32 500 Angestellte. In der Krise war die Zahl auf fast rund 30 000 gesunken.

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