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13.01.2010

07:02 Uhr

Versicherungs-Streit

Deutscher Ring vor Aufspaltung

VonThomas Schmitt

ExklusivDer Dortmunder Versicherungskonzern Signal Iduna fürchtet, dass die Finanzaufsicht den Deutschen Ring zerschlagen will. Die Finanzaufsicht entscheidet diese Woche im Übernahmekampf um den Versicherer. Signal Iduna und Bâloise liefern sich seit Monaten einen bizarren Streit.

Der Streit um den Deutschen Ring schwelst schon seit mehr als einem Jahr. Die Aufnahme zeigt Mitarbeiter der Versicherungsgruppe, die im November 2008 protestierten. dpa

Der Streit um den Deutschen Ring schwelst schon seit mehr als einem Jahr. Die Aufnahme zeigt Mitarbeiter der Versicherungsgruppe, die im November 2008 protestierten.

FRANKFURT. Das geht aus internen Dokumenten des Versicherers hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Die Finanzaufsicht BaFin hatte angekündigt, in dieser Woche über den Streit der beiden feindlichen Ring-Eigentümer Signal Iduna und Bâloise zu entscheiden. Beide Versicherer äußerten sich am Dienstag dazu nicht.

Ordnet die BaFin an, die Ring-Gruppe zu zerschlagen, wäre das ein Etappensieg für die Schweizer Bâloise. Die hatte durch die Entlassung von Ring-Vorständen im Herbst 2008 den Eigentümerstreit in Hamburg entfacht.

900 Ring-Mitarbeiter arbeiten für die beiden verfeindeten Seiten

Die beiden Kontrahenten nutzen aufgrund alter Verträge nach wie vor gemeinsam Vertriebs-, Verwaltungs- und Marketingkapazitäten der Ring-Gruppe, obwohl die rechtlich selbstständige Krankensparte des Rings im April unter das Dach der Signal Iduna schlüpfte. Die Dortmunder und die Schweizer verhandelten zwar über eine Aufteilung des Versicherers, konnten sich aber nicht einigen. Stattdessen befehden sie sich mit rechtlichen Mitteln, wozu auch ein Vorstoß der Bâloise bei der Finanzaufsicht zählt. Dabei sehen die Schweizer Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht und gegen das Versicherungsaufsichtsgesetz, weil Unternehmen mit unterschiedlichen Eigentümern in Hamburg organisatorisch auf dieselben Leute zugreifen. Rund 900 der 1500 Ring-Mitarbeiter besitzen dort sogenannte Zebra-Verträge, sie dienen also sowohl der Signal-Krankensparte als auch den Bâloise-Gesellschaften Deutscher Ring Sach und Leben.

Nach Einschätzung aus Branchenkreisen erweckte der bisherige Verlauf der BaFin-Prüfung den Eindruck, dass in Kürze ein Verwaltungsakt erlassen wird: Binnen acht Wochen müssten danach beide Seiten Pläne vorlegen, wie die Gruppe Deutscher Ring zu entflechten sei. Eine schnelle Zerschlagung wollen die Dortmunder jedoch vorerst nicht. Deshalb wappnen sie sich juristisch wie vertrieblich, um den Übernahmekampf in die Länge zu ziehen.

Juristisch ist intern bereits ein Widerspruch gegen eine mögliche BaFin-Entscheidung vorbereitet worden: "Signal Iduna hat sich daher entschieden, umgehend gegen den Erlass des Verwaltungsaktes der BaFin nach § 81 Abs. 2 VAG Rechtsmittel einzulegen", heißt es in Entwürfen für Medienmitteilungen, die dem Handelsblatt vorliegen. Die Rechtsmittel sollen dabei "zwingend aufschiebende Wirkung haben", damit "die von der Bâloise betriebene Zerschlagung und Zerstörung des Deutschen Rings nicht fortschreitet". In Branchenkreisen wird damit gerechnet, dass dies die Wirkung einer möglichen BaFin-Entscheidung mindestens um zwei Jahre verzögert. Weitere zwei bis drei Jahre würde dann eine Entflechtung nach Einschätzung der Signal Iduna dauern.

Bis dahin wollen die Dortmunder jedoch weitere Fakten auf der Vertriebsseite schaffen.

Kommentare (1)

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J. Charbonnier

13.01.2010, 23:27 Uhr

Jahrelang hat die "Anstalt", die bAFiN es verschlafen und hat untätig zugesehen, wie sich der Schweizer Versicherer baloise in Deutschland aufführt. Jetzt plötzlich will sie die Entflechtung der Unternehmensgruppe Deutscher Ring auf Kosten der Versicherten, da eine solche Entpflechtung ohne die Zustimmung der beteiligten Milionen und aber Millionen kosten wird. Es entsteht der Eindruck, die bAFiN versteht ihre Rolle und ihren gesetzlichen Auftrag nicht mehr ! Der Chef der bAFiN sollte sich schleunigst juristisch beraten lassen. Auch die bAFiN hat die Rechnung ohne die betroffenen und beteiligten gemacht. Das kann teuer zu stehen kommen!

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