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05.01.2009

10:51 Uhr

Volks-und Raiffeisenbanken

„Wir kommen mit einem blauen Auge davon“

VonYasmin Osman

Im Jahr 2008 werden die Volksbanken ein leicht rückläufiges Ergebnis erzielen. Den Zuwachsraten auf Kredit- und Einlagenseite stehen hart umkämpfte Margen im Privatkundengeschäft gegenüber. BVR-Präsident Uwe Fröhlich spricht im Handelsblatt-Interview über schrumpfende Margen und den Sinn einer Bad Bank.

Die Kreditvergabebereitschaft der Volks- und Raiffeisenbanken ist momentan höher als die Nachfrage. Foto: ap ap

Die Kreditvergabebereitschaft der Volks- und Raiffeisenbanken ist momentan höher als die Nachfrage. Foto: ap

Handelsblatt: Glückwunsch, Herr Fröhlich, die Volks- und Raiffeisenbanken können sich vor Einlagen kaum retten. Im Oktober und November vertrauten Anleger Ihnen 15 Mrd. Euro an. War das frisches Geld oder wurde umgeschichtet?

Uwe Fröhlich: Das war größtenteils frisches Geld. Wir wachsen jedes Jahr in absoluten Zahlen auf der Einlagenseite, aber dieser große Zuwachs war wahrscheinlich auch dadurch motiviert, dass man uns und unserem Geschäftsmodell mehr Vertrauen entgegenbringt.

Und was machen Sie damit? In einer Rezession lohnen sich viele Geschäfte doch gar nicht.

Zumindest machen wir unter Ertragsgesichtspunkten nicht den Fehler wie einige Wettbewerber, Kredite zu niedrigeren Zinsen zu vergeben, als Einlagenzinsen an Kunden gezahlt werden. Darüber hinaus sind wir bemüht, im Rahmen unseres Geschäftsmodells und der regionalen Wirtschaftskreisläufe die Einlagen erfolgreich in Kreditgeschäft umzusetzen. Allerdings stellen wir vor allem bei Firmenkunden eine gewisse Zurückhaltung fest, was die Kreditnachfrage angeht.

Sie würden mehr Kredite vergeben, wenn jemand diese wollte?

Ja, unsere Kreditvergabebereitschaft ist momentan höher als die Nachfrage. Von daher kann man in unserem Geschäftsumfeld von keiner Kreditklemme sprechen. Allerdings umfasst unsere Klientel primär das Segment kleiner und mittlerer Unternehmen, und nicht zum Beispiel das der Dax-Firmen.

So ein Liquiditätsüberhang könnte dazu verleiten, Kredite zu vergeben, die nicht risikoadäquat verzinst werden, oder?

Unsere Bankvorstände machen in der Regel regionales Kreditgeschäft, kennen die Betriebe, denen sie Kredite gewähren, über viele Jahre und können die Risiken sehr gut einschätzen. Ich erwarte von daher keine besonderen Gefahren aus einer möglichen konjunkturellen Abschwächung in diesem Jahr.

Wie geht man mit Kapital um, für das es kein sinnvolles Geschäft gibt?

Überschüssige Liquidität wird im Finanzverbund in der Regel bei der Zentralbank angelegt, also bei der DZ Bank oder der WGZ Bank, die das in der Regel wiederum anlegen und gegenüber der Volksbank und Raiffeisenbank verzinsen.

Auch ihre Zentralbanken müssen sich überlegen, wie sie mit zu viel Liquidität umgehen. Gerade die DZ Bank hat dabei ja auch Verluste gemacht.

Im Lichte der Finanzkrise hätte man vielleicht auch das eine oder andere anders gemacht, aber hinterher ist man immer schlauer. Daher ist es nicht geboten, die Entscheidungen der Vergangenheit zu kritisieren. Für die DZ Bank gilt sicher, dass sie Liquidität anlegen muss. Im Übrigen haben die beiden Zentralbanken einen zusätzlichen Kredit-Fonds im Volumen von einer Mrd. Euro aufgelegt. Er soll das Kreditangebot der Volks- und Raiffeisenbanken ergänzen. Er richtet sich an unsere mittelständischen Kunden und solche, die es noch werden wollen. Es geht um Darlehen in der Größenordnung von 250 000 Euro bis zwei Mio. Euro – mit bis zu fünf Jahren Laufzeit.

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