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12.01.2009

15:45 Uhr

Vorwurf der Steuerhinterziehung

UBS schließt US-Konten

VonTorsten Riecke

Die UBS macht sich daran, ihre Altlasten in den USA abzuarbeiten. Die Schweizer Großbank schließt jetzt Konten, die bei amerikanischen Behörden im Verdacht stehen, zum Zwecke der Steuerhinterziehung missbraucht worden zu sein. Was nach einem unspektakulären Verwaltungsakt klingt, ist für die UBS eines der heikelsten Probleme überhaupt.

Der UBS wird vorgeworfen, knapp 20000 US-Bürgern dabei geholfen zu haben, 20 Milliarden Dollar zu verstecken. Foto: Reuters Quelle: Reuters

Der UBS wird vorgeworfen, knapp 20000 US-Bürgern dabei geholfen zu haben, 20 Milliarden Dollar zu verstecken. Foto: Reuters

ZÜRICH. Nach Angaben der „New York Times“ soll es sich dabei um etwa 19 000 Bankkonten in Übersee handeln. Die UBS wollte diese Zahl weder bestätigen, noch dementieren. „Wir haben schon im vergangenen Jahr angekündigt, dass wir die Offshore-Konten von Kunden mit Wohnsitz in den USA schließen werden“, sagte ein Sprecher der Bank.

Den Eidgenossen wird vorgeworfen, zwischen 2002 und 2007 knapp 20 000 US-Bürgern dabei geholfen zu haben, Vermögenswerte in Höhe von insgesamt knapp 20 Mrd. Dollar auf Schweizer Bankkonten vor dem amerikanischen Fiskus versteckt zu haben. Die wahren Vermögensverhältnisse der Steuerpflichtigen wurden durch Scheinfirmen im Ausland verschleiert. Den US-Behörden sollen Einnahmen von 300 Mio. Dollar pro Jahr entgangen sein.

Die UBS leugnet nicht, dass es in Einzelfällen zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, bestreitet aber, dass die Bank systematische Beihilfe zur Steuerhinterziehung betrieben hat. Durch die Anklage gegen das Vorstandsmitglied Raoul Weil Ende 2008 hat sich der Fall weiter zugespitzt. Ist doch in der Anklageschrift von weiteren Führungspersonen die Rede, die von den Machenschaften gewusst haben sollen. In Zürich wird befürchtet, dass es sich dabei um Vorstandschef Marcel Rohner und Verwaltungsratspräsident Peter Kurer handeln könnte.

Ärger droht der UBS aber auch von Seiten der betroffenen Kunden. So ist die Bank von mindestens einem Klienten verklagt worden, weil sie sensible Kundendaten an die US-Steuerfahnder weitergereicht und damit das Schweizer Bankgeheimnis verletzt haben soll. Tatsächlich haben die USA bei der Schweizer Regierung in Bern um Amtshilfe in der Sache ersucht und die Eidgenossenschaft hat ihrerseits Kundendaten von der UBS verlangt. Ob die Daten inzwischen in den USA gelandet sind, ist hingegen unklar.

Die betroffenen US-Kunden können ihre Konten jetzt entweder schließen oder ihr Vermögen zu einer anderen Bank oder einer Tochter der UBS in den USA übertragen. In beiden Fällen besteht die Gefahr, dass die Steuerfahnder den Steuersündern auf die Spur kommen. Zudem droht ihnen eine Strafverfolgung wegen Geldwäsche. Viele Betroffene haben deshalb bereits versucht, mit einer Selbstanzeige einer harten Strafe zu entgehen.

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