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16.01.2008

14:38 Uhr

VTB Bank

Der Aufstiegskandidat

VonHans G. Nagl

Die russische VTB Bank wächst momentan mit rasantem Tempo. Dabei profitiert sie von den hohen Wachstumsraten auf dem unterentwickelten Bankenmarkt des Landes. Einige russische Besonderheiten hat das staatlich kontrollierte Institut auch zu bieten - zum Beispiel einen toten Manager im Swimmingpool.

Der Börsengang der VTB Bank spielte im vergangenen Jahr acht Milliarden Dollar ein. Foto: PR

Der Börsengang der VTB Bank spielte im vergangenen Jahr acht Milliarden Dollar ein. Foto: PR

FRANKFURT. Manchmal ist ein Geschäft mehr als ein Deal – mitunter wird es zum Politikum. Diese Erfahrung konnte die staatliche russische VTB Bank im August 2006 machen. Denn bis dahin kannten das Institut in der westlichen Welt nur eingefleischte Finanzprofis. Doch mit dem Einstieg beim europäischen Rüstungs- und Flugzeugkonzern EADS änderte sich das schlagartig. Die fünf Prozent in staatlicher russischer Hand ließen die Wellen hochschlagen. Zumal sich Russlands Präsident Wladimir Putin offenbar höchstpersönlich für eine Sperrminorität Russlands einsetzte und damit harschen Widerstand der Eigentümer und westlicher Politiker erntete. Auch wenn VTB zum Jahreswechsel die fünfprozentige Beteiligung verkauft hat, ist klar: Der EADS-Einstieg hat der Bekanntheit der Russen im Westen sicher nicht geschadet.

Dabei ist das am 12. Oktober 1990 unter dem Namen „Wneshtorgbank“ gegründete Institut alles andere als eine reine Beteiligungsholding. Die Bank, heute Nummer zwei im russischen Markt hinter dem Erzrivalen Sberbank, sollte vor dem Hintergrund einer zerfallenden Sowjetunion die künftige Außenhandelsfinanzierung sicherstellen. Damals gründeten alle Republiken eigene Kreditinstitute. Doch bereits Mitte der 90er-Jahre erweitert sich das Geschäft auch auf Privatkunden, das Angebot für Firmenkunden wird ebenfalls ausgebaut. „Seit dem Antritt des neuen Managements im Jahr 2002 ist die klare Strategie, eine Universalbank zu formen,“ sagt Vize-Chef Wassili Titow dem Handelsblatt.

Heraus kam dabei ein kräftiges Wachstum: Alleine in den vergangenen drei Jahren konnte VTB die Bilanzsumme um im Schnitt zwei Drittel steigern. Die Zahl der Filialen verdreifachte sich im gleichen Zeitraum auf knapp 550. Bei Firmenkrediten konnte die Bank in den letzten Jahren im Mittel jährlich um 40 Prozent zulegen.

Vom Branchenprimus Sberbank trennen VTB dennoch Welten – auch wenn Titow ankündigt: „Wir werden auch in den kommenden Jahren kräftig wachsen.“ Ganz oben auf der Prioritätenliste steht dabei der Ausbau des Filialkundengeschäfts, die Expansion in den früheren Sowjetstaaten sowie der Ausbau des Investment-Bankings. Geld hat VTB seit dem Börsengang genug: Im Mai 2007 sammelte Vorstandschef Andrej Kostin acht Mrd. Dollar ein – so viel wie keine andere Erstemission (Initial Public Offering) im vergangenen Jahr schaffte. Alleine die Zahl der Niederlassungen soll binnen der nächsten zwölf Monate um rund ein Viertel auf 680 steigen. Das in London und Moskau ansässige Investment-Banking soll um hundert auf dann 300 Mitarbeiter zulegen.

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