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31.10.2013

14:58 Uhr

Bargeldloses Zahlen

Kreditkarten-Branche geht es immer besser

Mittlerweile bezahlen immer mehr Menschen einen großen Teil ihrer Einkäufe elektronisch - online sowieso, aber auch im Laden vor Ort. Die Kreditkarten-Firmen profitieren davon. Alle großen Anbieter machen mehr Umsatz.

Kreditkarten verschiedener Anbieter:  Marktführer Visa ist der einzige, bei dem die Geschäfte nicht so gut laufen. dpa

Kreditkarten verschiedener Anbieter: Marktführer Visa ist der einzige, bei dem die Geschäfte nicht so gut laufen.

PurchaseDie ungebrochene Lust aufs bargeldlose Zahlen erweist sich als Glücksfall für die Kreditkarten-Branche. Visa, Mastercard und American Express konnten im zurückliegenden Quartal höhere Einnahmen verbuchen. Bis auf Visa, wo hohe Steueraufwendungen das Ergebnis verhagelten, machten die Firmen auch mehr Gewinn.

Visa verdiente von Juli bis September 1,2 Milliarden Dollar (880 Mio Euro) und damit ein Viertel weniger als noch im Vorjahreszeitraum. Die Aktie gab am Donnerstag vorbörslich um annähernd 3 Prozent nach. Visa ist Marktführer bei Kreditkarten.

Die Kosten für das bequeme Zahlen mit der Karte

Betrifft das überhaupt viele Menschen?

Ja. Dem Handelsforschungsinstitut EHI zufolge lag der Anteil des Kartenumsatzes 2012 am Gesamtmix der Zahlungsarten im deutschen Einzelhandel erstmals bei mehr als 40 Prozent - und das ist im EU-Vergleich noch ein geringer Anteil. Bei jeder Zahlung fallen dann Gebühren an.

Um welche Entgelte geht es?

Die Pläne beziehen sich auf die sogenannten Interbanken-Entgelte. Diese stellt die Bank eines Kunden dem Finanzinstitut eines Händlers in Rechnung, wenn der Verbraucher per Karte zahlt. Kreditkarten-Unternehmen wie Mastercard und Visa verdienen an diesen Gebühren - für Händler bedeuten sie aus Sicht der EU-Kommission unnötige Kosten in Milliardenhöhe, die durch höhere Produktpreise auf die Verbraucher abgewälzt werden. Zudem sieht die Kommission ein Hindernis für moderne und sichere Zahlungsmethoden, wenn es aufgrund der Gebühren für Händler billiger ist, Bargeld anstatt Karten zur Bezahlung zu akzeptieren.

Wie hoch sind die Gebühren?

Das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich: Die Gebühren für Debitkarten reichen der "Financial Times" zufolge von 0,1 Prozent in Dänemark bis zu 1,6 Prozent in Polen. Die Entgelte für Kreditkarten betragen demnach in Deutschland 1,8 Prozent, in Frankreich jedoch nur 0,5 Prozent. Auch das stört die EU-Kommission, die für ganz Europa möglichst einheitliche Geschäfts- und Wettbewerbsbedingungen anstrebt.

Auf welcher Höhe sollen die Entgelte gedeckelt werden?

Die Gebühren für Kreditkarten-Zahlungen sollen höchstens 0,3 Prozent des Zahlungsbetrags betragen dürfen. Für Debitkarten will die Kommission die Grenze auf 0,2 Prozent festlegen. Das soll zunächst für grenzüberschreitende Zahlungen gelten, knapp zwei Jahre später dann auch für Transaktionen im Inland. Zuerst müssen allerdings EU-Staaten und Europaparlament zustimmen.

Was bedeutet das für Deutschland?

Für Deutschland könnte das besonders Änderungen bei Kreditkarten bedeuten. Die deutschen EC-Karten dürften von den Bestimmungen für Debitkarten aufgrund eines einfacheren Systems ausgenommen bleiben. In Deutschland fällt bei der Zahlung mit EC-Karten in der Regel eine Gebühr in Höhe von 0,3 Prozent des Umsatzes an, mindestens jedoch acht Cent. Große Handelsunternehmen handeln mit den Banken aber auch eigene Sätze aus, die darunter liegen dürften. Die EU-Kommission hofft zudem, dass in Deutschland die Akzeptanz für das bargeldlose Bezahlen steigt.

Was ist das Ziel?

Neben einheitlichen Regeln und größerem Wettbewerb zwischen den Zahlungsanbietern strebt die EU-Kommission vor allem geringere Kosten für Verbraucher an. Doch das betroffene Unternehmen Mastercard warnt, dass genau das Gegenteil erreicht werden könnte, wenn die Kartenanbieter zum Ausgleich für die verlorenen Entgelte direkt von den Karteninhabern höhere Jahresgebühren fordern.

In welcher Höhe drohen den Kreditkarten-Unternehmen Verluste?

"10,5 Milliarden Euro fließen in der EU jährlich vom Handel in die Taschen der Kartenanbieter, davon bei Debitkarten 4,8 Milliarden Euro, bei Kreditkarten sogar 5,7 Milliarden Euro", sagt der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Der EU-Kommission zufolge könnten die Händler Abgaben in Höhe von rund sechs Milliarden Euro sparen.

Was ist noch geplant?

Die Kommission will Extragebühren verbannen, die etwa bei einer Flugbuchung per Karte anfallen. Verbraucher sollen außerdem besser vor Betrug und Missbrauch geschützt werden, indem ihr Verlust bei nicht autorisierten Kartenzahlungen nicht über 50 Euro hinausgehen soll, anstatt bisher 150 Euro.

Die abgewickelten Zahlungen des US-Konzerns stiegen im Quartal um 13 Prozent auf 1,1 Billionen Dollar. Visa verdient daran vor allem durch Gebühren, die beispielsweise Einzelhändler bei jedem Kauf berappen müssen.

Über die Systeme von Mastercard liefen Kreditkarten-Zahlungen über 1 Billion Dollar, ein Plus von 15 Prozent. Das sorgte für einen Gewinnsprung um 14 Prozent auf unterm Strich 879 Millionen Dollar. „Wir hatten ein weiteres gutes Quartal mit Wachstum in allen Regionen“, erklärte Firmenchef Ajay Banga am Donnerstag. Die Aktie stieg vorbörslich um 1 Prozent.

American Express hatte schon vor zwei Wochen seine Geschäftszahlen vorgelegt und übertraf die bereits gut verdienende Konkurrenz mit einem Gewinn von 1,4 Milliarden Dollar. Das war ein Plus von 9 Prozent.

Allerdings ist das Geschäftsmodell ein anderes als bei den Rivalen: Während Visa und Mastercard die Zahlungen nur abwickeln - vor allem für Banken - vergibt American Express auch den eigentlichen Kredit. In guten Zeiten verdient das Unternehmen somit doppelt an Transaktionsgebühren und Zinsen, in schlechten Zeiten kämpft es mit Ausfällen bei den Kreditraten.

Von

dpa

Kommentare (1)

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norbert

31.10.2013, 16:29 Uhr

Es geht den Menschen halt noch so gut, daß sie einen Teil Ihres Einkommens an die Kreditunternehmen abgeben können.
Man muß den Unsinn nur als chic oder cool deklarieren, und schon laufen alle dem nach.

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