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26.08.2013

19:19 Uhr

Bats überholt Nasdaq

Großfusion in US-Börsenbranche

Elektronische Börsen haben in den vergangenen Jahren enorm an Akzeptanz gewonnen – und werden immer mehr zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für klassische Handelsplätze. Nun fusionieren zwei elektronische US-Börsen.

BATS Global Markets und Direct Edge kündigten am Montag einen Zusammenschluss an. dpa

BATS Global Markets und Direct Edge kündigten am Montag einen Zusammenschluss an.

New York/FrankfurtNächste Großfusion in der internationalen Börsenlandschaft: Der US-Anbieter Bats Global Markets will mit dem kleineren Rivalen Direct Edge verschmelzen und so den zweitgrößten Handelsplatz für Aktien in Amerika schaffen. Die Deutsche Börse, die über ihre US-Derivate-Tochter ISE 31,5 Prozent an Direct Edge hält, unterstützt den Zusammenschluss. "Wir werden auf diese Weise Größenvorteile und Synergien erzielen und die Expansion des fusionierten Unternehmens vorantreiben", sagte ISE-Chef Gary Katz am Montag.

Die ISE ist derzeit größter Anteilseigner von Direct Edge und will auch an dem fusionierten Unternehmen beteiligt bleiben. Wie hoch der Anteil nach der Verschmelzung sein wird, wollten die Unternehmen nicht sagen - und hielten sich zunächst auch zu vielen anderen Details bedeckt. Allerdings deutet viel darauf hin, dass Bats den Ton bei dem neuen Unternehmen angeben wird. Alle Börsen, die der neue Konzern betreiben wird, sollen die Systeme von Bats nutzen. Die Firmenzentrale des Unternehmens soll im Großraum von Kansas City liegen, wo Bats beheimatet ist. Vorstandschef wird Bats-Chef Joe Ratterman, Direct-Edge-Chef Bill O'Brian ist als Präsident vorgesehen.

Börsenfusionen

Nicht immer erfolgreich

Der Wettbewerb im Börsenhandel ist hart. Alternative Aktienhandelsplattformen, meist gegründet von Investmentbanken, machen den klassischen Börsen das Leben schwer. Die relativ hohen Kosten zwingen die etablierten Betreiber zu Zusammenschlüssen. Doch nicht alle Fusionspläne glücken.

Paris/Amsterdam

Die Aktien- und Derivatemärkte von Paris, Amsterdam und Brüssel schließen sich im Jahr 2000 zur europäischen Mehrländerbörse Euronext zusammen. Später kommen Lissabon und die Londoner Terminbörse Liffe hinzu.

New York/Amsterdam

Euronext und die New Yorker Stock Exchange (NYSE) fusionieren 2007 zur transatlantischen Mega-Börse.

New York/Frankfurt

Die Fusion der Börsen von Frankfurt und New York scheitert im Februar 2012 am Veto der EU-Wettbewerbshüter. Für Störfeuer sorgten zeitweise die Technologiebörse Nasdaq und die US-Rohstoffbörse Intercontinental-Exchange (ICE) mit einem rund elf Milliarden Dollar schweren feindlichen Übernahmeangebot für die NYSE/Euronext.

Singapur/Sydney

Die Börse Singapur (SGX) versuchte 2011, die australische Börse ASX zu schlucken. Dafür bot sie 8,4 Milliarden australische Dollar (damals 5,9 Mrd Euro). Der australische Finanzminister Wayne Swanch erklärte aber klar, das Angebot der Asiaten sei „nicht im nationalen Interesse“.

London/Frankfurt

Die Deutsche Börse versuchte mehrfach erfolglos, die London Stock Exchange (LSE) zu kaufen. Auch die Nasdaq bemühte sich mehr als einmal vergeblich um die Londoner.

London/Toronto

2011 mussten die LSE und die Börse Toronto (TMX) ihre Hochzeit abblasen. Eine Gruppe kanadischer Finanzfirmen war den Briten in die Parade gefahren und hatte ein eigenes Übernahmeangebot vorgelegt. Damit wollten die Kanadier verhindern, dass der wichtigste Finanzhandelsplatz des Landes in ausländische Hände fällt. Die größere Londoner LSE hätte in der Ehe die Übermacht gehabt.

Eine fusionierte Börse könnte mehr Liquidität anziehen und ihr so mehr Handelsdaten bescheren - das würde die Umsätze erhöhen. Nyse Euronext, Nasdaq und Direct Edge nehmen bereits Gebühren für ihre Daten. Für die Börsen ist das eine stabilere Einnahmequelle als Gebühren aus dem Wertpapierhandel, die mit den Märkten schwanken. Runde 15 Prozent der 2,3 Milliarden Umsatz, die die Nyse macht, kamen 2012 aus dem Datengeschäft. Bats lässt sich von seinen US-Kunden erst seit dem 1. Juli für den Datenfluss bezahlen.

Bats und Direct Edge hätten schon mehrfach in Kontakt gestanden, aber die Bewertung von Direct Edge sei jeweils der Streitpunkt gewesen, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen. Bats hatte im März 2012 Schlagzeilen gemacht, als der geplante Börsengang auf der eigenen Börsenplattform zum Fiasko wurde. Nach einer Serie technischer Pannen und einem Kurseinbruch beim Debüt zog Bats die Notbremse und sagte das IPO kurzerhand ab.

Mit der Fusion überholt der neue Konzern laut Firmenangaben die Nasdaq und wird hinter der Nyse zweitgrößter US-Handelsplatz für Aktien. Da die Deutsche Börse im US-Aktienhandel nicht aktiv ist, dürfte die Fusion für sie kaum Auswirkungen haben. Konkurrenz macht Bats den Frankfurtern aber mit der europäischen Handelsplattform Bats Chi-X Europe sowie einer US-Options-Börse. Die Transaktion, der die Wettbewerbsbehörden noch zustimmen müssen, soll im ersten Halbjahr 2014 über die Bühne gehen.

Die Branche der Börsenbetreiber ist derzeit im Umbruch. Für die meisten Schlagzeilen sorgt dabei die US-Derivatebörse ICE, die den Rivalen Nyse übernimmt. Die europäische Mehrländerbörse Euronext könnte anschließend entweder an die Börse gebracht oder verkauft werden. Die Deutsche Börse hat deutlich gemacht, dass sie kein Interesse an der Euronext hat. Sie will künftig vor allem in Schwellenländern in Asien und Lateinamerika wachsen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Uran-fuer-Syrien

26.08.2013, 16:58 Uhr

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