Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.08.2012

11:14 Uhr

Bau von Stadtteil

Das Phantom von Ikea

VonMassimo Bognanni

Die Ankündigung sorgte für Furore: Harald Müller, Manager bei Inter Ikea, will in Hamburg einen Stadtteil bauen. Doch das Unternehmen rudert zurück – und gibt kaum Informationen über den Manager heraus.

Glaubt man Harald Müller, könnten solche Ikea-Flaggen bald auch über Studentenwohnheimen und ganzen Stadtvierteln leuchten. Reuters

Glaubt man Harald Müller, könnten solche Ikea-Flaggen bald auch über Studentenwohnheimen und ganzen Stadtvierteln leuchten.

DüsseldorfKaum ein Manager ist in den Medien derzeit so präsent wie Harald Müller. Der Mann mit dem deutschen Namen arbeitet für die Inter Ikea Holding, ein Schwesterunternehmen des schwedischen Möbelriesen Ikea - und er hat Großes vor: Mindestens 100 Studentenwohnheime und Budget-Designhotels will er in ganz Europa bauen. Für Aufsehen sorgte auch seine Ankündigung, in Hamburg einen ganzen Stadtteil zu planen. „Wir wollen den Markt aufrütteln", sagte Müller in einem Interview.

Trotz der Präsenz seiner Worte, über seine Person ist wenig bekannt. Von Müller gibt es kein Pressefoto, Inter Ikea hat keinen Lebenslauf des Managers vorliegen, kann nicht einmal sein Alter nennen. Müller selbst war auf seinem Handy nicht zu erreichen, auf eine an ihn gerichtete Mailanfrage antwortete schließlich die Pressestelle der Inter-Ikea-Gruppe.

Die Geschichte von Ikea

1943 - Gründung

Ingvar Kamprad gründet im zarten Alter von 17 Jahren seine eigene Firma. Als Startkapital nutzt er eine Belohnung, die ihm sein Vater für den bestandenen Schulabschluss schenkte. Der Name Ikea setzt sich zusammen aus den Initialen des Gründers (I. K.), sowie dem Bauernhof, Elmtaryd (E), und dem Dorf Agunnaryd (A), in dem er aufwuchs. Anfangs verkaufte Kamprad Stifte, Portemonnaies, Bilderrahmen, Tischläufer, Uhren, Schmuck und Nylonstrumpfhosen.

1948 - Möbel im Sortiment

Möbel werden ins Sortiment aufgenommen. Die Möbel werden von lokalen Herstellern in den Wäldern in der Nähe von Ingvar Kamprads Wohnort produziert.

1951 - Der erste Katalog

Kamprad verkauft seine Möbel auch per Katalog - und steigert so die Verkaufszahlen. Der erste Ikea-Katalog unterscheidet sich allerdings noch deutlich von heutigen Ausgaben.

1956 - Möbel zum Selbstbauen

Ikea beginnt eigene Möbel zu entwerfen, nachdem ein Mitbewerber die Lieferanten von einem Ikea-Boykott überzeugen möchte. Erstmals verpacken die Schweden ihre Möbel als Paket. Die Entdeckung der Selbstmontage ist ein Zufall: Ein Ikea-Mitarbeiter schraubte die Beine seines Tisches ab, damit der in sein Auto passte.

1958 - Das erste Einrichtungshaus

Das erste Ikea-Einrichtungshaus eröffnet in Älmhult, Schweden. Mit 6.700 Quadratmeter war es das zum damaligen Zeitpunkt größte Möbelgeschäft in Skandinavien.

1963 - Ikea expandiert ins Ausland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus außerhalb Schwedens wird in Oslo, Norwegen, eröffnet.

1968 - Ikea verwendet erstmals Spanplatten

Für das Sofa „Privat“ setzt Ikea erstmals gepresste Holzplatten aus Spänen ein. Mit weißer Lackierung und braune Cretonne-Bezüge wird das Sofa zum Verkaufsschlager.

1974 - Ikea kommt nach Deutschland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus in Deutschland wird am 17. Oktober in Eching bei München eröffnet. Nach der Schweiz und Dänemark ist Deutschland damit der vierte Auslandsmarkt für Ikea - und der größte.

1979/1 - Die Erfindung des Billy-Regals

Das Billy Bücherregal wird in das Sortiment aufgenommen – und entwickelt sich zum Klassiker. Mittlerweile haben die Schweden auch nach Australien, Österreich, Kanada und in die Niederlande expandiert.

1979/2 - Klippan feiert Premiere

Mit dem Klippan-Sofa gelingt den Schweden im selben Jahr ein weiterer Klassiker. Der Bau des Billigsofas ist umstritten - es soll teilweise von DDR-Zwangsarbeitern gebaut worden sein.

1984 - Ikea Family wird gegründet

Mit Ikea Family wird der erste Kundenklub gegründet.. Heute besitzen rund 15 Millionen Menschen eine Ikea-Kundenkarte.

1985 - Ikea erreicht die USA

Das erste Einrichtungshaus in den USA wird in Philadelphia eröffnet. Mittlerweile hat Ikea auch Filialen in Frankreich und Belgien. Die Schweden haben nun 10.000 Mitarbeiter über 60 Einrichtungshäuser.

1986 - Kamprad gibt die Konzernleitung ab

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zieht sich von der Konzernleitung zurück und wird Berater. Anders Moberg wird Konzernchef.

1991 - Ikea nutzt die Wende

Schon kurz nach der Wende eröffnet Ikea mehrere Einrichtungshäuser in Polen, Ungarn und Tschechien.

1998 - Ikea expandiert nach China

Der Möbelriese erkennt früh die Potentiale des chinesischen Wirtschaftswachstums. Das erste IKEA Einrichtungshaus in China wird in Shanghai eröffnet.

1999 - Anders löst Anders ab

Der IKEA Konzern beschäftigt nun 50.000 Mitarbeiter und hat 158 Einrichtungshäuser in 29 Ländern. Anders Dahlvig löst Anders Moberg ab und wird Konzernchef.

2000 - Ikea startet Online-hop

Zuerst darf nur Schweden und Dänemark online bei Ikea eingekauft werden. Nach und nach schließen sich andere Märkte an.

2006 - Ikea hat 100.000 Mitarbeiter

Der IKEA Konzern hat nun mehr als 100.000 Mitarbeiter und ist in 44 Ländern tätig. Kamprad gilt als reichster Mann der Welt.

2012 - Entschuldigung für dunkles DDR-Kapitel

Ikea beschäftigte in der DDR Zwangsarbeiter. Im Jahr 2012 legte das Unternehmen dazu eine eigene Studie vor. Demnach wusste die Führung bereits seit 1981 davon, reagierte aber nicht. Ikea entschuldigte sich für den Einsatz von DDR-Zwangsarbeitern.

2014 - Ikea feiert 40-jähriges Jubiläum in Deutschland

Am 17. Oktober feiert Ikea sein 40-jähriges Bestehen in Deutschland.

Seine Büroanschrift hat der „Business Development Manager" im belgischen Waterloo. Journalisten, die ihn zitieren, haben ihn per Mail oder telefonisch erreicht - getroffen haben sie ihn nicht. Immerhin: Am Telefon sei er sehr umgänglich, sagen sie.

Fragezeichen stehen auch hinter Müllers Ankündigungen. „Wir möchten einen Stadtteil bauen, von dem Hamburg profitiert", zitierte ihn unlängst eine Regionalzeitung. Müller suche bereits ein fünf Hektar großes Areal in der Hansestadt. Inter Ikea widersprach postwendend. Es gebe keine konkreten Pläne für Hamburg.

In London hat Inter Ikea bereits einen Stadtteil gebaut: Das Projekt entstand am Three Mills Wall River. dpa

In London hat Inter Ikea bereits einen Stadtteil gebaut: Das Projekt entstand am Three Mills Wall River.

Sicher ist: Die luxemburgische Holding Inter Ikea hat ein gewaltiges Vermögen, das sie unter anderem in Immobilien investiert. Das Unternehmen hält die Ikea-Markenrechte, allein im vergangenen Jahr spülte das knapp 800 Millionen Euro an Lizenzgebühren in die Kasse. Das Vermögen der Firma lag 2011 bei 5,8 Milliarden Euro. In London plant Inter Ikea tatsächlich einen ganzen Stadtteil. 1200 Wohnungen und Büros sollen im Viertel „Strand East“ entstehen.

Konkret ist auch der Bau von Studentenwohnheimen und Hotels. Inter Ikea hat hierzu bereits das Immobilienberatungsunternehmen Colliers Hotel beauftragt. Wie Colliers dem Handelsblatt bestätigte, suche man derzeit nach geeigneten Grundstücken.

Und Harald Müller? Der hat in diesen Tagen womöglich einfach zu viel zu um die Ohren, um sich der Öffentlichkeit vorzustellen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frauenversteher

24.08.2012, 12:11 Uhr

IKEA hat eben kein Mitleid mit Journalisten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×