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10.01.2017

15:39 Uhr

Baubranche

Der Phönix aus der Asche

VonMaike Freund

Die Baubranche erholt sich langsam, aber stetig. Die Verbände zeigen sich vorsichtig zuversichtlich. Die Unternehmen haben gute Gründe für die positive Stimmung – wären da nicht einige Sorgenkinder.

Vor allem der Wohnungsmarkt treibt die deutsche Bauindustrie an. dpa

Baustelle in Hamburg

Vor allem der Wohnungsmarkt treibt die deutsche Bauindustrie an.

BerlinWenn seine Zeit gekommen ist, dann verbrennt der Phönix, um aus seiner Asche wiedergeboren zu werden. Zumindest will es die griechische Mythologie so. Ein wenig erinnert die Baubranche in Deutschland derzeit an den Sagenvogel. Zwar ist nicht tot und war es nie. Aber die Industrie hat gelitten und ist geschrumpft, und das massiv.

Seit 2005 ist der Abwärtstrend gestoppt – und die Branche verzeichnet wieder Zuwachs, wenn auch nur leicht. 2016 konnten die deutschen Bauunternehmen erneut zulegen, und die Prognosen sehen für das laufende Jahr sehen nicht schlecht aus: Man gehe mit großer Zuversicht in das neue Jahr, sagten die Präsidenten der Branchenverbände HDB und ZDB, Peter Hübner und Hans-Hartwig Loewenstein, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin. Und Zuversicht ist für die Branche schon viel. „Wir rechnen 2017 mit einem Umsatzplus von fünf Prozent.“

Dass sich die Baubranche erholt, hat konkrete Gründe. Erstens: Der Wohnungsmarkt, der den stärksten Zuwachs verzeichnen konnte. Das liegt am steigenden Bedarf an Wohnungen durch Flüchtlinge, an der anhaltenden Binnenwanderung in die Städte, den niedrigen Zinsen und daran, dass Immobilien als Kapitalanlage weiterhin sehr gefragt sind.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Bis Oktober 2016 wurden nach Angaben der Verbände rund 20 Prozent mehr Wohnungsbauten genehmigt als im Vorjahr. Dadurch steigen auch die Umsätze. Die Verbände prognostizieren für 2017 ein Umsatzwachstum von rund sieben Prozent im Bauhauptgewerbe durch den Wohnungsbau. Und rechnen vor, dass der Bedarf damit immer noch nicht gedeckt sein wird.

Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und der HypoVereinsbank kommt zu dem Schluss, dass die Baubranche sogar bis 2020 wachsen wird, wenn auch nur vergleichsweise langsam mit 1,5 Prozent. Das Wachstum soll vor allem der Wohnungsbau bescheren, dort sei der Bedarf längst nicht gedeckt.

Zweitens: Auch der öffentliche Bau hat erneut zugelegt, denn es gab mehr Mittel für Investitionen vom Bund. So prognostizieren die Verbände ein Umsatzplus von fünf Prozent – und hoffen auch auf die Investitionsfreude der Länder und Kommunen.

Doch trotz der guten Prognosen sehen die beiden Präsidenten der Bauverbände nicht ganz glücklich aus: Der Wirtschaftsbau bleibt das Sorgenkind, denn die gewerbliche Wirtschaft will nicht investieren.

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Die Immobilienpreise in Deutschland werden 2017 weiter steigen, aber wohl nicht mehr ganz so rasant. Jenseits der Ballungsräume geht es sogar bergab. Ausgerechnet die Zinswende könnte aber einen neuen Preisschub auslösen.

Warum? Faktoren gibt es aus Sicht der Verbandspräsidenten viele. Vor allem sind es außenpolitische Unsicherheiten: Die kriselnde EU, das in weite Ferne gerückte Freihandelsabkommen oder der Konflikt in der Ukraine. Auch innenpolitisch sehen sie Gründe für die fehlende Investitionslust der Wirtschaft. Trotzdem hoffen die Verbände auf ein leichtes Plus von drei Prozent beim Wirtschaftsbau.

Ein weiteres Sorgenkind: Der Nachwuchs in der Branche. Denn es gibt nicht genug – und wenn, dann wird er nach der Ausbildung von anderen Branchen abgeworben. Fachkräftemangel ist das Stichwort. Und das schlechte Image der Branche. Doch wie lässt sich das ändern? Noch haben die Verbände darauf keine zufriedenstellende Antwort.

Vielleicht auch deshalb sind die Gesichter nicht so glücklich. Peter Hübner: „Die Steigerungen sind auf niedrigem Niveau“, sagt er. Niemand wisse, wie lange es so weitergehe. „Geht es uns schlecht, geht es uns gut? Es geht uns halbgut.“

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