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02.06.2016

17:46 Uhr

Baudienstleistungen gehen an EQT

Bilfinger verkauft seine Ertragsperle

Der krisengeschüttelte Bilfinger-Konzern trennt sich von seinem Herzstück: Der Finanzinvestor EQT zahlt 1,2 Milliarden Euro für das Bau- und Immobiliengeschäft. Jetzt will Bilfinger wieder schwarze Zahlen schreiben.

Kriselnder Baukonzern handelt

Bilfinger verkauft sein Herzstück

Kriselnder Baukonzern handelt: Bilfinger verkauft sein Herzstück

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Mannheim Der Baukonzern Bilfinger kappt in der Krise die letzten Wurzeln zu seiner bis ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Tradition. Das angeschlagene Mannheimer Unternehmen verkauft sein Bau- und Immobiliengeschäft für 1,2 Milliarden Euro an den schwedischen Finanzinvestor EQT, wie Bilfinger am Donnerstag mitteilte. Bilfinger trennt sich damit von 40 Prozent seines Umsatzes und wird zerschlagen.

Übrig bleibt das Geschäft mit Industriediensten, das unter dem niedrigen Ölpreis und Investitionszurückhaltung in wichtigen Branchen leidet. Mit einem wesentlichen Teil des Erlöses soll die Sparte, die vor allem Anlagen im Energiesektor und in der Industrie konstruiert und wartet, wieder fit gemacht werden, wie Interims-Chef Axel Salzmann erklärte. Der Preis sei „sehr gut“. „Das schafft für Bilfinger den größten Wert und stärkt unsere Finanzkraft erheblich.“

Bilfinger-Hauptversammlung: Chaostage in Mannheim

Bilfinger-Hauptversammlung

Chaostage in Mannheim

Bei einer hitzigen Hauptversammlung mussten sich Vorstand und Aufsichtsrat von Bilfinger heftige Kritik anhören. Die Aktionäre vermissen eine klare Strategie, die das Unternehmen zurück auf Wachstumskurs bringt.

Aufsichtsratschef Eckhard Cordes, vom Großaktionär und schwedischen Finanzinvestor Cevian installiert, erklärte, das Kontrollgremium stehe hinter dem Beschluss. Der Vorstand unter dem neuen Chef Thomas Blades, der noch nicht im Amt ist, werde attraktive Investitionsmöglichkeiten für das Industriegeschäft finden. „Und ich bin mir sicher, dass Cevian als Ankeraktionär dieses Vorgehen unterstützt.“

Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat hatten sich lange gegen den Verkaufsplan gesperrt. Die darin vertretenen Gewerkschaften IG BAU und IG Metall bezeichneten die Entscheidung als Fehler. "Wir warnen seit langem davor, dass der einst stolze Konzern Bilfinger durch ein chaotisch agierendes Management nicht zur Ruhe kommt", kritisierte der IG-BAU-Vizechef Dietmar Schäfers.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Bilfinger hatte seit Jahresbeginn einen Verkauf des Geschäftsfeldes geprüft. Insidern zufolge war neben den Arbeitnehmern auf der Eignerseite auch der frühere BASF-Vorstand John Feldmann im Aufsichtsrat mit dem Plan nicht einverstanden. Cevian habe den Abschied von "Building and Facility" dagegen vorangetrieben. Nachdem Feldmann im Streit sein Mandat kürzlich niederlegte, war der Weg frei.

Mit einer operativen Rendite von 4,8 Prozent war die Sparte im vergangenen Jahr die Stütze des Konzerns, die Industriedienste verdienten 3,5 Prozent. Die Bilfinger-Aktien legten als größter Gewinner im Nebenwerteindex MDax am Donnerstag um mehr als acht Prozent auf 41 Euro zu.

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