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28.11.2013

18:10 Uhr

Baufirmen

Spanien will bankrotte Maut-Strecken auffangen

Im krisengeplagten Spanien meiden Autofahrer gebührenpflichtige Straßen – und treiben Betreiber-Gesellschaften von Maut-Straßen so immer weiter in den Ruin. Jetzt will der Staat die Schulden übernehmen.

Die Baufirmen, darunter Ferrovial, Abertis und die Hochtief -Mutter ACS, hatten einst Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um an Konzession zum Bau von Maut-Strecken zu kommen. AFP

Die Baufirmen, darunter Ferrovial, Abertis und die Hochtief -Mutter ACS, hatten einst Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um an Konzession zum Bau von Maut-Strecken zu kommen.

MadridIn Spanien arbeitet der Staat an der Rettung von bis zu neun bankrotten Betreiber-Gesellschaften von Maut-Straßen. Die Verhandlungen mit Banken und Baufirmen liefen auf eine Übernahme der Schulden in Höhe von bis zu vier Milliarden Euro hinaus, verlautete am Donnerstag aus mit den Gesprächen vertrauten Kreisen.

Die angestrebte Lösung sieht demnach vor, dass eine staatliche Gesellschaft die Schulden übernimmt und über einen langfristigen und an niedrige Zinsen gekoppelten Kredit zurückzahlt. Die Baufirmen, darunter Ferrovial, Abertis und die Hochtief -Mutter ACS, hatten einst Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um an Konzession zum Bau von Maut-Strecken zu kommen. Sie werden nach dem Verhandlungsmodell zu 20 Prozent an der Auffang-Gesellschaft beteiligt, müssen aber auf ihre Investitionen einen Abschlag von 1,7 Milliarden Euro hinnehmen.

Das Geld für die Investitionen hatten sich die Baufirmen zu Boomzeiten bei Großbanken wie Santander, BBVA und Bankia geliehen. Seit dem Ende der wirtschaftlichen Blütezeit in Spanien meiden die Autofahrer jedoch die gebührenpflichtigen Strecken, viele davon im Umland von Madrid, und weichen auf Landstraßen aus.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

In den fünf Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs ist der Verkehr auf diesen Strecken um knapp 40 Prozent zurückgegangen, was die Betreiber-Gesellschaften in den Ruin trieb. „Alle Seiten versuchen, eine Lösung zu finden", hieß es in den Kreisen weiter. Sollte es dazu kommen, wird allerdings auch die EU-Wettbewerbsbehörde einen kritischen Blick darauf werfen. Falls die Schulden an den Staat übergehen, kann dies als Subvention für die Mautbetreiber gewertet werden.

Von

rtr

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