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11.08.2015

09:21 Uhr

Baukonzern beantragt Aufschub

Auch Imtech-Mutter kann nicht mehr zahlen

VonSönke Iwersen

Nachdem Imtech Deutschland einen Insolvenzantrag gestellt hat, streicht nun auch die niederländische Mutter die Segel. Der Milliardenkonzern beantragt einen Zahlungsaufschub. Betroffen sind mehr als 22.000 Mitarbeiter.

Der niederländische Konzern Imtech ist in finanzielle Schieflage geraten. dpa

Imtech

Der niederländische Konzern Imtech ist in finanzielle Schieflage geraten.

DüsseldorfEs ist vorbei. Noch vor zwei Wochen gab der Gebäudeausrüster Imtech bekannt, er befinde sich in konstruktiven Gesprächen mit seinen Hausbanken über einen neuen Kredit. 150 Millionen Euro frisches Geld sollten dem Konzern zufließen, 75 Millionen davon innerhalb einer Woche. Doch statt einer Entspannung folgte ein dramatische Verschärfung der Lage.

Am 4. August meldete Imtech, die Verhandlungen mit den Banken kämen nicht voran. Die eingeplanten 75 Millionen Euro, die vor allem für die deutsche Tochter von Imtech benötigt wurden, trafen nicht ein. Am 7. August stellte die deutsche Imtech in Hamburg einen Insolvenzantrag.

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Die deutsche Tochter ist insolvent, nun hat der Imtech-Gesamtkonzern einen Antrag auf Zahlungsaufschub gestellt. Die Aktionäre schäumen vor Wut, denn viele Millionen gingen an Unternehmensberater. Ein Kommentar.

Dann wurde es nur noch schlimmer. Freitag, das ganze Wochenende und auch am Montag verhandelte Imtech fieberhaft mit seinen Banken. Mehr als 40 Kreditinstitute mussten einen Kompromiss finden, fanden ihn aber nicht. Die Schulden von Imtech wurden am Finanzmarkt wie alte Schuhe gehandelt – teilweise gaben sich die Gläubiger mit fünf Prozent des Nominalwertes zufrieden, nur um die toxischen Papiere loszuwerden.

Der Aktienkurs von Imtech brach erneut ein. Innerhalb von nur zehn Tagen verlor die Aktie 90 Prozent ihres Wertes. Zuletzt lag der Kurs von Imtech, einem Unternehmen mit vier Milliarden Euro Jahresumsatz und 22.000 Mitarbeitern, bei 43 Cent.

Nun erfolgt der Radikalschnitt. Der Vorstandsvorsitzende Gerard van de Aast beantragte am frühen Dienstagmorgen beim District Court Rotterdam Zahlungsaufschub. „Leider mussten Vorstand und Aufsichtsrat das Unausweichliche tun und heute diesen Antrag stellen“, sagte van de Aast. „Es ist sehr enttäuschend, dass es nach all den Bemühungen von so vielen Beteiligten nicht möglich war, diese Situation zu vermeiden.“ Aber der Antrag sei vielleicht die beste Möglichkeit, um die Substanz des Unternehmens zu retten. Ein Antrag auf Zahlungsaufschub gilt dennoch als Vorstufe der Insolvenz.

Imtech und der BER – Sorgen um Flughafenprojekt

Der Termin, der wackelt – schon wieder

Der neue Hauptstadtflughafen gleicht einem taumelnden Boxer: Kaum hat er sich aufgerappelt, setzt es den nächsten Schlag. Ein paar Monate schien es, als gäbe es für das Krisenprojekt einen guten Plan, der nur noch abgearbeitet werden muss. Jetzt trifft die Pleite der wichtigen Baufirma Imtech die Baustelle wie einen Boxer die rechte Gerade. Die Verantwortlichen sind besorgt. Und alle fragen sich, ob die für 2017 geplante Eröffnung abgesagt werden muss – es wäre das fünfte Mal.

Welche Arbeiten erledigt Imtech in Schönefeld?

Der Gebäudetechnikausstatter arbeitet neben anderen wie Siemens an der Brandschutzanlage, deren unzureichendes Zusammenspiel neben schweren Mängeln seit Jahren den Flughafenstart verzögert. Mit dem Partner Caverion unterteilt Imtech etwa den zu großen Anlageabschnitt im zentralen Terminal, damit das „Monster“ (Flughafengesellschaft) beherrschbar wird. Imtech kümmert sich auch um Stromversorgung, Heizung, Sanitär und Lüftung. „Sanierung im Bestand“, hat Technikchef Jörg Marks das genannt, was momentan im Terminal läuft.

Lief die Arbeit immer reibungslos?

Nein. Projektbeteiligte berichten im Berliner Untersuchungsausschuss immer wieder von Schönrednerei und von Baufirmen, die machen was sie wollen. Einige Vorwürfe trafen auch Imtech. Die Firma soll mitunter monatelang mehr Bauarbeiter abgerechnet haben als tatsächlich im Terminal am Werk waren, kritisierte einer der Architekten.

Imtech habe mehr als 300 Millionen Euro vom Flughafen erhalten, teils aber ohne Gegenleistung, berichtete ein anonymer Hinweisgeber, der einen mutmaßlichen Bestechungsfall aufdeckte. Das Unternehmen soll einen leitenden Mitarbeiter des Flughafens bestochen haben, damit die Betreiber 65 Millionen Euro überweisen, ohne dass entsprechende Nachforderungen geprüft werden. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen die Verdächtigen nahezu abgeschlossen, der Flughafen-Mitarbeiter sitzt seit Mai in U-Haft.

Warum hat der Flughafen Imtech nicht rausgeworfen?

Die Verantwortlichen fürchteten, Zeit und Wissen zu verlieren. Imtech galt ihnen als „Schlüsselfirma“ für das Projekt. „Es gab den Glauben, dass in der Sekunde, wo die abziehen, was sie auf der Baustelle haben, der Termin tot ist“, sagte der frühere Technikchef Horst Amann einmal mit Blick auf den einst angestrebten Starttermin Oktober 2013.

Wie kam es zur Insolvenz?

Die deutsche Imtech-Tochter war in den vergangenen Jahren durch erhebliche Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Nach Konzernangaben hatte sie über Jahre Umsätze ausgewiesen, die es nicht gab. Das führte zu höheren Boni für die Führungsetage. Dann folgten millionenschwere Abschreibungen und Stellenstreichungen. Das neue Management konnte die Gesellschaft offensichtlich nicht aus der Schieflage befreien.

Welche Folgen hat das für den Flughafen?

Das wird wohl erst in den nächsten Tagen deutlich. „Maximale Unterstützung“ habe der Chef der deutschen Imtech, Felix Colsman, dem Flughafen zugesagt, heißt es. Doch wie viel ist die Zusage wert, wenn das Gehalt der Imtech-Leute nur bis Oktober gesichert ist? Die ersten erschienen schon am Freitag nicht mehr zur Arbeit. Der Insolvenzverwalter muss entscheiden, welche Aktivitäten des Großunternehmens mit 4000 Beschäftigten er am Laufen halten kann.

Kippt damit schon wieder der Eröffnungstermin?

Das ist nicht ausgeschlossen. Noch ist geplant, im zweiten Halbjahr 2017 an den Start zu gehen - mit sechs Jahren Verspätung. Die Situation jetzt erinnert an den Sommer 2010, als der Flughafen den ersten Eröffnungstermin im Oktober 2011 verschob - unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma.

„Imtech ist eine der wichtigsten Baufirmen auf der BER-Baustelle“, sagt Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Im fliegenden Galopp die Pferde zu wechseln, bringt Großprojekte in der Regel aus dem Tritt. Und der Zeitplan ist ohnehin angespannt. Erst am Donnerstag hatte Mühlenfeld die Planungs- und Baufirmen zu mehr Engagement aufgefordert, weil man einigen wichtigen Zwischenterminen hinterherhinke.

Für die Aktionäre allerdings kommt jede Rettung zu spät. Noch im Oktober 2014 hatten sie bei einer Kapitalerhöhung neue Aktien im Wert von 600 Millionen Euro gezeichnet. Da der Markt kaum Interesse daran zeigte, mussten die beteiligten Banken einspringen, drei niederländische Geldinstitute und ein deutsches hielten anschließend insgesamt 47 Prozent der Anteile. Auf deutscher Seite erwischte es die Commerzbank – sie hält allein 11,8 Prozent an dem maroden Unternehmen.

Die Aktien, die einmal 70 Millionen Euro wert waren, brachten am Montag nur noch sechs Millionen Euro auf die Wage – und auch die muss die Commerzbank voraussichtlich abschreiben.

Kommentare (4)

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Herr Peter Delli

11.08.2015, 09:56 Uhr

Es geht Aufwärts in der EU. Alle Zahlen sprechen für den Aufschwung. Europäische Aktien sind
unterbewertet u.s.w. So in der Kampfpresse zu lesen. Warum glaub ich das nicht?

Frau Ich Kritisch

11.08.2015, 11:30 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Peter Delli

11.08.2015, 12:39 Uhr

Frau Anna Buschmann@
Danke, das ist ein schöner Tag.

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