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05.11.2014

15:16 Uhr

Baukonzern

Energiemarkt sorgt bei Bilfinger für Verluste

Ein Ende der Krise bei Bilfinger ist nicht in Sicht. Der Bau- und Dienstleistungskonzern hat zum vierten Mal innerhalb weniger Monate seine Jahresziele kassiert. Schuld ist vor allem der Energiemarkt.

Bilfinger liefert Bauteile für neue Kraftwerke und hilft, den Wirkungsgrad alter Anlagen zu erhöhen. Doch das Geschäft läuft nicht gut. obs

Bilfinger liefert Bauteile für neue Kraftwerke und hilft, den Wirkungsgrad alter Anlagen zu erhöhen. Doch das Geschäft läuft nicht gut.

Düsseldorf/MannheimDie Krise beim Industriedienstleister Bilfinger spitzt sich zu. Zum vierten Mal innerhalb weniger Monate kassierte der Vorstand seine Jahresziele und erwartet 2014 unter anderem wegen Abschreibungen auf sein Kraftwerksgeschäft nun einen Verlust. Interimschef Herbert Bodner kündigte am Mittwoch an, auch die kommenden Jahre würden sich schlechter entwickeln als bislang erwartet.

Als Grund für die Misere nannte er die "erheblich" verschlechterte Nachfrage der Kunden aus der Energiewirtschaft in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Bodner, der nach dem Abgang von Ex-CDU-Politiker Roland Koch die Konzernleitung übernahm, bezifferte die Summe der Abschreibungen auf Firmenwerte und weitere Sondereffekte in diesem Jahr mit rund 230 Millionen Euro.

Bilfinger-Großaktionär Cevian wollte die erneute Prognosesenkung nicht kommentieren. Der Finanzinvestor hält über 25 Prozent an Bilfinger. Cevian-Manager Jens Tischendorf hatte sich zuletzt von der erfolgreichen Zukunft Bilfingers überzeugt erklärt. "Cevian Capital investiert langfristig, weil wir wissen, dass man Unternehmen nicht in wenigen Quartalen erfolgreich ausrichten kann.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Mit der neuerlichen Hiobsbotschaft vergraulte der Mannheimer Konzern indes seine Anleger, nachdem sie bereits nach den beiden Gewinnwarnungen von Ex-Chef Koch im Sommer den Rückzug angetreten hatten. Bei einem Abschlag von mehr als 15 Prozent auf 42,98 Euro notierten die Titel so niedrig wie zuletzt 2010. Im Frühjahr waren die Papiere noch mehr als doppelt so viel wert gewesen. "Vierter Akt im Drama 2014", brachte es Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe auf den Punkt.

Der Abschreibungsbedarf sei vom Management in den vergangenen Monaten wiederholt bestritten worden. "Nun ist er da." LBBW-Analyst-Thomas Klee kommentierte: "Dass Bilfinger jetzt noch einmal die Jahresziele kassiert hat, ist ein weiterer deutlicher Rückschlag. Man kann nur hoffen, dass Bilfinger jetzt endlich reinen Tisch gemacht hat und 2015 neu durchstarten kann."

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