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28.02.2013

08:12 Uhr

Baukonzern

Umbau bei Hochtief wird noch umfassender

Der Baukonzern Hochtief hat im vergangenen Jahr die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft. Doch den spanischen Eignern ist das nicht genug. Sie stellen weite Teile des Geschäfts zum Verkauf.

Eine Hochtief-Baustelle in Düsseldorf. dpa

Eine Hochtief-Baustelle in Düsseldorf.

DüsseldorfDer neue Hochtief -Chef Marcelino Fernández Verdes will sich von Teilen des Europa-Geschäfts verabschieden. Der vom spanischen Mehrheitseigner ACS entsandte Manager will den Essener Konzern auf das Infrastruktur-Geschäft konzentrieren: "Die größten Potenziale sehen wir im klassischen Baubereich", erklärte der seit November amtierende Verdes am Donnerstag in Düsseldorf.

Einheiten mit mehr als 5500 Mitarbeitern sollen verkauft werden, für zwei Projektentwickler prüft Verdes "strategische Optionen" wie etwa Partnerschaften. Insgesamt steht rund die Hälfte des zuletzt margenschwachen Europa-Geschäfts zur Disposition. Die bereits angekündigten Verkäufe von Flughafen- und Immobilienbeteiligungen will er vorantreiben - auch wenn sich die seit Jahren geplante Trennung von den Flughäfen "weiterhin schwierig" gestalte.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Hochtief solle sich künftig auf Kernkompetenzen konzentrieren und zu einem der größten Infrastrukturanbieter der Welt werden - also Projekte in Verkehr, Energie oder Städtebau realisieren. Hochtief schlägt damit einen anderen Weg ein als Konkurrent Bilfinger, der das Service-Geschäft forcieren will.

Der vom spanischen Großaktionär ACS entsandte Verdes hatte nach seiner Amtsübernahme im vergangenen November alle Unternehmensteile auf den Prüfstand gestellt. Verdes hatte immer wieder betont, er wolle Hochtief auf Profit trimmen. Der Konzern müsse dabei aber noch ein "hartes Stück Weg" zurücklegen. ACS hatte sich nach einem langen Übernahmekampf 2011 die Mehrheit an Hochtief mit seinen rund 80.000 Mitarbeitern und Auslandstöchtern wie Leighton gesichert.

In der Belegschaft waren immer wieder Befürchtungen laut geworden, ACS könne Hochtief zerschlagen. Der Konzern werde in diesem Jahr 140 Jahre alt und solle "auch in Zukunft Geschichte schreiben", versicherte Verdes. Hochtief werde ein in Deutschland börsennotiertes Unternehmen mit Hauptsitz in Essen bleiben, versicherte der Spanier erneut.

Kommentare (8)

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DEUFRA2011

28.02.2013, 08:30 Uhr

Neben allem Groll den diese Geschichte Hochtief / ACS bei einem auslösen kann, bleibt bei mir die Frage warum Deutschland sich so ausbeuten läßt wenn andere Länder, wie Spanien und Frankreich, ihre Industrien sehr wohl zu schützen wissen. Wäre es nicht an der Zeit in diesem Sinne wieder eine deutsche nationale Industriepolitik zu entwickeln? Es kann doch nicht sein, dass bankrotte ausländische Firmen über von ihren insolventen Staaten abgesicherten Krediten und mit einem auf unsere Kosten geretteten Euro, gesunde deutsche Firmen aufkaufen, diese zerlegen, ausschlachten, um die ursprünglich bankrotte Firma zu sanieren. Wir führen uns ja auf wie naive Idioten und werden dann auch noch beschimpft. Anstatt in Hochtief zu investieren ist von deutschen Banken deutsches Kapital in spanische Staatanleihen gegangen und wir dürfen dann diese Staaten mit deutschem Steuergeld retten. Irgendwie irre.

Gast

28.02.2013, 09:27 Uhr

Finanzindustrie vor der restlichen Industrie. Dann Staaten, dann politische individuen.
Der einfache Bürger kommt in Plänen nicht vor, ausser als "die Steuereinnahme".

Beobachter

28.02.2013, 09:39 Uhr

Ein nationaler Weg ist noch verhängnisvoller, er führt zurück in die isolierte Kaiserzeit als man England dank großen Binnenmarkt (DE Einigung) und Innovationen (Elektro-und Chemieindutrie) wirtschaftlich überlegen wurde. Das war für das völlig unterlegene Frankreich ein politischer Schachzug einen Verbündenten in seiner Einkreisungspolitik zu aktivieren (wovor Bismarck immer warnte).
Das ganze wiederholt sich gerade mit dem Euro ähnlich, England ist außen vor und Frankreich führt mit den Süden Deutschland und co. in die Schuldenunion (nennen sie wie es wollen, die Parteien betreiben Wählertäuschung). England wird entscheiden ob sich Deutschland in eine (gemeinsame) Nordunion retten kann, oder im jetzigen Euroverbund zusammenbricht.
Geschichte wiederholt sich, das vergessen leider immer wieder unsere Politiker in ihrem ideologischen Wahn.
Die friedliche Einigung Europas, wo jedes Land seine Identität und Wertschöpfungsquellen (bzw. bezahlbaren Lebensstandard) bewahrt, sind mit dem Euro völlig aus dem Gleichgewicht. Der Süden wurde von ganz kriminellen,
dank Niedrigzins, über das Ohr gehauen. ACS ist einer davon, wer wenn nicht die haben vom "Bauboom" profitiert. Der Normalbürger Europas muss dafür bluten.

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