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20.07.2011

15:54 Uhr

Baumarktkette

Praktiker-Chef Wolfgang Werner tritt zurück

Seit langem hatte Praktiker Probleme und so manche Altlast aufzuarbeiten. Das muss die Baumarktkette nun ohne ihren Chef schaffen: Wolfgang Werner tritt zurück. Die Aktionäre freuen sich darüber.

Der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Werner tritt zurück. Quelle: ap

Der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Werner tritt zurück.

KirkelDer Chef des krisengeschüttelten Baumarktkonzerns Praktiker hört auf. Vorstandschef Wolfgang Werner habe den Aufsichtsratsvorsitzenden Kersten von Schenck am Mittwoch darüber informiert, dass er sein Mandat niederlege, teilte das Unternehmen mit. Von Schenck habe Werner gebeten, seine Aufgaben solange weiter wahrzunehmen, bis der Aufsichtsrat die Nachfolge geregelt habe. Damit sei sicher gestellt, dass der Vorstand zu keiner Zeit führungslos sei.

Die Aktie drehte nach der Mitteilung ins Plus und setzte sich mit einem Zugewinn von neun Prozent an die Spitze der Gewinner im Nebenwerteindex MDax. Praktiker hatte zuletzt gegen den Branchentrend Umsatzrückgänge verbucht und Marktanteile verloren.

Wolfgang Werner hatte seine Aktionäre scheinbar daran gewöhnt, dass sie sich mit kleinen Ergebnissen zufriedengeben müssen. Auf der Hauptversammlung im Mai speiste sie der 57-Jährige mit einer Dividende von zehn Cent ab. Und auch der Ausblick, den der Baumarktchef präsentierte, war eher trüb. Das erste Quartal sei bei Umsatz und Ergebnis hinter den Vorjahreswerten zurückgeblieben, gestand Werner. Auch das
zweite Quartal lief für die Kette schlechter als erwartet. Deshalb hatte Praktiker die Gewinnprognose für das Jahr 2011 gesenkt und war davon ausgegangen, dass das operative Ergebnis (EBITA) vor
Sondereffekten unter dem des Vorjahres bleiben wird.

Der ansonsten energiegeladene Essener, der gern mit hochgekrempelten Hemdsärmeln durch die Gänge seiner Baumärkte rennt, fand offenbar nur schwer ein Rezept gegen den Niedergang. Weil er die teuren "20 Prozent auf alles"-Rabattaktionen stoppte, bleiben die Kunden aus. Und das Restrukturierungsprogramm "Praktiker 2013", mit dem Werner den Ertrag verbessern will, zeigte bislang keine Wirkung.

Bereits 2010 büßte Praktiker massiv an Umsatz und Ertrag ein. Statt mit frohen Botschaften über einen baldigen Turn-around des MDax-Konzerns zu glänzen, überraschte der Vorstandschef am Freitag mit einer ungewöhnlichen Nachricht: Das Unternehmen soll künftig nur noch "Praktiker AG" heißen.

Die Trennung vom Namenszusatz "Bau- und Heimwerkermärkte Holding", feierte Werner die Entscheidung, sei eine "Entschlackung des bisher recht sperrigen, deutschen Namens".

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

20.07.2011, 20:46 Uhr

20% auf alles ausser Pflanzen war eben nicht DAS Erfolgsrezept das man sich ausgedacht hatte, um die Zahlen nach oben zu bringen. Die Märkte waren zum Teil richtig verwaist wenn keine solcher Aktionen gelaufen sind. Preislich ging es ja eigentlich, obwohl der große Preisbrecher war Praktiker auch nicht mehr. Gute Marken, wie z.B. KRESS, wurden aus den Märkten verbannt und dafür die low cost Marke Budget für fast alle Bereiche etabliert. Elektromaschinen waren zum Teil so billig, das sie schon beim Anblick der geplanten Arbeiten kaputt gingen. Umtausch war immer noch das beste was einem mit diesen Geräten passieren konnte. In letzter Zeit war es auch manchmal arg schlimm mit der Personaldecke in den Märkten welche in meinem Einzugsgebiet liegen. 1 Mitarbeiter für 2 - 4 Abteilungen und das über Stunden. Schlechte Auskünfte, begründeter "Unmut" bei den Verkäufern waren oder sind an der Tagesordnung. Dem Sparzwang wird alles untergeordnet - koste es was es wolle. Dabei wäre es sicher auch im Sinne der Aktionäre, wenn durch genügend Personal solche Durststrecken für die wenigen Mitarbeiter nicht vorkommen müssten - weil dann vielleicht auch die wenigen Kunden mehr Geld in den Märkten lassen würden wenn sie gut beratebn werden. Neue Arbeitsbekleidung ist nicht alles und kann über die bestehenden Misstände auch nicht hinwegtäuschen.
Man kann nur hoffen, dass es mit einem neuen Chef besser wird und man auch mal auf die Mitarbeiter zugeht und hört was an der Basis los ist und nicht nur Eurozeichen in den Augen hat wie Dagobert Duck die Taler.

Paule_Praktiker

20.07.2011, 21:32 Uhr

Tja, das war´s. Werner geht. Bleibt die Frage: Was bleibt? Praktiker wurde unter seiner Regie vom ehrlichen "billigen Baumarkt" zum ambitionierten, aber erfolglosen "geht nicht, gibt´s nicht" Obi-Konkurrenten. Schlussendlich wurde der Zauberlehrling Werner die Geister, dier er rief mit seinen "20% auf alles" nicht mehr los. Und die Reduzierung auf den Preis konnte man alsbald auch im Slogan sehen: "Hier spricht der Preis". Wer sollte denn auch sonst sprechen? Das Personal jedenfalls nicht: Entweder findet man keins...oder wenn doch, dann keins mehr, das des Sprechens mächtig ist. Durch die Regale robben um Preisschilder zu tauschen: ja. Paletten im Akkord durch die Gänge ziehen: das auch. Aber sprechen...?

Dem Nachfolger wünsche ich viel Glück...er wird es definitiv brauchen. Und bitte, bitte: keinen Fleischergesellen mehr.

arturnico

20.07.2011, 22:22 Uhr

Eigentlich sehr schade, da der Mann wirklich einiges bewegen kann....

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