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02.01.2007

14:54 Uhr

Bavaria International Aircraft Leasing

Bayerische Flugzeuge am chinesischen Himmel

VonMarkus Fasse und Joachim Hofer

Wer in diesen Tagen im fernen Guangzhou an Bord einer Maschine der China Southern steigt, stärkt den bayerischen Mittelstand. Die nagelneuen Boeings stammen aus dem Bestand der Bavaria International Aircraft Leasing. Gebaut in Amerika, geflogen von Chinesen, vermietet von Münchenern. Eine stolze, aber bescheidene Firma aus dem Freistaat, mitten in der Globalisierung.

Eine Boeing der China Southern in Shanghai. Foto: ap ap

Eine Boeing der China Southern in Shanghai. Foto: ap

MÜNCHEN. "Wir haben uns als kleine Gesellschaft gewisse Nischen geschaffen", sagt Karsten Sensen, Geschäftsführer der Bavaria, mit hanseatischer Zurückhaltung. Sensen betreibt ein einzigartiges Geschäft in Deutschland. Denn außer den Münchenern versucht sich niemand im größeren Stil am so genannten "Operating Aircraft Leasing". Viel Kapital, noch mehr Marktkenntnis und gute Beziehungen sind die Voraussetzungen. Denn der Kauf neuer Flugzeuge und die anschließende Vermietung sind ein riskantes Unterfangen - vor allem für Mittelständler, die im Gegensatz zu börsennotierten Konzernen keine riesigen Verluste auffangen können. Zahlen zum Geschäft sind Privatangelegenheit bei der Bavaria.

Marktgiganten wie die US-Gesellschaft ILFC haben bis zu 1000 Flugzeuge, da sind die 19 Maschinen der Bavaria eine kleine Nummer. Ziel ist es, um die 30 Jets im Bestand zu haben. Doch jüngst haben die Münchener acht Maschinen verkauft, wie sie das meistens tun, wenn die Flugzeuge 15 Jahre alt sind. Jetzt warten sie auf Ersatz. Es sind hauptsächlich Boeings mit bis zu 200 Plätzen, die sich die Münchener zulegen. Darüber hinaus gehören ihnen zwei Airbus A 320.

Bavaria International Aircraft Leasing gehört zur Schörghuber-Gruppe. Schörghuber - der Name ist außerhalb Münchens nur Eingeweihten ein Begriff. Dabei gehören zu dem Familienunternehmen viele bekannte Brauereien, etwa Paulaner aus München oder Fürstenberg aus Donaueschingen. Darüber hinaus betreibt die Gruppe die Arabella Sheraton Hotels. In München und Umgebung ist das Unternehmen auch einer der größten Anbieter von Neubau-Wohnungen und Büroimmobilien. Dass die Gruppe zudem noch Flugzeuge vermietet, geht auf Firmengründer Josef Schörghuber zurück. Der hatte in den 70er Jahren sogar eine eigene Airline besessen, die Bavaria Fluggesellschaft. Nach deren Verkauf Ende der Siebziger blieben der Name und das Leasinggeschäft.

"Wir rüsten die Flugzeuge so aus, dass wir sehr flexibel sind und die Maschinen überall auf der Welt platzieren können," sagt Bavaria-Chef Sensen. Das betrifft die Instrumente im Cockpit genauso wie die Zahl der Anschlüsse für Toiletten. Diese Flexibilität ist wichtig. Denn wenn der ehemalige Berufspilot die Jets bei Boeing bestellt, weiß er noch nicht, an wen er sie einmal vermieten wird. Und asiatische Fluglinien verzichten gerne mal auf eine Toilette, wenn dafür zwei Sitze mehr montiert werden können. Neben der China Southern gehören auch die brasilianische Varig oder die griechische Olympic zu den Kunden der Bavaria.

Es ist ein Geschäft mit guten Perspektiven. Denn Asiens Volkswirtschaften wachsen schnell, der Luftverkehr hebt ab. Kapital für das Flottenwachstum kommt immer mehr von außen, 50 Millionen Dollar für ein neues Flugzeug hat kaum eine Airline in der Portokasse. "In zehn bis 15 Jahren wird jedes zweite Passagierflugzeug geleast sein", sagt Sensen. Heute liegt der Anteil bei einem Drittel. Grund genug für die Bavaria, um über ihren Schatten zu springen.

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