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13.01.2011

14:20 Uhr

Bayer-Cropscience

Mit der nötigen Härte

VonSven Prange

Die Chefin von Bayers Agrar-Sparte krempelt den Teilkonzern um – so entschieden wie charmant. Denn Veränderungen sind das, was sie antreibt. Und ihre Triebkraft scheint dem Konzern auch auf Dauer einen innovativen Erfolg zu versprechen.

Bayers Agrar-Sparten Chefin Sandra Peterson. Quelle: Pressebild

Bayers Agrar-Sparten Chefin Sandra Peterson.

DÜSSELDORF . Sie bezog es auf sich. Längst hat sich aber jener Satz, den Sandra Peterson während ihres ersten öffentlichen Auftritts als neue Chefin von Bayers Agrar-Sparte Cropscience sagte, als Handlungsrahmen für ihre Vorstandszeit entpuppt. "Herausforderung und Wandel sind das, was mich antreibt", sagte Peterson, als sie vor einem halben Jahr an die Spitze der Bayer-Agrarsparte rückte. Vor allem den Wandel haben die 18 000 Mitarbeiter des Teilkonzerns seitdem reichlich erlebt.

Getrieben von mäßigen Ergebnissen der Sparte und einem Umstrukturierungsprogramm des neuen Konzernchefs Marijn Dekkers, strafft Peterson ihren Bereich. Jetzt verkündete der Teilkonzern Einschnitte an zwei US-Standorten. 300 Arbeitsplätze fallen weg.

Die Chefin hielt sich zurück. Stattdessen erklärte Produktionsvorstand Achim Noack: "Diese Entscheidung steht im Einklang mit unserer Strategie, ältere Substanzen in unserem Portfolio zu ersetzen." Sich selbst zurückstellen, andere in die Verantwortung nehmen, das passt zu Petersons Führungsstil.

Seit Oktober leitet sie den mit 6,5 Milliarden Euro Umsatz kleinsten der drei Bayer-Teilkonzerne Pharma, Kunststoff und Agrochemie. Ihr Aufstieg an die Spitze war eine Sensation. "Sandi", wie Vertraute sie nennen, ist die einzige Frau im Bayer-Vorstand, Amerikanerin und kein Eigengewächs. Zwar arbeitet die Volkswirtin und Politikwissenschaftlerin seit 2005 in Bayers Gesundheitssparte, machte aber zuvor Karriere bei Merck-Medco und McKinsey.

Dementsprechend tuschelten Mitarbeiter, als nach ihrem Amtsantritt McKinsey-Leute über die Flure huschten. Alles kein Problem, hieß es aus Konzernkreisen. Berater seien ständig im Unternehmen, gerade in Zeiten wie diesen. Ansonsten ist aus Arbeitnehmerkreisen viel Lob für die 51-Jährige zu hören. Verlässlich sei sie, argumentierfreudig, und sie handle stets mit Augenmaß. Und gelernt hat sie, die als Kind viel Zeit auf dem Bauernhof verbrachte, sonst aber kaum Agrarerfahrung hat. Etwa, dass Cropscience sein Produktportfolio erneuern muss.

Gentechnik, Umweltschutz und Ernährungssicherheit fordern die Branche heraus. Dementprechend nutzt Peterson die Sparvorgaben des Gesamtkonzerns – Konzernchef Dekkers will bis 2013 rund 800 Millionen Euro sparen –, um ihr Agrar-Portfolio zu entrümpeln. Im Dezember verkaufte Bayer schon ein Pflanzenschutzmittel an den Konkurrenten Amvac. "Nachvollziehbar und wenig überraschend", sagten gestern Arbeitnehmervertreter. Sie haben gesehen, dass ihr Unternehmen sich zuletzt schlechter als die Konkurrenz entwickelte. Neben den gestrichenen 300 US-Arbeitsplätzen sollen daher genauso viele in Deutschland wegfallen.

Allerdings hat Peterson für die Deutschen ein Zückerchen: Sie will Produkte aus der eigenen Forschung besser vermarkten – und geforscht wird stark an den deutschen Standorten Monheim und Frankfurt. Damit sie Wandel künftig nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance beschreiben kann.

Kommentare (1)

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Mariana Mayer

13.01.2011, 16:14 Uhr

Wenn ich das Foto sehe, erinnert sie mich an meine Aussage von vorgestern, Frau steht im Anzug da und platzt aus allen Nähten und sagt zu mir:

Sie seie gut zum Leute antreiben da.

Habe ich gefragt: Und haste was gelernt, nö sagt sie, wird aber gut bezahlt.

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