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24.10.2011

12:59 Uhr

BayernLB-Prozess

Gribkowsky-Anwalt:"Heilige Hetzjad"

VonAxel Höpner

66 Millionen Dollar Schaden soll der frühere Risikovorstand Gerhard Gribkowsky der Bayrischen Landesbank zugefügt haben. Beim heutigen Start des Prozesses gehen seine Anwälte selbstbewusst in die Offensive.

Der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky steht am Montag im Landgericht München mit seinen Anwälten Dirk Petri (links) und Rainer Brüssow (rechts) hinter der Anklagebank. dpa

Der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky steht am Montag im Landgericht München mit seinen Anwälten Dirk Petri (links) und Rainer Brüssow (rechts) hinter der Anklagebank.

MünchenEs wird kein einfacher Prozess - das zeigt bereits der Prozessauftakt am heutigen Montag am Münchener Landgericht. Angeklagt ist der ehemalige Risikovorstand der BayernLB, Gerhard Gribkowsky. Er soll Deutschlands zweitgrößter Landesbank Anfang 2006 einen Schaden von 66 Millionen Dollar zugefügt haben. Dem 53-Jährigen, der seit Anfang 2011 in Untersuchungshaft sitzt, droht eine jahrelange Haftstrafe.

Gribkowskys Anwalt Rainer Brüssow gab sich vor Beginn der Verhandlung zuversichtlich. Er will einen Freispruch für seinen Mandanten.

Als der Prozess mit einer halben Stunde Verspätung losgeht, versucht Gribkowsky den lässigen Auftritt. Im grauen Dreireiher betritt er den Gerichtssaal, die Hände in den Hosentaschen, und scherzt grinsend mit seinem Anwalt. Doch natürlich hat die monatelange Haft ihre Spuren hinterlassen. Ein wenig abgemagert sieht Gribkowsky aus, der einst so selbst-, so machtbewusste Manager spricht mit leiser Stimme.

Die Punkte der Anklage sind hart. Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung werfen die Staatsanwälte Gribkowsky vor. Der 53-Jährige hatte einst den Verkauf der Formel1-Anteile der BayernLB eingefädelt. Gribkowsky habe in dem Finanzinvestor CVC zwar einen Käufer gefunden, aber Angst gehabt, dass er nach einem Verkauf nicht mehr im Formel1-Zirkus mitspielen könne. Daher habe er Formel1-Impresario Bernie Ecclestone unter Druck gesetzt und eine Belohnungszahlung von 50 Millionen Dollar gefordert.

Gribkowsky spielte nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft sein eigenes Spiel - er habe die BayernLB verlassen wollen, und vielleicht sogar selbst Nachfolger Ecclestones werden wollen. 

Hier schmunzelt Gribkowsky, wie er überhaupt viel schmunzelt an diesem Vormittag. So amüsiert er sich wohl über die Art, wie der Staatsanwalt den Namen Ecclestone ausspricht - jedes Mal, wenn der Name fällt, zucken anfangs die Mundwinkel nach oben.

"Die Vorwürfe haben mehr als einen Haken", sagt sein Verteidiger Brüssow. Am wichtigsten aber sei, dass bei dem Geschäft "Leistung und Gegenleistung gestimmt" hätten. Das lasse keinen Raum für Bestechung. Die Staatsanwaltschaft sei beseelt vom Wunsch, Gribkowsky zu überführen. "Ein Strafverfahren ist aber kein Wunschkonzert." Und Brüssow bleibt blumig. Eine "heilige Hetzjagd" finde da gegen den Angeklagten statt. Selbst das Kommunistische Manifest zitiert er ("ein Gespenst geht um in Europa"). Das Geschäft jedenfalls sei sauber gewesen, und Zahlungen - auch in dieser Höhe - in der Formel 1 offensichtlich üblich.

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