Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2005

07:02 Uhr

Behrendt strotzt vor Selbstbewusstsein

Mit Ehrgeiz, Charme und Ellbogen

VonJ. Hofmann (M. Fasse; Handelsblatt)

Die Ford-Einkaufschefin Birgit Behrendt ist die einzige Frau im Vorstand eines europäischen Autoherstellers. Und sie hat nicht die Spur von Angst, irgendwann als vermeintlich inkompetent entlarvt zu werden.

KÖLN. Nein, die Frage, die sich angeblich Karrierefrauen öfter als ihre männlichen Kollegen stellen, ist Birgit Behrendt noch nie in den Sinn gekommen: Sie hat nicht die Spur von Angst, irgendwann als vermeintlich inkompetent entlarvt zu werden. „Für falsche Bescheidenheit ist auf dieser Ebene kein Platz. Ich bin überzeugt, dass ich das, was ich bisher gemacht habe, gut gemacht habe“, sagt sie.

Behrendt strotzt vor Selbstbewusstsein. Darf sie auch. Denn seit knapp einem Jahr ist sie Chefin der Einkaufsabteilung von Ford Europa – und damit die einzige Frau auf einem Vorstandsposten in der europäischen Automobilindustrie.

Sie ist mitverantwortlich dafür, dass Ford in Europa das Ergebnis 2004 um mehr als 1 Milliarde Euro verbessert hat und voraussichtlich wieder leicht schwarze Zahlen schreibt. Diesen Erfolg, den der Konzern heute offiziell verkünden wird, hat der Autobauer auch einer Einkaufschefin zu verdanken, die sich „nie zufrieden gibt“. Der Glaube, „dass man alles verbessern kann“, ist eine Voraussetzung der dynamischen, kleinen Frau, um in Verhandlungen mit Zulieferern über Preise und Fristen punkten zu können. Als „hart und kämpferisch, aber zielorientiert und kommunikativ“ beschreiben sie ihre Verhandlungsgegner.

„Natürlich muss man Ellbogen zeigen, das Geschäft ist schwierig“, sagt sie unverblümt mit einem makellosen Strahlen. Auch wenn sich die 45-Jährige mit dem blonden Pagenkopf ein herzliches, fast mädchenhaftes Lachen erhalten hat, zeigt der Blick durch die strenge Hornbrille Ehrgeiz und Biss. Die Frage, „ob ich mich als Frau durchsetzen kann, wurde mir nur ganz am Anfang gestellt“, sagt sie locker.

Ein langjähriger Mitarbeiter weiß, warum: Wer erlebt habe, wie sie selbst höher gestellte Manager „mit Argumenten an die Wand arbeitet“, stelle sich diese Frage nie mehr. „Wenn Sie sich mit ihr anlegen wollen, nehmen Sie besser einen Helm mit“, rät er jedem, der versucht, sie mit „Halbwissen“ anzugreifen: „Dann ist sie nicht zu bremsen.“

Erfahrungen mit Chefs hat Behrendt genügend gesammelt, fing sie bei Ford doch weit unten auf der Karriereleiter an. Als 19-jährige Abiturientin kommt sie zum Kölner Autobauer – weil Ford die erste Firma ist, die auf ihre breit gestreuten Bewerbungen reagiert.

Nach einer Ausbildung zur kaufmännischen Gehilfin – „weil das so schön schnell ging“ – wird sie als Sekretärin, dann als Sachbearbeiterin beschäftigt. Als die Sekretärin des Einkaufsdirektors erkrankt, übernimmt sie nach kurzer Bedenkzeit die Vertretung – ein Glücksfall. Ihre Neugier und ihr Engagement fallen auf. Der Chef, den sie „mit Fragen bombardiert“, drängt sie mit dem Versprechen zum Studium, sie danach als Einkäuferin einzustellen. Um keine Zeit zu verlieren, absolviert Birgit Behrendt ein Abendstudium. Er hält Wort.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×