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21.01.2005

07:00 Uhr

Beiersdorf läutet Generationswechsel ein

Der Überraschungskandidat

VonGregory Lipinski (Handelsblatt)

Thomas-Bernd Quaas beerbt Rolf Kunisch an der Spitze des Kosmetikkonzerns Beiersdorf.

HAMBURG. Der Mann hält sich gern im Hintergrund. Bei Treffen mit Analysten der internationalen Finanzszene oder bei gesellschaftlichen Ereignissen lässt er sich kaum blicken. „Wir haben bei Analystensitzungen immer nur den amtierenden Vorstandschef und den Finanzvorstand zu Gesicht bekommen“, meint etwa DZ-Bank-Analyst Heinz Müller.

Nun rückt der Mann mit dem hohen Stirnansatz und dem leicht ergrauten, kurzen Haar überraschend ins Rampenlicht. Thomas-Bernd Quaas wird neuer Vorstandsvorsitzender des im MDax notierten Hamburger Kosmetik- und Hautpflegekonzerns Beiersdorf. Der 52-Jährige soll Rolf Kunisch ablösen, der mit Ablauf der Hauptversammlung am 18. Mai in den Aufsichtsrat wechseln soll.

Damit läutet der Kosmetikkonzern mit seiner Dachmarke „Nivea“ schneller als erwartet einen Generationswechsel ein. Noch vor kurzem hatte der Aufsichtsrat den Vertrag von Kunisch um zwei weitere Jahre verlängert. Denn der 63-Jährige sollte das Unternehmen weiterführen, bis sich die Turbulenzen um die Übernahmeschlacht mit dem US-Konzern Procter & Gamble (Pampers) völlig gelegt haben.

Der amerikanische Riese hatte 2003 versucht, den Hamburger Konkurrenten zu schlucken. Zuvor hatte der Münchener Versicherungsriese Allianz angekündigt, er wolle seine 40-prozentige Beteiligung versilbern. Doch der Plan ging fehl: In einer konzertierten Aktion übernahm unter anderem der Hamburger Kaffeeröster Tchibo sowie die Stadt Hamburg das milliardenschwere Paket. Damit war die Zukunft von Beiersdorf in Hamburg gesichert.

Dass Beiersdorf-Mehrheitsaktionär Tchibo und die Stadt Hamburg, die Spitze von Beiersdorf verjüngen, ist verständlich. Zwar sollen Umsatz und Ertrag in diesem Jahr weiter deutlich steigen. Doch das Inlandsgeschäft schwächelt angesichts der Konsumflaute. Größeres Wachstum verspricht derzeit nur das Ausland – vor allem die USA, wo Beiersdorf seit Jahren geeignete Übernahmekandidaten sucht.

Quaas dürfte deshalb versuchen, die gut gefüllte, milliardenschwere Kriegskasse für weitere Zukäufe zu nutzen. Damit könnte das bisherige Markenartikelgeschäft mit den Hauptmarken „Nivea“, „Hansaplast“ und „Tesa“ neuen Schwung bekommen. Dies dürfte die Anleger freuen: Denn nach dem Höhenflug des Aktienkurses von 130 Euro in 2003 ist die Notierung drastisch abgesackt. Auch gestern gab der Kurs leicht um 1,38 Prozent auf 85,59 Euro nach.

Der Wechsel an der Spitze bereitet Mitarbeitern und Betriebsrat keine Sorgen. „Ich gehe nicht davon aus, dass Quaas an der bisherigen erfolgreichen Strategie des Konzerns etwas ändern wird“, meint Jürgen Krause, Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Beiersdorf AG, gegenüber dem Handelsblatt.

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